Insider packt aus: Nestle entdeckt den Wachstumsmarkt China

Schon wieder hat ein Insider brisante Informationen nach außen getragen. Nestle befindet sich in Übernahme-Verhandlungen mit dem chinesischen Süßwaren-Produzenten Hsu Fu Chi. Logischerweise will der Informant nicht namentlich genannt werden, aber die Übernahme würde zu den strategischen Zielen des Schweizer Nahrungsmittel-Konzerns passen.

Auch wenn der Name Hsu Fu Chi in Europa eher unbekannt ist, handelt es sich bei der Übernahme um einen weiteren Milliardendeal. Nestle ist bereit, sich für mindestens 2,8 Mrd. Dollar in den chinesischen Markt einzukaufen.

Nestle auf Wachstumskurs in den Schwellenländern

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 einen Umsatzanteil von 45% in den Schwellenländern zu erwirtschaften. Mit organischem Wachstum ist dieses Ziel nicht zu erreichen, so dass jetzt Zukäufe her müssen.

Besonders China bietet dabei für Nestle ein attraktives Investitionsziel. Der Markt ist noch nicht voll entschlossen, die Produktionskosten sind günstig und die Wachstumsraten sind hoch. Für das Unternehmen bedeutet das: Hohe Gewinne und gute Perspektiven.

In China gilt es zunehmend als schick einen westlichen Lebensstil zu pflegen. Europäische Produkte, die vor wenigen Jahren noch in den Regalen versauerten, werden jetzt stark nachgefragt. Besonders qualitativ hochwertige Produkte finden bei der reicher werdenden Mittelschicht eine positive Resonanz. Nestles Produktpalette passt ideal in diesen Markt.

Starker Franken macht Übernahmen zum Schnäppchen

Nestle verfügt über einen Cashbestand von rund 16 Mrd. Schweizer Franken. Ein ausreichendes Polster, um in den kommenden Jahren in den Schwellenländern weiter aktiv bleiben zu können.

Weitere Zukäufe könnten aber bereits in diesem Jahr geschehen. Der Schweizer Franken notiert gegenüber Euro und Dollar nahe Allzeithoch und macht es für das Unternehmen aktuell noch attraktiver auf Übernahmejagd zu gehen.

Weitere Bieter im Rennen

Die Aktien des chinesischen Übernahme-Kandidaten wurden nach Bekanntwerden der Übernahme-Gespräche vom Handel ausgesetzt. Nestle-Aktien notieren heute in einem starken Markt unverändert.

Bis der Deal steht werden noch einige Wochen vergehen. Es ist noch nicht sicher ob sich die beiden Seiten überhaupt einig werden. Neben Nestle sollen weitere Bieter in Verhandlungen mit dem Unternehmen stehen.

Behörden könnten Übernahme verhindern

Auch wenn Nestle am Ende eine Einigung mit Hsu Fu Chi erreicht, bedeutet das nicht, dass der Deal in trockenen Tüchern ist. Peking hat den Markt zwar in den letzten Jahren für ausländische Investoren deutlich geöffnet, kann die Zustimmung aber noch verweigern.

2009 bekam Coca Cola zu spüren, dass die Übernahme eines chinesischen Unternehmens nicht so einfach ist wie gedacht. Als das Unternehmen den Getränkehersteller China Huyian Juice Group übernehmen wollte, verweigerten die chinesischen Behörden wegen Wettbewerbsbedenken die Zustimmung.

4. Juli 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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