Inflationsgefahr 2011: Die Risiken und die Schutzmaßnahmen

Schützen Sie sich effektiv gegen Inflation und wählen Sie Ihre inflationsgeschützten Aktien nach diesen 5 Kriterien aus. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Inflation ist eine Geldentwertung. Folge einer Inflation ist eine laufende Teuerung, die darauf zurückzuführen ist, dass eine Währung immer weniger Kaufkraft hat.

Eine überbordende Staatsverschuldung in den USA und im Euro-Raum lässt die Inflationsgefahr für 2011 größer werden.

Doch Sie können Ihr Vermögen schützen: Kaufen Sie Sachwerte. Dazu gehören Immobilien, aber auch Aktien als Anteile real existierender Unternehmen. Aber Achtung:

Nicht jede Aktie ist ein Sachwert! Unternehmen, deren Aktien Sie vor Inflation schützen, können Sie anhand der folgenden 5 Kriterien identifizieren:

  1. Preissetzungsmacht: Das Unternehmen kann bestimmen, wie teuer seine Produkte oder Dienstleistungen sind.
  2. Globale Präsenz: Das Unternehmen macht seine Geschäfte nicht nur in einem Land, sondern möglichst weltweit.
  3. Geringer Investitionsbedarf: Das Unternehmen kann produzieren, ohne laufend in neue Maschinen, Anlagen oder Technologien investieren zu müssen. Damit ist es selbst immun gegen Teuerungen.
  4. Geringer Verschuldungsgrad: Das Unternehmen ist nicht aufgrund seiner Schulden vom Wohlwollen der Banken abhängig.
  5. Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus: Das Unternehmen ist idealerweise nicht zyklisch, also weitgehend unabhängig vom Marktgeschehen. Es profitiert von einer stetigen, nicht stark schwankenden Nachfrage.

Inflationsgefahr 2011 steigt: Hier für Sie die Hintergründe

Noch im Jahr 2009 war von Inflation keine Rede.

Im Gegenteil: Als Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise befürchteten nicht wenige Experten eine Deflation. Sie gingen also von immer weiter sinkenden Preisen aus, was die Wirtschaft extrem ausgebremst hätte.

Inzwischen hat sich das Bild jedoch grundlegend gewandelt. Schon im ersten Quartal 2011 wurde ersichtlich, dass die Verbraucherpreise plötzlich stärker anziehen. Bei 2,0% gegenüber dem Vorjahresmonat lag die Preissteigerung im Januar 2011.

Im Februar und März betrug die Steigerung je 2,1%. Und die Steigerung wird sich vermutlich fortsetzen.

Hintergrund: Inflationsrate und Verbraucherpreisindex

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Inflation zu messen. Die in Deutschland gängigste „Inflationsrate“ ist der sogenannte Verbraucherpreisindex. Berechnet wird er vom Statistischen Bundesamt.

Das Statistische Bundesamt definiert hierzu einen Warenkorb, der aus den rund 700 Gütern und Dienstleistungen besteht, die in Deutschland am meisten von Verbrauchern gekauft werden.

Der Warenkorb allein wäre aber nicht aussagekräftig, gäbe es nicht zusätzlich das sogenannte Wägungsschema. Das ist die Gewichtung der einzelnen Waren und Dienstleistungen.

Sie hängt davon ab, wie oft das betreffende Produkt (z. B. ein Fernseher) gekauft oder die betreffende Leistung (z. B. ein Frisörbesuch) in Anspruch genommen wird.

Im Auftrag der Statistischen Landesämter gibt es nun Testkäufer, möglichst repräsentative Familien, die die Preise von allem, was sie kaufen, notieren.

Diese Preissammlungen werden an das Statistische Bundesamt übermittelt, das daraus den Verbraucherpreisindex ermittelt. Um das Ergebnis mit anderen Euroländern vergleichbar zu machen, gibt es außerdem den harmonisierten Verbraucherpreisindex.

Trauen Sie den offiziellen Inflationsraten nicht blind

Es wäre jedoch fatal, sich blind auf das zu verlassen, was offizielle Stellen an Inflationsraten errechnen. In Deutschland ist die Ermittlung noch einigermaßen solide und nachvollziehbar.

Nicht so in den USA. Da wird die Inflationsrate schon seit Jahren schöngerechnet.

Dafür gibt es mehrere Tricks. Ein solcher Trick ist beispielsweise die hedonische Berechnung.

