Infineon: Halbleiterhersteller bekommt grünes Licht aus Washington für größten Deal der Firmengeschichte

InfineonReinraum RED – obs Infineon Technologies AG

US-Behörde segnet milliardenschweren Cypress-Zukauf ab. Deutscher Chiphersteller nimmt damit wichtige Hürde. Vor allem das Automotive-Geschäft könnte kräftigen Schub erfahren (Foto: obs / Infineon Technologies AG)

Deutschlands größter Chiphersteller nimmt bei der milliardenschweren Übernahme des kleineren Rivalen Cypress eine weitere wichtige Hürde. Zuletzt stand der Deal noch auf der Kippe, doch jetzt hat das zuständige Komitee zur Überwachung ausländischer Direktinvestitionen in den USA (CFIUS) dem Zukauf ihren Segen erteilt. Washington sieht in der Transaktion keine Gefahr für die nationalen Sicherheitsinteressen. Damit steht nur noch die Zustimmung durch die chinesischen Wettbewerbshüter aus. Laut Infineon schreiten die Gespräche mit den zuständigen Behörden im Reich der Mitte konstruktiv voran.

Bei den Aktienkursen der beiden Firmen hinterließ die neue Meldung deutliche Spuren. Während die Papiere von Infineon nur kurz nach oben zuckten, schoss die Cypress-Aktien an der Nasdaq um satte 48% in die Höhe.

Aufstieg in die Top 10 der weltweiten Halbleiterkonzerne

Für Infineon ist der Deal ein großer Schluck aus der Pulle. Immerhin legt der deutsche Halbleiterkonzern für die Übernahme 9 Milliarden Euro auf den Tisch. Skeptiker stufen den Kaufpreis (immerhin das 4,5-Fache der Jahreserlöse von Cypress) als sehr ambitioniert ein. Zusammen kommen beide Firmen auf einen Gesamtumsatz von knapp über 10 Milliarden Euro.

Befürworter des Deals verweisen auf den Marktanteil, den das Gemeinschaftsunternehmen nach einem Zusammenschluss auf die Waage bringt. Immerhin steigt Infineon mit Cypress unter die zehn größten Halbleiterkonzerne weltweit auf.

Kompetenzen ergänzen sich gut

Bei Infineon erhofft man sich durch die Übernahme vor allem eine deutlich verbesserte Position am Markt für Automobil-Elektronik. Dort sind die Münchner heute sehr stark in der Sensorik und bei der Regelung von elektrischen Strömen, was für autonomes, elektrisches und hybrides Fahren wichtig ist.

Cypress verfügt auf der anderen Seite über eine starke Position bei Prozessoren. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um das Gehirn, das die Datenflut zu verarbeitet und steuert. Sollte der Markt rund um Roboterautos in Zukunft durchstarten, wäre Infineon mit Cypress in der Pole-Position, um von den dort entstehenden Absatzmöglichkeiten zu profitieren.

Vormachtstellung beim Autonomen Fahren

Neben seiner bereits heute führenden Position bei Leistungshalbleitern und Sicherheits-Controllern, steigt das Unternehmen zudem zur Nummer eins bei Chips für den Automobilmarkt auf. Zusammen mit Cypress verfügt Infineon über einen Marktanteil von 13 % und stößt damit den niederländischen Konkurrenten NXP im Automotive Segment vom Thron.

Gleichzeitig baut Infineon durch die Übernahme seine F&E-Position im Silicon Valley aus. Deutschlands wichtigster Chip-Konzern steigert sowohl seine Präsenz als auch seinen Marktanteil im amerikanischen und dem strategisch wichtigen japanischen Markt.

Infineon fährt Verschuldung hoch

Um den Deal zu finanzieren setzt Infineon auf verschiedene Instrumente: Neben einem Baranteil und der Ausgabe eigener Aktien und einer Hybridanleihe wird ein Großteil (5,8 Milliarden Euro) über neue Bankdarlehen gestemmt. Im Gegenzug rechnet Infineon-Boss Reinhard Ploss mit einem positiven Umsatzeffekt von mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Zusätzlich sieht er ein Sparpotenzial von jährlich 180 Millionen Euro.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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