„Inline“-Optionsscheine – Warnung vor den Gruselpapieren

Diese Scheine sind vergleichsweise einfach konstruiert, aber wahre Bomben.

Der Kurs des Basiswertes darf während der Laufzeit weder eine obere, noch eine untere Schwelle berühren.

Sonst droht Ihnen als Investor der Totalverlust. Dieser Wette sollten Sie sich nicht anschließen.

Wenn etwa der Basiswert der Dax ist, bietet sich Ihnen aktuell ein Optionsschein der Commerzbank an. Die untere Schwelle: 5.400 Punkte, die obere: 6.400 Punkte. Bei einer Laufzeit bis zum 14.7.2010 schon ein gewagtes Spiel. Geht die Wette auf, winken 76,36 Prozent Gewinn.

Das Risiko ist jedoch unglaublich hoch – so lassen sich die Kursschwellen nicht berechnen und nicht kontrollieren. Die Zusatzfalle: Die Kurse werden nicht nur zumTagesende festgestellt, sondern den ganzen Tag über. Damit schnellt das Risiko noch um ein Mehrfaches nach oben.

Hintergrund: Kursschwellen sind Totalverlust

Die Gefahr dieser „Inliner“ sind so genannte „Kursschwellen“. Bei Wetten auf den Öl beispielsweise darf dessen Preis 65 Dollar pro Fass nicht unterschreiten und keine 95 Dollar erreichen. Sonst verfällt der Schein wertlos.

Aktuell steht der Preis bei etwa 75 Dollar. Vor einem Jahr aber lag er bei weniger als 50 Dollar, vor 1,5 Jahren bei deutlich mehr als 100 Dollar. Zudem ist der Nahe Osten als Öllieferant spannungsgeladen. Also ist das Risiko eines Totalverlustes extrem.

Rendite zu hoch: Alarmzeichen

Auf der anderen Seite steht ein Renditeversprechen von 50 Prozent, wenn die Wette aufgeht. Nur: der angepriesene Schein läuft bis zum 19.4.2010. Die Rendite liegt jahresbezogen fast bei 150 Prozent. Das wiederum ist ein Alarmzeichen: selbst der Emittent glaubt kaum an den Erfolg seines Papiers. Jede Wette.

Investieren Sie daher auf keinen Fall. Auch keine 500 Euro oder sonstige Zocker-Kleinbeträge. Besser als solche neuen Konstrukte, die es unter anderen Namen auch schon vor Jahren gab, sind etwa transparente Optionsscheine oder Optionen.

Wir empfehlen weiterhin einen Optionsschein auf den Dax mit Laufzeit bis 2014 – lang genug auch für mögliche Kursschwankungen.

Harmloser Name: „Inline“ ist eine Spekulationskatastrophe

Wer jetzt auf weiter steigende Kurse an den Aktienmärkten oder beim Öl setzt, hat Recht. Davon gehen wir bei GeVestor.de-Index für die kommenden Monate ebenfalls aus. Nur: die Gefahr ist groß, erhebliche Schwankungen an den Börsen zu erleben.

Damit aber wird die harmlose Empfehlung für „Inliner“ zu einer Katastrophe. Diese können in Ihrem Depot wertlos verfallen.

„Inline“-Optionsscheine sind, so der Beitrag aus einem Magazin wörtlich „einfacher, als viele Anleger meinen“, und es gibt nur einen „einzig(..) Nachteil“. Wir sehen das deutlich kritischer und warnen Sie vor diesen Kursraketen, die schnell im negativen Sinne explodieren können.

Barrieren-Spekulation ist unkalkulierbar

Die „Inliner“ setzen wie andere Optionsscheine auch auf die Kursentwicklung zugrundeliegender Wertpapiere, Instrumente wie Indizes oder auf einfache Preise wie Rohöl. Sie wetten als Investor darauf, dass die Preise dafür weder eine Unter- noch eine Obergrenze „touchieren“, wie es elegant in einem Beitrag heißt.

Das heißt übersetzt gesagt: während der Laufzeit dieser Optionsscheine sitzen Sie auf den sprichwörtlichen „heißen Kohlen“ und warten nahezu seitwärts laufende Kurse ab. Ansonsten verfallen die Papiere wertlos.

Ein Beispiel: Wenn Sie auf den Dax setzen und eine obere „Barriere“ von 8.500 Punkten akzeptieren, haben Sie eine maximale Rendite von aktuell gut 50% bei einem bestimmten Papier. Die Laufzeit ist bis zum 16.12.2011 festgelegt.

Laufzeitspekulation dramatisch

Damit haben Sie 7 Monate des Bangens vor sich. Steigt der Dax nur bis zur oberen Barriere um gerade einmal knapp 14%, haben Sie nicht wie andere Investoren mit normalen Optionsscheinen gewonnen, sondern genau 100% Verlust.

Die Barriere dieses Scheins ist unten scheinbar sicher: 5.600 Punkte. Doch auch solche Schwankungen von 25% Minus haben wir an den Aktienbörsen bereits vielfach erlebt.

Für das dramatische Laufzeitrisiko aber erhalten Sie eine Entschädigung von maximal gut 50% Rendite. Wenn Sie im Vergleich dazu auch nur einen Optionsschein kaufen, der einen Hebel von 4 hat, sind Sie bereits besser aufgestellt.

Optionsschein „klassisch“ ist besser

Steigt der Dax auch nur um die genannten 14%, sind Sie auf der Gewinnerseite. Bei 5% Wachstum gewinnen Sie zwar nicht so viel wie mit dem „Inliner“, aber immerhin rechnerisch etwa 20%. Zudem haben Sie einen großen Vorteil: Wählen Sie die Laufzeit geschickt etwas länger, vergrößert sich Ihre Sicherheit automatisch.

Achtung: Der Dax ist für einen Kursanstieg in diesem Jahr reif und gut. „Inliner“ sind daher eine katastrophale Empfehlung, meinen wir. Die Gefahr der Konstruktion ist ein Totalverlust.

Nutzen Sie die Warnung und kaufen entweder einen langlaufenden Optionsschein oder sogar eine Option. Diese ist noch einfacher zu handeln.


Aktienstudie
Zum Jahresstart in diese 3 Werte investieren

Wer 2017 noch nicht zugeschlagen hat, sollte diese Werte spätestens zum Jahresstart 2018 ins Depot überführen. Wir erklären, welche 3 Werte Sie jetzt brauchen, um erfolgreich ins neue Jahr zu starten und satte Gewinne zu realisieren.

Klicken Sie jetzt hier, um sich "3 Top-Aktien 2018" GRATIS zu sichern! ➜


4. Juni 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Janne Joerg Kipp. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt