Insider: Monsanto wird Bayer-Offerte als unzureichend zurückweisen

Was für ein Handelstag! Nach anfänglicher Index-Schwäche gelingt es heute dem deutschen Leitindex DAX die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten zu überwinden. Charttechniker begründen die Rally mit einem Rebound an der wichtigen unteren Unterstützung und vermuten nun Anschlussgewinne.

Das ist gut für die Anleger, die heute mit jedem DAX-Titel Gewinne machen. Ganz oben im Tableau der Gewinner ist die Bayer-Aktie. Nachdem das Papier der Leverkusener an den vergangenen Handelstagen erheblich unter Druck stand, setzen nun die ersten Anleger auf eine Trendwende.

Für die notwendige Überzeugung sorgte ausgerechnet die Person, die auch mitverantwortlich für den vorherigen Kurssturz ist: Bayer-Chef Werner Baumann sicherte sich gestern Bayer-Aktien für fast 1 Mio. Euro und hievte damit den Titel an die Spitze der Gewinnerliste. Ob der heutige Kursgewinn allerdings nachhaltig ist, hängt vom weitere Verlauf der Monsanto-Übernahme ab.

Monsanto entscheidet über kurzfristige Richtung der Bayer-Aktie: Insider-Kauf könnte diesmal Fehlsignal sein

Das Urteil der Investoren zur Monsanto-Übernahme fiel ziemlich eindeutig aus: Zu teuer, zu viele Unwägbarkeiten. Nimmt Bayer Abstand vom Deal, würde das der Aktie mit großer Wahrscheinlichkeit helfen. Doch Baumann hat sich nicht deswegen mit „eigenen“ Aktien eingedeckt.

Vielmehr wird er damit zeigen wollen: Der Deal ist vorteilhafter als es Außenstehende und Presse verstehen. Wer die Bayer-Aktie heute kauft, der hat einen sehr guten Einstiegspreis erwischt. Bayer wird durch die Übernahme wertvoller.

Rein statistisch betrachtet können Investoren eine messbare Überrendite erzielen, wenn sie Unternehmensbossen nach Insiderkäufen in die Aktie folgen. Da es bei Bayer allerdings das übergeordnete Ereignis Monsanto-Offerte gibt, sollte die Signalstärke in diesem Fall hinterfragt werden. Denn die Aktie kann ziemlich schnell wieder Richtung Süden wandern.

Monsanto für Deal – will aber mehr Geld

Insider berichten, dass Monsanto wohlwollend die Bayer-Offerte zur Kenntnis genommen hat, die behördlichen Bedenken für ausräumbar hält und die industrielle Logik einer Kombination der beiden Konzerne versteht.

Gleichwohl sei Monsanto auch ohne den deutschen Branchenkollegen sehr gut aufgestellt. Mit anderen Worten: Wir wollen ebenfalls einen Deal – am Preis muss Bayer aber noch etwas machen.

Der Preis ist im Übernahme-Geschäft immer der Knackpunkt. Monsanto will mehr – Bayer spielte bereits im Vorfeld die Möglichkeit einer Aufstockung herunter und betrachtete das Angebot als sehr sehr gut.

Autohändler unter sich will man meinen, nur dass es nicht um einen alten Ford Taunus geht, sondern um eine 62 Mrd. Dollar schwere Offerte für den „meistgehassten Konzern der Welt“.

Erst-Offerte nicht „final offer“: Bayer-Aufstockung wahrscheinlich

Aktuell liegt das Bayer-Angebot bei 122 Dollar je Aktie. Als Preisuntergrenze taucht immer wieder die 130 Dollar-Marke auf – einige Analysten sehen die Grenze auch bei 140 Dollar je Aktie.

Wenn Bayer bereit sein sollte mehr zu bieten, was der Normalfall wäre, dann könnte es eine finanzielle Einigung geben. Klar ist aber, dass eine Aufstockung um 10% gleichbedeutend mit einer zusätzlichen Belastung von 6 Mrd. Dollar ist.

Das wiederum in Verbindung mit den Übernahme-Risiken könnte dazu führen, dass die Aktie erneut unter Druck gerät. Dann wäre es in diesem Fall besser gewesen, nicht dem Insider in die Aktie zu folgen.

24. Mai 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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