Infineon unter Druck

InfineonReinraum RED – obs Infineon Technologies AG

Nach einem guten 1. Halbjahr ist die Infineon-Aktie aus dem Tritt gekommen. Dabei sind die Aussichten weiterhin gar nicht so schlecht. (Foto: obs / Infineon Technologies AG)

Der jüngste Ausverkauf an den Weltbörsen hat auch die Infineon-Aktie unter Druck gesetzt. Die Aktie fiel gestern auf ein neues Jahrestief. Auch wenn ich die langfristigen Perspektiven für das Unternehmen und die Aktie sehr positiv sehe, rate ich dazu, mit dem Einstieg auf eine Bodenbildung zu warten.

Starke Marktposition bei Elektroautos und (teil-)autonomen Fahren            

Infineon spielt sowohl beim Elektroauto als auch beim selbstfahrenden Auto eine entscheidende Rolle. Die Chips und Sensoren sind für alle Fahrzeuge mit elektrifizierten Antriebssträngen unverzichtbar. Die Halbleiter von Infineon sorgen dafür, dass die Akkus möglichst günstig gebaut werden können und kompakt sind, lange Distanzen ermöglichen und schnell aufgeladen werden.

Für autonom und teilautonom fahrende Fahrzeuge braucht es eine entsprechende Kommunikationsinfrastruktur und stabile Mobilfunkverbindung. Voraussetzung hierfür ist 5G, der Mobilfunkstandard der nächsten Generation. Im Vergleich zum Vorgänger ist der 5G-Standard 100-mal schneller und kann 1000-mal mehr Daten in nahezu Echtzeit übertragen. Als Marktführer für 5G-Komponenten für die Autoindustrie kann Infineon hier optimistisch in die Zukunft blicken.

Ein neuer großer Konkurrent entsteht

Trotz der guten Perspektiven geriet die Infineon-Aktie bereits vor der scharfen Korrektur der vergangenen Tage unter Druck. Ein Grund dafür ist sicherlich der Zusammenschluss zweier Konkurrenten:

Der japanische Resenas-Konzern kündigte die Übernahme des US-Chipherstellers Integrated Device Technologie für über 7 Mrd. US-Dollar an und rückt damit näher an die Marktführer Infineon und NXP Semiconductors heran. Infineon muss sich also in Zukunft auf einen verschärften Wettbewerb einstellen – so etwas hören Anleger nicht gerne.

Infineon RED_shutterstock_1046481940_Lukassek

Infineon: Dividende, KGV und Momentum Trend stimmenInfineon liegt im Trend. Aktienkurs steigt und steigt, die Konjunktur kurbelt Nachfrage an - die runde Empfehlung › mehr lesen

Gute Quartalszahlen

Doch die Nachrichtenlage bei Infineon ist derzeit nicht nur negativ. Bei den jüngsten Quartalszahlen konnte der Konzern überzeugen: Der Umsatz legte um 6% von 1,8 auf 1,9 Mrd. Euro zu. Der Nettogewinn wurde um 7% von 253 auf 271 Mio. Euro verbessert. Außerdem erhöhte das Management seine Prognose für die operative Gewinnmarge von 17,0 auf 17,5%.

Jahresprognose: Rückenwind durch Wechselkursentwicklung

Zudem sehe ich gute Chancen, dass Infineon seine Gesamtjahresprognose überbieten kann.

Denn Basis für diese Prognose bildet ein Euro/Dollar-Wechselkurs von 1,25. Aktuell notiert der Euro jedoch schon wieder um die Marke von 1,15 US-Dollar. Dies macht den hohen Umsatzanteil in US-Dollar für Infineon in Euro umgerechnet umso wertvoller und führt zu höherem Umsatz und Gewinn.

Bodenbildung abwarten

Trotz stärkerer Konkurrenz bleibt Infineon in den automobilen Wachstumsmärkten gut aufgestellt. Aus diesem Grund halte ich den Kursabschlag für deutlich übertrieben. Dies heißt jedoch nicht, dass die Korrektur bereits beendet ist. Wie Sie wissen, neigt die Börse bekanntlich zur Übertreibung – sowohl nach oben als nach unten. Daher mein Ratschlag: Warten Sie eine Bodenbildung bei der Infineon-Aktie ab und schauen Sie sich den Wert dann einmal genauer an.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.