Infineon prüfte 2017 STMicroelectronics-Übernahme

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Die Infineon-Aktie verliert trotz starker Zahlen und solidem Ausblick. Ist Anlegern die Investitionsstory nicht mehr spannend genug? (Foto: obs / Infineon Technologies AG)

Gestern gab Deutschlands größter Chip-Konzern Infineon die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2017/2018 bekannt, die am oberen Ende der Unternehmenserwartungen und auch über den Markterwartungen lagen.

Doch die Euphorie hielt sich nicht lange. Nachdem die Aktie am Vormittag noch 2% im Gewinn lag, ging dem Papier mehr und mehr die Puste aus. Zum Handelsschluss stand eine rote -3 auf der Anzeigetafel.

Starke Zahlen: Infineon im dritten Quartal über den Markterwartungen

Aktuell sind die Investoren sehr kritisch. Werden die Erwartungen am Ergebnis verfehlt oder liegt der Ausblick unter der Prognose, geht es tief in den Keller. Manchmal nützt es sogar nichts, wenn beides besser ausfällt als prognostiziert.

Bei der Infineon-Aktie wären gestern Kursaufschläge keine Überraschung gewesen. Das Unternehmen verzeichnete einen Umsatzanstieg in allen Geschäftsbereichen und erreichte mit 1,94 Mrd. Euro einen um 6% höheren Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Selbst im direkten Vergleich mit dem Vorquartal konnte der Umsatz weiter zulegen.

Auch operativ lief es rund. Das Ergebnis stieg um 5% auf 356 Mio. Euro und unter dem Strich steht ein Gewinn von 271 Mio. Euro (+7%). Alle Konzernergebnisse lagen über den Erwartungen.

Ausblick für das Gesamtjahr angehoben – doch Markt konzentriert sich auf Verfehlung im Automobilgeschäft

Für Zufriedenheit hätte unter den Investoren auch der angehobene Unternehmensausblick sorgen können. Der Chip-Konzern erwartet nunmehr einen Umsatzanstieg von 6,4 bis 7%, bislang lag die untere Grenze bei 4%. Die operative Marge soll statt bei 17% bei 17,5% liegen.

Das einzige Manko an den Zahlen war dann auch vermutlich das, was die Investoren zum Verkauf der Aktie trieb. Im wichtigen Automobilgeschäft stagnierte der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lag damit unter dem was sich die Marktteilnehmer erhofften.

Die Suche nach Schwächen ist immer erfolgreich

Es ist mühselig darüber zu spekulieren, ob der gestrige Kursrückgang gerechtfertigt war und ob die Aktie vielleicht sogar weiter unter Druck gerät, sollten die Konsensschätzungen jetzt sinken.

Die Regel, dass eine Aktie mehr wert ist, wenn die Ergebnisse und der Ausblick besser als vom Markt erwartet ausfallen, gilt offenbar derzeit nicht. Diverse Kursreaktionen erstaunen in dieser Berichtssaison.

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Es hat den Anschein als wenn das Ausgangsniveau der Aktie insbesondere bei schwächeren Zahlen keine Rolle spielt. Findet sich ein Haar in der Suppe, wird verkauft.

Infineon überzeugt seit Jahren mit starken Ergebnissen und kann an die Erfolge der Vorjahre im Geschäftsjahr 2017/2018 nahtlos anknüpfen. Dennoch notiert das Papier auf 6-Monatssicht leicht im Minus. Die Infineon-Kursreaktion und viele andere Reaktionen könnten darauf hindeuten, dass allgemein die Marktzuversicht für weiter steigende Kurse abgenommen hat. 

Infineon noch 2018 mit Milliarden-Deal?

Vielleicht ist einigen Anlegern die aus Sicht des Übernahme-Sensors höchst interessante Investitionsstory Infineon nach den vielen Erfolgskapiteln und über 200%-Kursgewinn in den vergangenen 4 Jahren auch einfach nur nicht mehr spannend genug.

Für Abwechslung könnte da eine Übernahme sorgen. Der Konzern ist schon länger auf der Suche nach passenden Zielen, hat bislang aber noch nicht „den Abzug“ betätigt.

Wie der Wirtschaftsnachrichten- und Daten-Anbieter Bloomberg berichtete, wäre es 2017 jedoch beinahe zu einem Milliardendeal gekommen. Infineon soll mit Hilfe der französischen Bank BNP Paribas über Monate die Möglichkeit einer Übernahme von STMicroelectronics studiert haben.

Es kam jedoch nicht zu einem Deal, da unter anderem mit politischem Gegenwind gerechnet wurde. So soll der französische Staat, STM-Großaktionär, gegen eine Übernahme gewesen sein.

Aktuelle Gespräche finden einem Insider zufolge nicht statt und der Fokus von Infineon liegt früheren Management-Angaben zufolge auch bei kleineren Transaktionen.

„Kleiner“ dürfte im Falle von Infineon aber immer noch jenseits von 1 Mrd. Euro sein. Es wäre für den Übernahme-Sensor keine Überraschung, wenn Infineon noch in diesem Jahr einen Milliarden-Deal verkündet. Wie der dann von den Investoren angenommen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Aber zumindest die Investitionsstory Infineon könnte dann für einige Anleger wieder interessanter sein.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.