Infineon: Übernahme-Gerüchte treiben Chip-Aktie auf 14-Jahreshoch

Jahrelang ließen die Anleger die Aktie des Halbleiter-Herstellers Infineon links liegen.

Zwischen 2010 und 2014 schwankte der Preis der Papiere in einer Handlungsspanne zwischen 5 und 7,5 €. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Denn die Aktie des DAX-Konzerns wurde regelrecht wiederentdeckt. Dies liegt auch daran, dass der Umsatz-Schwund früherer Tage gestoppt werden konnte.

Mittlerweile liegt der Börsenwert des Chip-Spezialisten wieder bei 18,5 Mrd. €. Dabei ist der jüngste Schub auf wieder aufflammende Übernahme-Gerüchte zurückzuführen.

Was an den Gerüchten dran ist und wie es mit der operativen Geschäftsentwicklung weitergehen könnte, erfahren Sie jetzt.

Infineon im Porträt

Infineon entwickelt, produziert und vertreibt Halbleiter- und System-Lösungen für verschiedenste Endmärkte.

Von der Automobil- über die Industrie-Elektronik und Kommunikations-Technologie bis hin zum Sicherheits-Bereich – so gut wie überall kommen die Chips des Konzerns zum Einsatz.

Bis auf den neuesten Produktions-Standort in Kulim (Malaysia) ist die Front-End- Produktion von Infineon in Europa angesiedelt.

Derzeit erweitert Infineon die Produktions-Kapazitäten, um weiteres Wachstum zu ermöglichen.

Besonders im Bereich der Produktion von Leistungs-Halbleitern auf dünnen Wafern verfügt Infineon über einen Entwicklungs-Vorsprung.

Infineon reitet gleich mehrere Trendthemen

Der Halbleiter-Konzern hat sich in diversen Wachstumsmärkten positioniert.

Mit Themen wie Energie-Effizienz, Mobilität und Sicherheit hat Infineon zuletzt beeindruckende Zuwachsraten erzielt. Dabei hat sich auch die Marktposition des Konzerns deutlich verbessert.

In den adressierten Zielmärkten nimmt Infineon jeweils eine weltweit führende Marktposition ein:

Bei Leistungs-Halbleitern und im Bereich Chipkarten & Sicherheit ist Infineon die Nr. 1, im Automotive-Bereich nimmt der Konzern den 2. Platz ein.

Chip-Branche im Übernahmefieber – Infineon attraktives Ziel

In den vergangenen Jahren gab es im Halbleiter-Bereich einen regelrechten Übernahme-Boom.

Die Krönung des Ganzen war die Übernahme von NXP Semiconductors durch Qualcomm für sage und schreibe 47 Mrd. Dollar im Herbst 2016.

Und auch Infineon wird immer wieder gerne als Objekt der Begierde unter den Anlegern gehandelt.

Besonders die starke Position bei Chips für die Automobil-Industrie, die für Fahrassistenz-Systeme und irgendwann auch für selbstfahrende Fahrzeuge notwendig sind, könnten strategische Käufer anlocken.

Und auch sonst steht Infineon grundsolide dar:

Mit einer Eigenkapitalquote von 55%, einem Jahresumsatz von zuletzt 6,47 Mrd. € und einer Gewinnmarge von 11,49% zeigt sich Infineon ausgesprochen attraktiv.

Übernahme ist Chance – gestiegene Bewertung lässt allerdings wenig Platz für Enttäuschungen

Trotz der massiven Branchen-Konsolidierung und der attraktiven Marktposition gibt es auch Gründe, die gegen eine Übernahme sprechen:

  • Zum einen dürfte es im Moment für chinesische Käufer eher schwierig werden, den Halbleiter-Konzern zu schlucken. Denn Infineon ist mit Chips für Reisepässe und Personalausweise sowie Halbleiter für die US-Raumfahrt-Industrie gleich in 2 sicherheitsrelevanten Bereichen aktiv.
  • Zugleich stemmt sich Infineon-Boss Reinhard Ploss massiv gegen die Übernahme-Gerüchte. Er möchte vielmehr selbst als Käufer auftreten und den Markt aufmischen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Zukäufe von Infineon erscheint die Aussage durchaus nachvollziehbar.

Erst im Sommer hat Infineon vom US-LED-Spezialisten Cree für 850 Mio. Dollar die Sparte für Verbindungs-Halbleiter (Wolfspeed) gekauft.

Das nötige Selbstbewusstsein weist Infineon also schon einmal vor.

Erst vor wenigen Wochen hat der Halbleiter-Spezialist sein Segment-Ergebnis-Margenziel auf 17% über den gesamten Zyklus angehoben.

Wenn ein Deal nicht hochwahrscheinlich ist, rückt die fundamentale Bewertung in den Vordergrund.

Günstig ist das Papier nicht, auch wenn gute Prognosen aus der Automobil-Industrie durchaus ein starkes Geschäft für Infineon nach sich ziehen könnte.

Mit einem Kurs nahe des Allzeithochs ist allerdings auch klar, dass verfehlte Erwartungen stärker abgestraft werden.

Und der Ausblick des Unternehmens von Ende November war zumindest für einige Analysten enttäuschend.

5. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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