Indikatoren für Aktien: Frühwarnsysteme

Ich hatte Ihnen am Dienstag versprochen, aufzuzeigen, dass sich die aktuelle Marktphase von der im Herbst 2009 in einem wichtigen Punkt unterscheidet.

Dazu möchte ich Ihnen heute einen weiteren Indikator für Aktien aus meinem breit gefächerten Arsenal vorstellen, den ich für meinen Börsendienst Top-Speed Investor entwickelt habe.

Ich nenne diesen Indikator „mein Frühwarnsystem“, da er aufgrund seiner Konstruktion für mittelfristige Börsenprognosen geeignet ist und sehr häufig schon frühzeitig zum Ein- oder Ausstieg rät.

Tatsächlich tut er sogar noch etwas mehr: Er sagt Ihnen nämlich, ob Sie Ihr Engagement im Aktienmarkt lieber etwas zurückfahren sollten oder ob Sie „Vollgas“ am Aktienmarkt fahren können.

Wie jeder andere Indikator auch, ist er kein perfekter Indikator mit 100% Trefferquote.

Auch das betonen wir hier auf Chartanalyse-Trends immer wieder: Es gibt keinen perfekten Indikator für Aktien, der Ihnen zu jeder Zeit rechtzeitig und zuverlässig sagt, wie Sie am Aktienmarkt agieren sollen!

Genau dies ist auch der Grund, warum wir für unsere Marktanalysen stets eine Vielzahl an Indikatoren gleichzeitig beobachten und untersuchen: So ergibt sich zumeist ein klareres Gesamtbild, das in aller Regel zuverlässiger ist, als sich auf einen einzelnen Indikator zu verlassen.

Hier nun zunächst einmal die Grafik des RS2-Wochen-Indikators für den DAX (selbstverständlich ist er auch auf jeden anderen Index oder auf Aktien anwendbar):

DAX-RS2-Wochen-Indikator: Dicht vor zweitem Verkaufssignal

So funktioniert der RS2-Wochen-Indikator

Der RS2-Wochen-Indikator ermittelt für eine Aktie oder einen Index die Relative Stärke nach Levy auf wöchentlicher Basis anhand einer von mir für den Top-Speed Investor entwickelten Formel.

Dabei wird die Relative Stärke über 2 Zeiträume gemittelt und anschließend geglättet. Zusätzlich wird aus diesen Daten ein Gleitender Durchschnitt über 50 Wochen gebildet.

Signale ergeben sich aus der Überkreuzung von Indikator und Gleitendem Durchschnitt sowie durch Überkreuzung der bei 1,0 verlaufenden Kauflinie. Dabei sind folgende Signale möglich:

  • Entwarnungssignal („Vorsichtig kaufen!“): Der Indikator überkreuzt den Gleitenden Durchschnitt von unten nach oben – ein erster Hinweis für eine Verbesserung des Marktklimas. Es können erste vorsichtige Käufe getätigt werden. Der Investitionsgrad kann auf 50% bis 75% ausgedehnt werden.
  • Kaufsignal („Rein in Aktien!“): Der Indikator überkreuzt nach dem Gleitenden Durchschnitt von unten nach oben auch noch die bei 1,0 verlaufenden Kauflinie von unten nach oben. Ein deutlicher Hinweis für einen Bullenmarkt. Der Investitionsgrad kann auf bis zu 100% ausgedehnt werden.
  • Korrektursignal („Vorsicht! Cash-Anteil erhöhen!“): Der Indikator überkreuzt den Gleitenden Durchschnitt von oben nach unten. Dies ist ein deutlicher Hinweis für eine Verschlechterung des Marktklimas. Der Investitionsgrad sollte tendenziell auf 50% bis 75% zurückgefahren werden.

Verkaufssignal („Raus aus Aktien!“): Der Indikator überkreuzt nach dem Gleitenden Durchschnitt von oben nach unten auch noch die bei 1,0 verlaufende Kauflinie von oben nach unten. Ein deutlicher Hinweis für einen Bärenmarkt. Der Investitionsgrad sollte massiv zurückgefahren werden.

Ergebnisse in der Vergangenheit.

Diese Signale habe ich im Chart oben durch verschiedenfarbige Balken markiert. Wie Sie sehen, hat dieser Indikator als Frühwarnsystem außerordentlich gut funktioniert.

Dass auch dieser Indikator nicht perfekt ist, können Sie an dem Verkaufssignal ganz links in der Grafik sehen, welches sich wenige Wochen später als Fehlsignal entpuppte.

Dafür nahm Sie der RS2-Indika­tor schon wenige Wochen später bei einem DAX von rund 5.900 Punkten wieder in den Markt und schaltete erst bei etwa 7.400 Zählern wieder auf Korrektursignal. Das sind immerhin 1.500 Punkte Plus oder +25%.

Natürlich können Sie auch sagen, dass der DAX trotz des Korrektursignals im 3. Quartal 2007 im Anschluss per Saldo gestiegen ist. Allerdings war der Zuwachs im DAX auch nicht gerade berauschend. Und: Geschadet hat es auch nicht, denn Sie wären ja noch immer zu 50% bis 75% investiert gewesen.

Dass es jedoch falsch ist, die Signale des RS2-Indika­tors zu ignorieren, zeigt die Marktphase ab Januar 2008: Am 25. Januar 2008 blies das System bei einem DAX von 6.816 zum Ausstieg und gab erst am 17. April 2009 bei 4.676 wieder ein Signal zum vorsichtigen Einstieg.

Das sind selbst in der rein mechanischen Anwendung bereits 2.140 ersparte Verlustpunkte (-31,4%) im DAX. So mancher Investor hätte dieses Signal im Januar 2008 sehr gerne zur Verfügung gehabt.

Aktuell: RS2-Indika­tor nähert sich Verkaufssignal

Seit dem 5. Februar 2010 befindet sich der DAX in einem Korrektursignal (1. von 2 Überkreuzungen), nachdem der RS2-Indika­tor den 50-Wochen-Gleitenden Durchschnitt von oben nach unten durch­stoßen hat.

Seit dem 7. Mai tendiert der RS2-Indikator nach unten, wobei sich die Abwärtsbewegung zuletzt beschleunigt hat (gelber Kreis). Sollte der Indikator also nicht sehr bald nach oben drehen, laufen wir auf ein Verkaufssignal zu.

Und das ist deshalb von großer Bedeutung, weil der RS2-Indika­tor für den US-Aktienmarkt ein solches Verkaufssignal bereits Ende Juni generiert hat…

15. Juli 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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