Inflationsrate im Mai mit neuem Höchststand

Mit 2,2 Prozent hat die Inflationsrate im Mai den höchsten Stand des laufenden Jahres erreicht. Schuld sind der Ölpreis – und die Feiertage. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Das Leben wird wieder teurer: Im Mai erreichte die Inflationsrate mit 2,2 Prozent nach vorläufigen Zahlen den höchsten Wert seit Februar 2017, wie das Statistische Bundesamt in der vergangenen Woche mitteilte.

Dabei gab es insbesondere drei Kostentreiber für die Verbraucher: Lebensmittel, Energiepreise und Pauschalreisen.

Feiertage schlagen sich in Inflationsrate nieder

Der Faktor Reisen lässt sich durch eine Verschiebung der beweglichen Feiertage erklären: So fielen Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam in diesem Jahr allesamt in den Monat Mai, während sie im Vorjahr den Juni versüßten.

Die zahlreichen Feier- und Brückentage bieten für Beschäftigte mit kleinen oder ohne Kinder häufig eine willkommene Möglichkeit, Urlaubsorte in der Vorsaison zu bereisen, ehe der große Touristenansturm während der Sommerferien die Preise noch stärker anziehen lässt. Da einige Bundesländer eine Woche Pfingstferien gewähren, nutzen zudem auch viele Familien mit schulpflichtigen Kindern diese Option. Denn auch wenn Pauschalreisen über die Feiertage teurer sind als außerhalb davon, so sind sie immer noch deutlich günstiger als in der Hauptsaison.

Besonders heftig und auch nicht-urlaubende Verbraucher treffend entwickelten sich jedoch die Lebensmittel- und Energiepreise. Lebensmittel verteuerten sich im Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,5 Prozent. Die Energiekosten lagen mit 5,2 Prozent sogar noch stärker im Plus.

Hoher Ölpreis belastet Verbraucher gleich doppelt

Das liegt nicht zuletzt an den seit Monaten kräftig steigenden Preisen für Rohöl: So kostete das Barrel der Sorte Brent Ende Mai zwischenzeitlich fast 80 Dollar, die US-Sorte WTI kletterte auf gut 72 Dollar je Barrel. Brent ist damit rund 55 Prozent teurer als noch vor einem Jahr, WTI kostet etwa 40 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2017.

Der anziehende Ölpreis lässt sowohl Benzin an der Zapfsäule als auch Heizöl teurer werden und trifft die Verbraucher somit gleich doppelt. Mit deutlich fallenden Ölpreisen ist Beobachtern zufolge auch in den kommenden Monaten eher nicht zu rechnen.

Ganz im Gegenteil: Vor dem geplanten Börsengang von Saudi Aramco hat Saudi Arabien als mächtigster Staat innerhalb der Opec ein Interesse daran, den Ölpreis hochzutreiben. An eine Bewertung von 80 Dollar je Barrel wird man sich dementsprechend wohl wieder gewöhnen müssen.

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Bereits seit anderthalb Jahren haben sich die Opec-Staaten, gemeinsam mit weiteren Ölexporteuren, darauf verständigt, die tägliche Ölförderung künstlich zu reduzieren, um die Preisentwicklung zu stützen – mit Erfolg: Der Ölpreis ist seither von etwa 45 Dollar auf nun bis zu 80 Dollar angestiegen.

Wie lang die konzertierte Drosselung noch Bestand hat, ist offen. Vorläufig läuft der Deal weiter, sehr zum Leidwesen der Autofahrer, die nun an der Zapfsäule für eine Tankfüllung wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.