In der Schweiz setzt sich der Aufschwung fort

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Blick in die Schweiz: Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht für 2017 für die Schweiz von einem BIP-Wachstum von 1,7% aus. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

In der 2. Jahreshälfte 2016 hat die Konjunktur-Dynamik in der Schweiz mit einem BIP-Wachstum (Bruttoinlandsprodukt-Wachstum) von 0,1% deutlich nachgelassen und lag hinter den Erwartungen.

Insbesondere der Industriesektor dämpfte das Wachstum. Die Erholung vom Franken-Schock Anfang des Jahres 2015 ist dadurch ins Stocken geraten.

Die jüngsten Indikatoren deuten aber darauf hin, dass es sich dabei nur um eine kurze Verschnaufpause gehandelt hat.

Die Waren-Exporte zogen Anfang 2017 wieder an. Gerade die Chemie- und Pharma-Branche, die Ende 2016 mit negativen Verkaufszahlen enttäuschte, exportierte mehr.

Auch die Stimmungs- und andere vorlaufende Indikatoren zeichnen für die Zukunft ein positives Bild:

Sowohl das KOF-Barometer (Konjunktur-Barometer) als auch der Einkaufsmanager-Index (PMI) zogen deutlich an.

Der PMI, der wichtige Frühindikator der Industrie, markierte im März sogar den höchsten Indexwert seit gut 6 Jahren.

Die Erwartungen der Konsumenten bezüglich der allgemeinen Wirtschafts-Entwicklung sind ausgesprochen positiv. Und der Auftragsbestand der Industrie verbesserte sich.

Die gute Auslastung bei den Industrie-Unternehmen spiegelt sich in der Tatsache wider, dass sie ihre Verkaufs-Preise zuletzt Mitte 2011 so stark angehoben haben.

Zusammengefasst geht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) für die nahe Zukunft von einer Wachstums-Beschleunigung aus.

Konjunktur-Prognose

Für 2017 prognostiziert Seco ein BIP-Wachstum von 1,7%.

Die Prognose wurde damit aufgrund der schwunglosen Wirtschafts-Entwicklung zum Jahreswechsel leicht nach unten korrigiert (zuvor 1,8%).

Die von der Konjunktur-Forschungsstelle KOF der ETH Zürich im März befragten Wirtschafts-Experten lassen ihre Prognose für das Jahr 2017 unverändert.

Sie rechnen weiterhin mit einem Zuwachs des realen BIP von 1,5%.

Für 2018 geht Seco unverändert von einem BIP-Wachstum von 1,9% aus. Die Teilnehmer der KOF-Umfrage rechnen im Schnitt mit 1,7%.

Wichtige Wachstums-Impulse dürften vor dem Hintergrund der Erholung am Arbeitsmarkt und des anhaltenden Bevölkerungs-Wachstums von der Inlands-Nachfrage ausgehen.

Seit September 2016 sinkt die Zahl der registrierten Arbeitslosen.

Die Expertengruppe des Staatssekretariats geht angesichts der konjunkturellen Erholung von einem graduellen Rückgang der Arbeitslosen-Quote auf 3,1% bis 2018 aus.

Der Außenhandel dürfte ebenfalls positiv zum BIP-Wachstum beitragen, allerdings wird nach dem starken Jahr 2016 mit moderateren Wachstumszahlen gerechnet.

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Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung des Außenhandels ist, dass es nicht zu einer weiteren Franken-Aufwertung kommt.

Wie sich mögliche Risikofaktoren für die Weltwirtschaft, wie die Neuausrichtung der US-amerikanischen Wirtschafts- und Handels-Politik, die Neuwahlen in Frankreich, die latenten Probleme des Banken-Sektors in Italien und die Umsetzung des BrExit auswirken werden, bleibt abzuwarten.

Das größte inländische Risiko ist eine weitere Abschwächung der Baukonjunktur, die nach 6 Jahren des Booms 2015 in eine Konsolidierungs-Phase eingetreten ist.

Steigende Leerwohnungs-Ziffern, eine sich abschwächende Netto-Migration und möglicherweise steigende Zinsen könnten dem Bausektor zusetzen.

Teurer Aktienmarkt

Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) ist gemessen am KGV teuer geworden. Der Aktienindex hat in den letzten 5 Jahren um 40% zugelegt.

