Infineon Aktie bricht ein: Hier die seltsamen Gründe

Das kommt bei den Anlegern nicht so gut an: Der Halbleiterhersteller Infineon musste seine Jahresprognose kappen. Demnach erwartet das Unternehmen für das Gesamtjahr nur noch einen Anstieg der Erlöse um 12 Prozent anstelle der bisherigen 13 Prozent.

Man war zu optimistisch, was die Wechselkursbedingungen anging – das Management betonte, dass die Kürzung der Prognose allein auf Währungseffekten beruht, da sich der Dollar nicht so stark entwickelt wie man es vor einigen Monaten noch gedacht hatte. Anstelle der bisherigen 1,10 Dollar je Euro kalkuliert Infineon nun mit 1,15 Dollar je Euro.

Prognose gekappt – Aktie im Keller

Solche Zahlenspiele haben zwar rein gar nichts zu tun mit der tatsächlichen Entwicklung der Geschäfte, doch an der Börse kommt nur eine Botschaft an: Prognose gesenkt. Und das wirkt sich in aller Regel negativ aus auf den Aktienkurs, so auch im Falle von Infineon. Das Papier sackte in Folge der Nachricht um rund 6 Prozent ab und notiert inzwischen gut 10 Prozent tiefer als noch zu Beginn des Jahres.

Der Zeitraum von Januar bis März war für Infineon bereits das zweite Quartal im laufenden Geschäftsjahr – und da lief es gar nicht mal so schlecht, wie die Quartalsbilanz belegt.

Solide Quartalsbilanz

Vor allem dank einer hohen Nachfrage aus der Automobilindustrie konnte Infineon ein bereinigtes operatives Ergebnis von 228 Millionen Euro erzielen und damit die Schätzungen der Analysten deutlich übertreffen, die im Schnitt nur 213 Millionen Euro erwartet hatten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legte dieser Kennwert um 15 Prozent zu.

Auch unterm Strich blieb mit 180 Millionen Euro mehr stehen als gedacht, und auch hier ist im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Steigerung erkennbar: Damals lag das Nettoergebnis bei 152 Millionen Euro. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal um 9 Prozent auf 1,61 Milliarden Euro.

Automobilindustrie wichtiger Kunde

Deutlich wurde zuletzt auch, wie wichtig die Automobilindustrie inzwischen für Infineon geworden ist: Mehr als 40 Prozent des Gesamtumsatzes steuert die Automotive-Sparte ein, die zuletzt noch einmal um 12 Prozent gewachsen ist. Die Chips werden vor allem benötigt, um die immer zahlreicher werdenden Assistenzsysteme auszustatten: Einparkhilfen gehören inzwischen zum Standard, auch Müdigkeitswarner sind stark im Kommen. Zudem werden die Halbleiter für neue elektrische Antriebe eingesetzt.

Im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres rechnet Infineon darüber hinaus wieder mit einer stärkeren Nachfrage aus dem Bereich der Handyhersteller. Auch Smartphones nutzen immer mehr solcher Chips, und traditionell steigt hier die Nachfrage ab dem Spätsommer, seit Apple stets im September die neueste Generation des Verkaufsschlagers iPhone präsentiert.

Insgesamt also laufen die Geschäfte nicht schlecht – den Kratzer im Lack hat sich Infineon eher selbst beigebracht durch eine ursprünglich zu optimistische Einschätzung der Wechselkursentwicklung.

2016-05-11 Infineon

12. Mai 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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