Bleiben wir beim Beispiel Handy. Angenommen, die Smartphones verdrängen mehr und mehr die bisher üblichen Handys vom Markt.

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Irgendwann gibt es kein einfaches Handy mehr zu kaufen, sondern nur noch die teureren Smartphones.

Den Politikern liegt jedoch daran, die Inflationsraten niedrig zu halten, und die Statistiker erweisen sich oft genug als ihre willigen Handlanger. Also wird gesagt:

Handys sind zwar teurer geworden. Aber nur, weil sie jetzt technisch wesentlich mehr zu bieten haben. Die bessere Technik wird künstlich aus dem Preis wieder herausgerechnet. Und schon ist man wieder in der Nähe das alten Handypreises – von Preissteigerung keine Spur!

Ein weiterer Trick ist der Ersatz von Produkten. Wird die Butter teurer, unterstellt man automatisch, dass der Verbraucher dann auf billigere Ersatzprodukte – in diesem Fall Margarine – zurückgreift. Entsprechend wird der Warenkorb angepasst.

Und schon ist die Preissteigerung kaschiert. Deshalb unser Appell an Sie: Glauben Sie auch in Deutschland nicht blind dem, was die Statistiker berechnen. Wenn es politisch opportun erscheint, Preissteigerungen zu verbergen, ist nicht auszuschließen, dass das Statistische Bundesamt die Inflations Statistiken „anpasst“.

Staatsverschuldung als Inflationstreiber

Wir gehen davon aus, dass die Inflationsrate weiter steigt. Dafür gibt es 2 wichtige Gründe. Grund 1 ist die überbordende Staatsverschuldung dies- und jenseits des Atlantiks.

In den USA hat die Staatsverschuldung mittlerweile die Rekordsumme von 14 Bio. US-$ überschritten – das ist eine 14 mit 12 Nullen.

Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt, also die Wirtschaftsleistung der USA belief sich im Jahr 2010 auf rund 14,6 Bio. US-$. In den USA nähert sich also die Verschuldungsquote einer Marke von 100%.

In Europa sieht es ebenfalls nicht rosig aus. Griechenland, Portugal und Irland, die bereits von den anderen EU-Staaten unterstützt werden müssen, sind nur die Spitze des Eisberges.

Auch einige osteuropäische Staaten sind massiv verschuldet. Das gilt selbst für Staaten wie Deutschland, die aufgrund ihrer gesunden Wirtschaft als solide betrachtet wurden.

In Deutschland sind die Schulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen wegen der Bankenrettung mittlerweile auf über 2 Bio. € angewachsen.

Damit haben wir in Deutschland 2010 einen Verschuldungsgrad von rund 83% des Bruttoinlandsprodukts.

Die Maastricht-Stabilitätskriterien für den Euro als Gemeinschaftswährung sahen ursprünglich die absolute Obergrenze von 60% des BIP vor.

Eine Zahl, die wir und die meisten übrigen Euro-Staaten längst hinter uns gelassen haben. Von Währungsstabilität kann also auch beim Euro nicht mehr die Rede sein.

Geldmengenwachstum als Inflationstreiber

„Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon.“ („Inflation ist immer und überall eine Frage der Geldmenge.”) Dieser Satz stammt vom US-Ökonomen Milton Friedman. Und Recht hatte er:

Die Geldmenge wächst stetig, ohne dass dem wachsenden Geld zugleich mehr Güter und Dienstleistungen gegenüberstünden, die man davon kaufen könnte.

Nicht von ungefähr wird daher die Verschuldung gern ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (also der Wirtschaftsleistung) gesetzt. Das Geldmengenwachstum wird vor allem angeheizt durch

  • die niedrigen Leitzinsen weltweit. Das macht Kredite billig. Niedrige Leitzinsen machen es auch für Staaten billig, sich am Kapitalmarkt etwa durch die Emission von Anleihen zu verschulden. Durch jeden Kredit wächst die Geldmenge.
  • die zunehmende Praxis der Notenbanken, Staatsanleihen maroder Ländern aufzukaufen. In den USA ist das schon lange der Fall. In der Euro-Zone wurde erst 2009 damit begonnen. Das war gewissermaßen ein Sündenfall. Denn der Ankauf von Staatsanleihen bedeutet, dass die Europäische Zentralbank gewissermaßen Geld druckt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.