Neben der hohen Bewertung kommt hinzu, dass viele Unternehmen rekordhohe operative Margen aufweisen.

Schnäppchen gibt es daher aktuell kaum noch in der Schweiz, und die Gefahr für eine Korrektur ist zumindest gewachsen.

Jede 3. Schweizer Aktie ist gemäß einer Analyse der Zeitschrift Finanz und Wirtschaft so hoch bewertet, wie nicht zuvor in den letzten 10 Jahren.

7 von 8 Aktien notieren über dem langjährigen Mittelwert. Das impliziert, dass die Erwartungshaltung der Investoren an das künftige Gewinnwachstum gestiegen ist.

Fraglich ist nur, ob die Konzerne das auch rechtfertigen können. Der Spielraum für Profitabilitäts-Steigerungen dürfte zunehmend ausgereizt sein.

Viele Firmen befinden sich bereits an ihrer Margengrenze. Und jedes 2. Unternehmen weist eine im 10-Jahres-Vergleich überdurchschnittlich hohe operative Marge auf.

Unsere Top-Titel

Angesichts des hohen Bewertungs-Niveaus des SMI muss man bei der Suche nach interessanten Investments etwas tiefer schürfen.

Folgende Konzerne sollten Investoren, die in der Schweiz aktiv werden wollen, aus unserer Sicht näher unter die Lupe nehmen:

  • Bossard wurde von uns erneute als Top-Wert eingestuft. Der Konzern hat seine Ertragskraft überproportional gesteigert, und die bis 2020 verlängerte Kooperation mit dem US-Elektrofahrzeug-Hersteller Tesla sorgt für Wachstums-Fantasien – zumal auch andere E-Fahrzeug-Hersteller als Kunden gewonnen werden sollen. Beim wichtigen Kunden, dem US-Landmaschinen-Hersteller John Deere, zeichnet sich eine Erholung ab. Mit einem KGV von 22 ist die Bewertung nicht zu ambitioniert.
  • Burkhalter ist ebenfalls ein Top-Wert, doch durch gestiegene Preise für potenzielle Übernahme-Objekte, droht es für den Konzern schwieriger zu werden seine sehr erfolgreiche Akquisitions-Strategie fortzusetzen. Der Titel ist aber mit seiner großzügigen Ausschüttungs-Politik und einer Dividendenrendite von 3,7% für Dividendenjäger interessant. Auch Belimo gehört weiterhin zu unseren Top-Werten. Für 2016 wurden gute Zahlen präsentiert, und die Wachstums-Aussichten sind intakt. Allerdings ist das KGV von 29 ambitioniert. Für einen Gewinnschub könnte mittelfristig der Einstieg ins Sensor-Geschäft sorgen.
  • Titlis-Bahnen hat mit einem Rückgang der Pauschal-Touristen aus China zu kämpfen. Terrorangst und verschärfte Einreise-Bestimmungen haben die Reiselust der Chinesen gedämpft. Durch eine Reihe von Investitionen wurde die Attraktivität des Ski- und Erholungsgebietes erhöht. Die Gästezahl stieg in der Winter-Saison um 5%. Solange sich die Zahl der Gruppenreisen aus China aber nicht nachhaltig erholt, gehen wir nicht von einer signifikanten Gewinn-Verbesserung aus.
  • Bei Metall Zug macht die Haushalts-Sparte operativ gute Fortschritte. Mit einem deutlichen Gewinn-Anstieg könnte das Unternehmen überraschen, wenn das Finanzergebnis auch 2017 das hohe Niveau von 2016 erreicht und der Sterilisations-Sparte Belimed endlich der Turnaround gelingt.

2 Beispiele für Unternehmen, die mit historisch hohen Margen und hohen KGVs aufwarten, sind die beiden Pharma-Konzerne Ypsomed und IVF Hartmann.

Von der Qualität der Geschäftsmodelle sind wir überzeugt, auch wenn die Vorzeichen unterschiedlich sind.

IVF muss sich mit seinen Produkten auf einem gesättigten Markt behaupten und wächst über den kontinuierlichen Ausbau von Marktanteilen.

Ypsomed kann stark organisch wachsen. Der Diabetes-Markt ist attraktiv; die Zahl der weltweiten Diabetiker nimmt rasant zu.

Die Bewertungen lassen aber wenig Spielraum für Fehleinschätzungen bei der Gewinn-Erwartung.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.