Inflation oder Deflation?

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In der nicht enden wollenden Schuldenkrise warten die Anleger weiter vergebens auf klare Signale. Silber und Öl verwirren leider ebenfalls. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Wer eine Antwort hat auf die Frage, ob wir in eine Inflation oder in eine Deflation hinein laufen, der möge mir bitte schreiben.

Fakt ist, dass sowohl für die eine als auch für die andere Seite mehr als genug Belege gibt.

Unklare Gemengelage am Finanzmarkt

Klar ist, dass die europäische Schmierenkomödie weiter geht. Das ist leider auch die einzig konkrete Aussage, die ich zurzeit treffen kann. Wichtig ist die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) knapp unter dem Todeszins von 7% eingreift und Staatsanleihen der taumelnden Schuldenländer kauft.

Leider, leider ist schon wenige Wochen nach der feierlichen Institutionalisierung des Rettungsschirms klar, dass der Schirm zu klein ist. Wie von mir beschrieben, lassen sich die prassenden Eurostaaten nur allzu gern retten. Und damit müssen dummerweise Länder, die eigentlich haften sollen, nun bald selbst unter Schirm.

Die EZB wird den Markt fluten

Das ist zwar schlimm. Doch die offenkundige Dummheit der uns regierenden Politiker macht die Sache auch wieder einfach, weil der Weg, der vor uns liegt, klarer wird: Nur die EZB kann Italien, Spanien und bald auch Frankreich retten. Ich rechne auch mit Unterstützung durch die US-Notenbank Federal Reserve.

Und nun die für viele meiner Leser verblüffende Aussage: Wir sollten uns wirklich keine Sorgen um die Eurozone machen.

Die von mir favorisierte Variante eines Rausschmisses von Schuldensündern wird zwar zurzeit diskutiert – sie wird aber leider nicht kommen. Wir werden ein jahrelanges Durchwursteln erleben – mit ein paar Sparanstrengungen und ein wenig Disziplinierung.

Die Folge wird eine steigende Inflation sein, was gut für Aktien, Immobilien und Edelmetalle ist, die wir auf der Long-Seite spielen können.

Die Deflationsgefahr ist nicht gebannt

Und damit volle Kraft zurück.

Ob nämlich die Deflationsgefahr gebannt ist, steht in den Sternen. Es ist absolut möglich, dass zur gleichen Zeit mehrere große Banken umkippen, dass dann die Anleger in Panik ihr Geld von der Bank abheben und dass der Kreditmarkt austrocknet. Das würde die Realwirtschaft abwürgen.

Tatsächlich gibt es zwar Zahlen zu den ausgegebenen Staatsanleihen. Doch viele Staaten haben zusätzlich bilaterale Kredite bei den Banken aufgenommen, die nirgendwo bekannt sind. Vielleicht bekommen wir auch beides: Erst Deflation, dann Inflation.

Bevor die EZB wirklich massiv eingreift, müssen erst einige Banken kräftig wanken. Und die werden wiederum alles verkaufen, was sie haben – beispielsweise Gold. Erst dann wird die Gelddruck-Bazooka herausgeholt.

Keine Klarheit durch Öl und Silber

Leider gibt es zurzeit auch keine Hilfestellung durch die Rohstoffe – Öl und Silber weisen in verschiedene Richtungen. Zunächst signalisiert Erdöl eine klare Inflation – der Chart steigt seit kurzem unbeirrt. Natürlich lädt das kurzfristige Hoch zum Shorten ein.

Bull-Run bei Öl

Silber hingegen schwächelt gewaltig – das Edelmetall ist nicht nur bei Kleinanlegern begehrt, sondern auch in der Industrie, etwa bei Solaranlagen, in Handies und in der Wasseraufbereitung.

Und daher ist es ein guter Konjunktur-Indikator – anders als bei Öl geht es hier bergab, was auf eine Rezession hindeutet. Ich hoffe nur dass, die Tiefs bei rund 26 Dollar halten werden, sonst können sich alle Silber-Bullen auf einen kräftigen Absturz einstellen.

Silber tänzelt nach unten

Sie sehen also: Gar nichts ist klar im Markt. Wir halten uns bedeckt uns springen in den Markt sobald sich ein klarer Trend etabliert hat. Ich halte Sie auf dem Laufenden!

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Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.