Infineon-Aktie: US-Behörden bringen geplanten Riesen-Deal in Gefahr

Es hätte alles so schön sein können…

Im Juli letzten Jahres fädelte Deutschlands größter Halbleiter-Hersteller Infineon einen Mega-Deal in den USA ein: Für umgerechnet 765 Mio. € wollte Infineon den Rivalen Wolfspeed Power schlucken.

Der Zukauf kam an der Börse gut an – kein Wunder, ergänzen sich die beiden Konzerne doch nahezu ideal.

Beide Firmen produzieren Chips für die Stromversorgung – zugleich glänzt Wolfspeed mit hohen Gewinnmargen und robusten Wachstumsraten.

Doch nun wackelt die bereits sicher geglaubte Übernahme. Die US-Behörden funken nämlich vollkommen überraschend dazwischen.

Auch die Anleger erwischte die Meldung komplett auf dem falschen Fuß: Nach der starken Aufwärts-Bewegung der vergangenen Monate schalteten die Infineon-Papiere erst einmal den Rückwärtsgang ein.

Warum die US-Behörden die Übernahme auf Eis legen

Der Rückschlag kam völlig aus dem Nichts. Der Genehmigungs-Ausschuss der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump blockiert die Wolfspeed-Übernahme durch Infineon.

Als Begründung wird lediglich auf eine mögliche Gefahr für die nationale Sicherheit der USA verwiesen. Konkrete Fakten zur potenziellen Bedrohung wurden keine genannt.

Beide Unternehmen bekundeten sogleich eng mit den US-Behörden zusammenarbeiten zu wollen.

Auch eine mögliche Modifizierung der Transaktion wurde vom Wolfspeed-Verkäufer Cree ins Spiel gebracht. Garantien gibt es aber keine.

Damit steht fest: Wenn es überhaupt einen Deal gibt, dann nur mit starken Einschränkungen.

Wolfspeed wichtig für Infineons Pläne mit Elektroautos

Besonders ärgerlich ist der Widerstand für Infineon. Denn mit Hilfe von Wolfspeed wollte der Konzern seine Stellung als Zulieferer für Elektroautos und im Mobilfunk-Geschäft deutlich ausbauen.

Die Expertise der rund 550 Mitarbeiter und die Anlagen von Wolfspeed hätten etwa beim Bau kleinerer und effizienterer Ladegeräte für E-Autos geholfen.

Mit den Chips des US-Konzerns hätte Infineon über das umfassendsten Portfolio von Verbindungs-Halbleitern verfügt.

Die starke Position als führender Anbieter von Leistungs-Halbleitern und Hochfrequenzlleistungs-Bauelementen für Wachstumsmärkte wie Elektromobilität, erneuerbare Energien und die Mobilfunk-Infrastruktur wäre entscheidend gefestigt worden.

Hohe Gewinnmargen und kräftiges Wachstum

Auch das Votum der Analysten zu dem Deal fiel ausnahmslos positiv aus: Das Wolfspeed-Geschäft sollte nach Meinung der Experten bis 2025 um jährlich mehr als 20% zulegen können.

Auch wenn die Margen nicht exakt bekannt sind: Analysten sind sich sicher, dass die operative Gewinnmarge höher liegt als Infineons Konzernmarge.

Der Deal wäre also sofort deutlich wertsteigernd gewesen. Zugleich hätte nach der Integration nochmals spürbares Potenzial zur Ausweitung der Margen bestanden.

Übernahme-Wahrscheinlichkeit deutlich gesunken

Nach dem Widerstand der US-Behörden hat sich die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Abschluss der Transaktion deutlich verringert.

Damit steht Infineon nicht alleine da:

Bereits vor wenigen Monaten wurde die Übernahme des deutschen Chip-Anlagenbauers Aixtron durch den chinesischen Bieter Fujian Grand Chip Investment durch die US-Aufsicht blockiert.

Damit dürfte das Fusionsfieber im Halbleiter-Bereich allerdings nur vorrübergehend kleinen Dämpfer erfahren.

Denn die Übernahme-Welle in der Branche ist nur schwer zu stoppen.

Hintergrund ist neben einem erbitterten Preiskampf, dass es für die Unternehmen immer schwieriger wird, noch mehr Rechenleistung auf einen Chip zu packen.

Die Kosten für Entwicklung und Produktion sind kräftig gestiegen. Deshalb wird versucht die Ausgaben zu senken und von Skalen-Effekten zu profitieren – vorzugsweise durch Zukäufe und Fusionen.

13. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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