Innogy Aktie: Was ist dran an den Übernahmegerüchten?

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Steht die Aufteilung von Innogy zwischen Eon und RWE auf der Kippe? Ein neuer Interessent setzt die Aktien der beiden unter Druck. (Foto: J2R / shutterstock.com)

Es war schon eine große Überraschung, als sich die Vorstände der Erzrivalen Eon und RWE vor wenigen Monaten in trauter Einigkeit in der Öffentlichkeit präsentierten und einen Megadeal bekanntmachten: Innogy, die RWE-Tochter, in der der Konzern seine Netzgeschäfte sowie die Erneuerbaren Energien gebündelt hat, soll zerschlagen und unter den beiden Unternehmen aufgeteilt werden.

Zusätzlich sollten zahlreiche Geschäftsbereiche zwischen Eon und RWE hin und her getauscht werden, am Ende wären Stromerzeugung und Vertrieb weitgehend getrennt voneinander organisiert gewesen. Die einstigen Konkurrenten würden sich somit künftig nicht mehr in die Quere kommen. Soweit der Plan, der bei Anlegern beider Konzerne auf viel Gegenliebe stieß, während sich Angestellte von Innogy vor den Kopf gestoßen fühlten und um ihre Arbeitsplätze fürchteten.

Nun aber könnte das, was in den Führungsetagen der beiden Big Player hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wurde, plötzlich wieder auf der Kippe stehen – denn ein neuer Interessent hat sich eingeschaltet.

Übernahmeofferte durch unbekannten Dritten?

Wie Innogy bekanntgab, liegt dem Unternehmen offenbar eine Offerte vor für seine Geschäftsaktivitäten in der Tschechischen Republik, wo Innogy stark aufgestellt ist mit 377.000 Stromkunden sowie 1,25 Millionen Gasabnehmern.

Nähere Details wurden nicht genannt, allerdings soll derselbe Interessent darüber hinaus auch Interesse bekundet haben an einzelnen Geschäftsaktivitäten in den Bereichen Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netz & Infrastruktur.

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Von wem das Angebot kommt, ließ Innogy offen. Medienberichten zufolge deutet jedoch einiges darauf hin, dass es sich um den australischen Finanzinvestor Macquarie handeln könnte, der bereits seit längerem an den tschechischen Gasgeschäften, die vormals noch unter RWE liefen, beteiligt ist.

Inwieweit letztendlich tatsächlich konkrete Angebote vorgelegt werden und für welche Geschäftsbereiche, ist laut Unternehmensinformationen bislang noch völlig offen. Sollte der unbekannte Dritte jedoch ernstmachen und sich in die Innogy-Übernahme einschalten, dürfte es für Eon und RWE erheblich schwieriger werden als zunächst gedacht, ihren Deal wie geplant umzusetzen, der nichts geringeres bedeuten würde als eine grundlegende Neuordnung der hiesigen Energiebranche.

Innogy Aktie stabil, RWE und Eon unter Druck

Die Innogy Aktie gab im Zuge der Übernahmegerüchte zuletzt leicht nach, hielt sich aber mit knapp 38 Euro noch im Bereich dessen, was Eon als Kaufpreis je Aktie ins Gespräch gebracht hatte. Die Aktien von RWE und Eon gaben Ende der Woche hingegen nach und rutschten um jeweils mehr als 1 Prozent ins Minus, nachdem die Gerüchte bekanntgeworden waren.

Die RWE Aktie kostete zuletzt rund 21,50 Euro, Anteilsscheine von Eon waren für knapp 9 Euro zu haben. Beide Aktien hatten in den vergangenen Wochen eine Rally hingelegt und werden von Analysten seit Bekanntgabe der Innogy-Aufteilungspläne wieder deutlich positiver bewertet. Mehrheitlich raten die Experten nun wieder zum Kauf beider Aktien.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.