Inmarsat: Um 18 Uhr könnte die Übernahme-Chance verpufft sein

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Dieser Übernahme-Kandidat ist heute kein Kauf. In der kommenden WOche lohnt aber ein genauerer Blick. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Übernahme-Chance Inmarsat ist in akuter Gefahr. Schon heute Abend um 17 Uhr Londoner Zeit – 18 Uhr europäischer Sommerzeit – könnte die Deal-Chance verflogen sein.

Denn nur noch bis 17 Uhr hat der US-amerikanische Interessent EchoStar nach britischem Recht die Möglichkeit, eine verbindliche Übernahme-Offerte vorzulegen. Bleibt der Schritt aus, dürfte die Aktie unter Druck stehen.

Inarsat weist auch aufgestockte EchoStar-Offerte zurück

Rückblick: Seit Jahren wirbt der US-amerikanische Sattelitenbetreiber EchoStar um den britischen Rivalen Inmarsat. Vor einigen Wochen kam es dann zu einer ersten Offerte. Diese bewertete Inmarsat mit 2,45 Mrd. britischen Pfund, wurde aber umgehend vom Management des Übernahme-Kandidaten zurückgewiesen.

EchoStar kam daraufhin zu Beginn dieser Woche mit einer aufgestockten Offerte im Wert von 2,45 Mrd. britischen Pfund zurück, die heute Morgen allerdings ebenfalls als völlig unzureichend abgelehnt wurde.

Kurslücke deutet auf Zuversicht hin – doch Übernahme-Sensor teilt die Marktmeinung nicht

EchoStar bleiben jetzt nur noch wenige Stunden für eine Angebotsabgabe. Der Markt hat große Zweifel, dass es noch zu einem einvernehmlichen Deal kommt. Das Papier verliert nach der Angebotsablehnung 6,5% und kostet am frühen Nachmittag 4,92 britische Pfund (GBP).

EchoStar bietet den Aktionären ein Mischangebot aus Cash und Aktien, das einem Gegenwert von 5,32 GBP je Aktie entspricht. Die Differenz zum Angebotspreis liegt bei 7,5% was in der aktuellen Situation darauf hindeutet, das verschiedene Investoren nicht glauben, dass die Übernahme-Story vorbei ist.

Doch der Übernahme-Sensor hat große Bauchschmerzen, dass hier etwas für Anleger zu holen ist. Denn die Wortwahl bei der neuerlichen Angebotsablehnung deutet darauf hin, dass die Positionen weit auseinander liegen.

Analyst: Bei 7,50 GBP je Aktie könnte Management Übernahme-Angebot unterstützen

Auch Bank-Analysten erachten die Übernahme-Wahrscheinlichkeit als gering. Die RBC ist der Ansicht, dass ein Übernahme-Angebot von 7,50 GBP je Aktie erforderlich wäre, um das Inmarsat-Management umzustimmen.

Ob EchoStar dazu bereit ist, ist höchst fraglich. EchoStar verweist auf die hohe Prämie von 46% auf den Aktienkurs im Vergleich zu Verhandlungsbeginn. Jetzt noch einmal 40% oben drauf, sodasss die Gesamtprämie rund 100% beträgt, könnte schwer gegenüber den eigenen Anteilseignern zu rechtfertigen sein.

Aktie könnte nach heutigem Deal-Aus interessant sein

Vielleicht ist die Kurslücke so gering, weil spekuliert wird, dass EchoStar heute noch einmal das Angebot aufstockt. Der Bieter forderte das Inmarsat-Management auf, ihm eine Fristverlängerung zu gewähren und an den Verhandlungstisch zu kommen. Dies ist möglich, aber bei den offenbar großen unterschiedlichen Wertvorstellungen nicht sehr wahrscheinlich.

Denkbar ist auch, dass einige Investoren auf ein feindliches Übernahme-Angebot setzen. Die Erfolgsaussichten sind jedoch schwer einzuschätzen und zudem könnte der Satellitenbetreiber dann die Politik einschalten mit dem Verweis auf das sicherheitssensible Geschäft.

Unter dem Strich sollten Sie diese Übernahme-Chance zunächst meiden. Gut vorstellbar, dass schon in der kommenden Woche die Aktie deutlich günstiger zu haben ist.

Dann wird es natürlich interessant. Inmarsat bleibt Übernahme-Kandidat. Nach Ablauf der Sperrfrist in 6 Monaten könnte EchoStar noch einmal mit einer Offerte zurückkommen.

Hinzu kommt, dass auch die französische EutelSat oder ein Dritter nach dem gescheiterten EchoStar-Versuch einen Vorstoß wagen könnte. EutelSat wollte bereits für Inmarsat bieten, zog sich allerdings zurück, als das Interesse publik wurde.

Inmarsat ist attraktiver Übernahme-Kandidat mit Gewinnpotenzial. Aber nicht heute, sondern nächste Woche. Dann lohnt ein genauerer Blick.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.