Infineon zapft den Kapitalmarkt an und besorgt sich eine Milliarde für Cypress-Übernahme

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Infineon platziert Kapitalerhöhung und bringt Finanzierung des Cypress-Deals auf die Zielgerade: Zukauf stärkt Position auf Wachstumsmarkt mit Kommunikationschips für die vernetzte Welt (Foto: 360b / shutterstock.com)

Nach der Freigabe der milliardenschweren Übernahme des US-Rivalen Cypress im April arbeitet der deutsche Chiphersteller Infineon weiter an der Finanzierung des Deals. Nun hat der Neubiberger Chip-Konzern eine weitere Kapitalerhöhung durchgezogen, um die größte Übernahme der kompletten Firmengeschichte zu stemmen.

Infineon platziert weitere Kapitalerhöhung….

Der Deal ist wahrlich kein kleiner Schluck aus der Pulle. Kurz zum Hintergrund: Infineon finanzierte den 9 Milliarden Euro schweren Zukauf überwiegend mit Bankkrediten im Umfang von 5,8 Milliarden Euro. Den Rest stemmte Infineon im Sommer 2019 mit einer Kapitalerhöhung, eigenen Barmitteln und einer emittierten Hybridanleihe, deren Erlös von 1,2 Milliarden Euro zur Hälfte dem Eigenkapital zugerechnet wird. Nun wurde mit einer weiteren Kapitalerhöhung nochmals ein Bruttoerlös von rund einer Milliarde Euro eingefahren.

….. ausschließlich bei Großanlegern

Infineon hat im Rahmen der Kapitalerhöhung rund 55 Millionen neue Aktien mit einem Bruttoemissionserlös von 1,06 Milliarden Euro platziert. Die neuen Aktien wurden zu 19,30 Euro pro Anteil ausschließlich institutionellen Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung in einem beschleunigten Verfahren zugeteilt. Wie der DAX-Konzern mitteilte, soll ein Teil der Erlöse zu Refinanzierung der Cypress-Übernahme verwendet werden. Mit dem Geld sollen Darlehen abgelöst werden, die zur Finanzierung der Akquisition aufgenommen wurden.

Mit der Aktienplatzierung erhöht Infineon den Eigenkapitalanteil an der Gesamtrefinanzierung der Cypress-Akquisition. Ursprünglich plante Infineon etwa 30% der Kosten für die Akquisition mit Eigenkapital zu finanzieren. Dies ist nun mit der Grundkapitalerhöhung von etwa 4% realisiert worden.

Aufstieg in die Riege der 10 größten Halbleiterkonzerne weltweit

Dabei wurde der Zukauf von vielen Investoren bislang eher skeptisch beäugt. Immerhin legt der deutsche Halbleiterkonzern für die Übernahme 9 Milliarden Euro auf den Tisch, was dem 4,5-Fachen der Jahreserlöse von Cypress entspricht. Befürworter des Deals verweisen hingegen auf den Marktanteil, den das Gemeinschaftsunternehmen nach einem Zusammenschluss auf die Waage bringt. Immerhin steigt Infineon mit Cypress unter die zehn größten Halbleiterkonzerne weltweit auf.

Kompetenzen ergänzen sich gut

Bei Infineon erhofft man sich durch die Übernahme vor allem eine deutlich verbesserte Position am Markt für Automobil-Elektronik. Dort sind die Münchner heute sehr stark in der Sensorik und bei der Regelung von elektrischen Strömen, was für autonomes, elektrisches und hybrides Fahren wichtig ist.

Cypress verfügt auf der anderen Seite über eine starke Position bei Prozessoren. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um das Gehirn, das die Datenflut zu verarbeitet und steuert. Sollte der Markt rund um Roboterautos in Zukunft durchstarten, wäre Infineon mit Cypress in der Pole-Position, um von den dort entstehenden Absatzmöglichkeiten zu profitieren.

Corona-Pandemie trübt vorübergehend die Perspektiven

Unterdessen macht sich auch bei Infineon die Pandemie in den Zahlen negativ bemerkbar. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern einen Umsatzrückgang (ohne Cypress) um rund 5% auf 7,6 Milliarden Euro. Ursprünglich war Infineon von einem Wachstum zwischen 3 und 7% ausgegangen. Inklusive Cypress soll das Umsatzvolumen bei 8,4 Milliarden Euro liegen, plus oder minus 5%. Der Einfluss von Synergien wird kurzfristig noch nicht stark spürbar sein.

Aktienkurs seit März kräftig im Plus

Trotz der vorübergehend eingetrübten Aussichten konnte sich der Aktienkurs des deutschen Chipherstellers Infineon zuletzt weiter deutlich erholen. Seit dem März-Tief ging es um rund 80% nach oben. Damit haben die Papiere einen Großteil der vorübergehenden Korrektur wieder wettgemacht.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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