Infineon: Marktführer mit Risiken

Man könnte sagen, es läuft einigermaßen rund bei Infineon:

Beobachter zeigten sich zufrieden mit den Quartalszahlen des abgelaufenen 3. Geschäfts-Quartals. Das Geschäftsjahr läuft für den Halbleiter-Hersteller noch bis Ende September.

Im Vergleich zum vorangegangenen Quartal stieg der Umsatz um 1%, im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 3%. Im Verhältnis zum 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres legte der Gewinn um 3% zu.

Analysten-Schätzungen zufolge wird der Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr bei 0,64 € liegen, für das kommende Jahr werden 0,74 € je Aktie erwartet.

Auch die Dividende soll demnach leicht angehoben werden von 0,20 € im vergangenen Jahr auf nun 0,22 € und 0,24 € im kommenden Geschäftsjahr.

Schwache Zukunfts-Perspektiven?

Kritiker bemängeln jedoch, dass Umsatz und Gewinn auf längerfristige Sicht kaum wachsen: Vor 10 Jahren machte Infineon einen höheren Umsatz als heute. Auch die Zukunfts-Perspektiven werden teilweise skeptisch bewertet.

Zwar ist Infineon unbestritten gut in der Entwicklung seiner Nischen-Technologien und liefert Halbleiter passgenau entsprechend der Bedürfnisse seiner Kunden.

Doch manch einem reicht das nicht. Skeptiker argumentieren, dass der Fokus der Geschäftsleitung zu sehr auf technische Innovationen gerichtet ist und weniger auf Wachstums-Perspektiven.

Zudem dürfte der Smartphone-Markt kaum noch Steigerungen bereithalten. Nach dem rasanten Anstieg in den vergangenen Jahren setzt inzwischen eine deutliche Sättigungs-Tendenz ein.

Hoffnungen ruhen stattdessen zunehmend auf dem Automobilmarkt:

Durch immer mehr ausgeklügelte Assistenz- und Komfort-Systeme werden leistungsfähige Bordcomputer benötigt – und zahlreiche Chips und Halbleiter. Hier liegt das Potenzial der nächsten Jahre für Infineon.

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht.

Noch kann Infineon seine Marktführerschaft behaupten, doch sowohl altbekannte US-Unternehmen als auch immer mehr Firmen aus Fernost drängen auf den Markt; von der aufstrebenden Industrie in China einmal ganz zu schweigen.

Das Umfeld wird rauer, doch Infineon ist auch politisch limitiert in seinen Entscheidungen – immerhin ist es als einziger global erfolgreicher Halbleiter-Hersteller Deutschlands ein wesentliches Unternehmen für den hiesigen Wirtschafts-Standort.

Infineon-Aktie – überbewertet?

Die Infineon-Aktie hat auf Jahressicht fast 50% zugelegt.

Aus Sicht mancher Analysten ist sie damit inzwischen zu teuer; zuletzt kostete sie mehr als 14 € und überschritt damit die Kursziellinie mehrerer Analyse-Häuser.

Es gibt jedoch durchaus auch Studien, die noch weiteres Kurspotenzial sehen und dazu raten, kurzfristige Rücksetzer zum günstigen Einstieg zu nutzen:

  • So sehen die Experten der Credit Suisse oder der Berenberg Bank die Infineon Aktie bei 15 €,
  • JP Morgan und Independent Research gehen gar von 16 € aus.
  • Die Commerzbank hat das Kursziel zuletzt auf 16,50 € beziffert.
  • Besonders optimistisch gibt sich das Bankhaus Lampe mit 18 €.

Anfang September geriet das Papier jedoch unter Druck, da die Investmentbank Oddo Seydler das Kursziel auf 13 € gesenkt und die Infineon Aktie mit der Empfehlung „reduce“ versehen hat.

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16. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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