Infineon-Aktie: Trotz Rekordgeschäften kommt Aktie nicht in die Spur

Infineon-Aktie: Deutschland größter Chipkonzern steuert auf Rekordergebnis zu. Aktie kommt trotzdem nicht in die Gänge (Foto: 360b / shutterstock.com)

Auf den ersten Blick gab es an den gerade vorgelegten Zahlen von Deutschlands größtem Chipkonzern Infineon wenig zu meckern. Auf Grund er anhaltend hohen Nachfrage nach Halbleitern florieren die Geschäfte des Unternehmens aus Neubiberg. Der Konzern verdient gutes Geld und steuert ungebremst auf ein Rekordgeschäftsjahr zu. Dem Aktienkurs hat das zuletzt nur wenig geholfen.

Vielmehr gingen die Papiere nach den Zahlen sogar in die Knie. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 3% auf der Uhr. Auf längere Sicht kann sich die Entwicklung aber dennoch sehen lassen. Wer sich vor fünf Jahren Infineon-Aktien ins Depot gelegt hat und Geduld bewies, kann sich mittlerweile über einen Wertzuwachs von über 230% freuen.

Weltweit führender Anbieter von Halbleiterlösungen

Bevor ich auf die jüngsten Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Technologiekonzern mit seinen Geschäftsfeldern noch näher vorstellen. Infineon entwirft, entwickelt, fertigt und vermarktet eine breite Palette von Halbleiterprodukten und kompletten Systemlösungen für ausgewählte Anwendungsbereiche. Nach eigenen Angaben ist Infineon weltweit die Nummer eins im Markt für Leistungshalbleiter.

Mit weltweit etwa 37.500 Beschäftigten erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen setzt den Schwerpunkt auf die Themen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit und gliedert sich in die Geschäftsbereiche Automotive, Industrial Power Control, Power Management & Multimarket sowie Chip Card & Security.

Autosparte sorgt für kräftigen Rückenwind

Im vergangenen Quartal hat vor allem das Automotive-Geschäft, die mit Abstand größte Sparte des Unternehmens, für ordentlichen Rückenwind gesorgt. Vor allem der Trend zur E-Mobilität und die Nachfrage nach Halbleiterlösungen sorgten für Unterstützung. Da in den Autos der Zukunft immer mehr Chips eingebaut werden ist die absolute Entwicklung der Absatzzahlen bei den Autos nicht so entscheidend. Zusätzlich half die Erholung des Dollars zum Euro.

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Operatives Ergebnis klettert um 13% nach oben

Unter dem Strich verbesserte Infineon den Quartalsumsatz um 6% auf 1,94 Milliarden Euro. Parallel dazu legte das operative Ergebnis überproportional um 13% auf 356 Millionen Euro zu. Die operative Gewinnmarge wurde im abgelaufenen Quartal um 1,2 Prozentpunkte auf 18,3% erhöht. Am Ende blieb ein Nettoergebnis von 271 Millionen Euro übrig. Das entspricht einem Plus von 7% im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Firmenboss weiter zuversichtlich

Auch für das laufende Quartal zeigt sich Firmenchef Reinhard Ploss zuversichtlich. Bei einem erwarteten Umsatzplus zwischen 1 und 5% soll die Marge auf 19% ansteigen. Am Ende des Geschäftsjahres (30. September) soll dann ein Umsatzzuwachs von bis zu 7,4% auf 7,6 Milliarden Euro erreicht werden. Beim operativen Jahresgewinn peilt Infineon 1,33 Milliarden Euro an, was das beste Ergebnis der kompletten Firmengeschichte wäre.

Infineon reitet Megatrends

Mit seiner Positionierung gilt Infineon auch als einer der Profiteure des Automatisierungstrends. Der Konzern profitiert nicht nur von der zunehmenden Nachfrage nach Leistungshalbleitern für Autos (Elektromotoren, Sensoren für das Autonome Fahren), sondern auch von dem zunehmenden Robotereinsatz in industriellen Anwendungen. Auch hier gilt Infineon als wichtiger Lieferant. Zuletzt hat der Konzern deshalb auch seine Produktionskapazitäten vor allem an seinem Standort in Villach in Kärnten deutlich ausgebaut.

Große Bandbreite bei den Kurszielen

Unterdessen zeigten sich die Analysten nach den Zahlen recht optimistisch. Vor allem die Aussagen von Firmenchef Ploss in der Telefonkonferenz zum Handelskonflikt und der abgeblasenen Übernahme des Wettbewerbers NXP durch Qualcomm sorgten für positive Stimmen. Beides hat laut Ploss keine spürbaren Auswirkungen auf das Geschäft. Bei den Kurszielen zeigen sich die Analysten hingegen uneins. Auch wenn das Votum Kaufen deutlich überwiegt, ist die Spanne der Kursziele (zwischen 20 und 30,40 Euro) ausgesprochen groß.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.