Index-Investing: Die Katastrophe Italien – trotz niedrigster Kennzahlen

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Wenn Sie einfach investieren wollen, greifen Sie auf Index-Investments zurück. Indizes auf große Aktienmärkte haben einen entscheidenden Vorteil: Die Zusammensetzung […] (Foto: Deutsche Börse AG)

Wenn Sie einfach investieren wollen, greifen Sie auf Index-Investments zurück.

Indizes auf große Aktienmärkte haben einen entscheidenden Vorteil:

Die Zusammensetzung ändert sich nicht oft und ist nach objektiven Kriterien nachvollziehbar.

Das bedeutet in der Konsequenz, dass Sie nicht – wie bei willkürlich zusammengestellten Strategie-Indizes – mit neuen Kriterien regelmäßig überrascht werden können.

Strategie-Indizes sind gefährlicher

Bei Index-Zertifikaten auf Strategien etwa heißt es in den Prospekten dazu oft, dass deren Zusammensetzung vierteljährlich “geprüft” werde.

Deshalb gelten Index-Investments auf gängige Aktien-Indizes als Königswegs des einfachen Investierens.

Nur: Den richtigen Index zu finden, ist nicht so einfach, wie oft dargestellt. Sie können sich nicht ausschließlich an den Kennzahlen orientieren.

Kennzahlen: Schnelle Änderung möglich

Denn die Kennzahlen, wie etwa beim italienischen Index FTSE MIB, können sich fast über Nacht ändern.

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

DAX und Gold stürzen weiter abWährend es den US-Indizes größtenteils gut geht, geraten DAX und Gold weiter unter Druck. Die nächsten Widerstände stehen schon vor der Tür. › mehr lesen

Entscheidend für die Ausprägung dieser Werte sind die Einzelaktien, deren Kennzahlen wiederum auf Bilanzanalysen aufbauen.

Kommt es zu großen Abschreibungs-Wellen, ändern sich die Kennzahlen drastisch, woraufhin es bei den Indizes wiederum auf die faktischen Zusammensetzung der Branchen ankommt.

So würden wir davon abraten, in Italiens Index zu investieren.

  • Die Kennzahlen sind aktuell erstklassig:
  • Der FTSE MIB hat 40 Aktien und einen Börsenwert in Höhe von 270 Mrd. €. Das bedeutet: Immerhin sind die Aktien zusammen genommen so viel wert wie die DAX-Titel.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vom FTSE MIB liegt bei knapp 7 und ist noch einmal 20% günstiger als für den DAX. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) hat einen Wert von 0,6.
  • Theoretisch sind Sie damit für Investments von 10 € im Besitz von fast 17 € Buchwert = Substanz. Damit haben Sie rechnerisch doppelt soviel Substanz wie DAX-Investoren in der Hand halten.
  • Nur: Die Volatilität in Italien ist mit 36% deutlich höher. Das bedeutet: auch das Schwankungs-Potenzial. Das heißt auch, dass Sie sich nicht auf die fundamentalen Daten verlassen können.
  • Zum Vergleich: Der DAX hat eine “Vola” in Höhe von etwa 28% und legte seit Jahresanfang ungefähr 5% zu. Der italienische Index hingegen gab um 15% ab.
  • Deshalb ist ein Investment in Italien deutlich riskanter als etwa beim DAX. Ein normaler ETF-Fonds ist aus unserer Sicht noch eine vernünftige Anlage-Option, bei Hebelprodukten aber wäre das Risiko zu groß.

GeVestor meint

Hebelprodukte würden zum Rendite-Killer, denn die Put-Optionsscheine haben einen höheren “Spread” (Unterschied zwischen An- und Verkaufs-Kursen) als die stärker gehandelten Optionsscheine auf den deutschen Standard-Index DAX.

Das bedeutet: Für die meisten Anlage-Ideen und -vorhaben ist der Index aus Italien aus unserer Sicht nicht geeignet.

Der DAX ist die bessere Alternative. Stabiler erscheint außerdem der FTSE aus Großbritannien, den Sie als Blue-Chip-Index kaufen können.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.