Insider: PPG bereitet neue Akzo Nobel-Offerte vor

In der vergangenen Woche hatten wir Ihnen von der 21 Mrd. € schweren Übernahme-Offerte des US-Spezial-Chemikers PPG für den niederländischen Rivalen Akzo Nobel berichtet.

Die US-Amerikaner wollen sich an der Neuordnung in der Branche aktiv beteiligen und haben sich dafür den Weltmarktführer für Farben und Lacke ausgesucht.

Das Aktien- und Cash-Angebot beinhaltete einen satten Aufschlag von 29% auf den Akzo Nobel-Aktienkurs, doch der Übernahme-Kandidat lehnte dankend ab.

Wie so oft im Übernahme-Geschäft, hieß es aus der Firmenzentrale des Übernahme-Kandidaten, dass der unaufgeforderte Vorstoß das Unternehmen substanziell unterbewerte.

Der Bieter selbst bezeichnete die Offerte dagegen als hochattraktiv und hielt sich zu den weiteren Plänen nach der Abfuhr bedeckt.

PPG dürfte sich allerdings Insidern zufolge schon bald aus der Deckung begeben. Es heißt, dass zeitnah eine aufgestockte Offerte vorgelegt wird.

6 Gründe, die für einen neuen Vorstoß sprechen

Wie immer im Übernahme-Geschäft, ist noch nichts sicher. Dass ein Bieter nach einem ersten Vorstoß aber am Ziel dran bleibt, ist jedoch sehr häufig zu beobachten.

Ein Zusammenschluss zum Marktführer für Glasbeschichtungen mit einem Umsatz von fast 30 Mrd. Dollar besitzt eine hohe industrielle Logik.

Neben Synergie-Effekten im Millionenbereich ist der Übernahme-Kandidat auch mit Blick auf die höhere Profitabilität für PPG interessant.

Hinzu kommt, dass PPG-Chef Michael McGarrynach als Deal-freundlich gilt.

Und durch die Branche rollt eine Übernahme-Welle, an der sich PPG bislang nur mit der Übernahme von Comex im Jahr 2014 beteiligte.

Auch lag das Erstangebot etwa 20% unter dem, was üblicherweise für Übernahmen in der Branche gezahlt wurde – gut möglich also, dass die Gerüchte zutreffen.

Übernahme-Aktivist fordert Unternehmens-Spitze zu Verhandlungen auf

Kommt es zu einer Neuauflage, dürften zumindest die Akzo Nobel-Aktionäre offen für einen Zusammenschluss sein.

Der Übernahme-Aktivist Elliott Management hält eine nicht unbedeutende Anzahl von Akzo-Papieren und drängte die Unternehmens-Führung in der Vorwoche zu Übernahme-Gesprächen.

Elliot geht bei Deals sehr häufig als großer Gewinner vom Platz. Das Akzo-Management hat dagegen eigene Pläne:

Der Konzern plant die Abspaltung eines Unternehmens-Bereich, der bis zu 10 Mrd. Dollar in die Kasse spülen könnte.

Der Schritt wurde schon seit längerem von Aktionären gefordert um schlummernde Werte zu heben und jetzt erscheint der Zeitpunkt günstig.

Wettbewerbs-Behörden und Politik sind größere Baustellen als bei anderen Übernahmen

Ob es zu einem Deal kommt, ist nicht nur eine Preisfrage.

Es ist gut vorstellbar, dass sich PPG und Akzo Nobel nach einer Aufstockung an den Verhandlungstisch begeben und einen für beide Seiten akzeptablen Deal aushandeln.

Der Akzo-Chef Ton Buechner warnt für den Fall aber vor politischen Risiken:

Auch wenn die Wahlen in den Niederlanden vorbei sind, dürften einzelne Politiker den Deal unabhängig von den Vorteilen ins schlechte Licht rücken, da voraussichtlich Stellen gestrichen werden müssten.

Der noch größere Stolperstein heißt allerdings Wettbewerbs-Behörden.

Wenn die Nr. 2 der Branche die Nr. 1 schlucken will, dann geht das – wenn überhaupt – nur unter strengen Auflagen (z. B. Verkauf von Unternehmens-Teilen).

Die führen dann dazu, dass die Synergien kleiner ausfallen. Das Erstangebot beinhaltete bereits einen 29% Aufschlag auf den Aktienkurs.

Wenn PPG noch mehr zahlt, dann am Ende große Teile des neuen Konzerns aufgrund von Auflagen verkauft werden und sogar Beschäftigungs-Garantien abgegeben werden müssen, um die Politik zu überzeugen, kann der Deal schnell unrentabel werden.

21. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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