Insolvente Vapiano verkauft 30 Restaurants

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Die insolvente Restaurantkette Vapiano konnte 30 ihrer 55 deutschen Restaurants an ein Bieterkonsortium verkaufen. (Foto: Tobias Arhelger / shutterstock.com)

Nur wenige Tage nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Juni 2020 konnte die Kölner Restaurantkette Vapiano SE 30 der insgesamt 55 von ihr in Deutschland betriebenen Restaurants verkaufen. Dies gab die mit der Insolvenzverwaltung beauftragte PLUTA Rechtsanwalts GmbH gestern bekannt.

Käufer ist ein Konsortium unter Führung von Ex-Vapiano-Vorstand Mario C. Bauer, das für den Kauf der Restaurants sowie der deutschen Tochtergesellschaften der Vapiano SE 15 Mio. Euro hinblättern musste.

Zum Käufer-Konsortium gehören u. a. die niederländische Van der Valk-Gruppe, Henry McGovern, Gründer und 26 Jahre lang Chief Emotional Officer von AmRest, sowie Sinclair Beecham, Gründer von Pret A Manger. Ebenfalls mit im Käufer-Boot ist mit Gregor Gerlach einer der Gründer von Vapiano.

Bereits am 20. Mai meldete die Hotel- und Gastronomie-Zeitung, dass Bauer sich die Vapiano-Restaurants in Frankreich und Luxemburg gesichert hätte. Für die insgesamt 29 Läden soll das ehemalige Vorstandsmitglied sogar 25 Mio. Euro geboten haben.

Friede, Freude, Panettone (Eierkuchen)

Wie so oft bei Übernahmen sind alle an der Transaktion beteiligten Personen glücklich und zufrieden. Der Finanzchef der Vapiano SE, Lutz Scharpe, freut sich über die Zustimmung des Gläubigerausschusses und preist den Verkauf als zukunftsfähige Lösung für den Heimatmarkt in Deutschland und das internationale Franchisegeschäft.

Die Insolvenzverwalterin Dr. Ruth Rigol betont, dass in schwierigen Corona-Zeiten intensive Verhandlungen geführt und erfolgreich abgeschlossen werden konnten und dass viele Arbeitsplätze national wie international gerettet werden können.

Und der Ex-Vorstand und Käufer Mario C. Bauer will die Restaurantkette zurück zu seinen Werten und seiner emotional-partnerschaftlichen Unternehmenskultur führen. Was das für die 3.800 Mitarbeiter in Deutschland und die weltweit 10.000 für Vapiano tätigen Personen konkret bedeutet, führte er allerdings nicht aus.

Vapiano: Nach dem Expansionshype in die Insolvenz

Die Vapiano SE mit Sitz in Köln wurde 2002 in Hamburg gegründet. Das Unternehmen betreibt Selbstbedienungsrestaurants mit italienischer Küche. Etwa zwei Drittel der Vapiano-Restaurants werden von Franchisenehmern und als Joint Venture betrieben.

Das Geschäftsmodell hatte anfänglich großen Erfolg und war besonders bei jungen Leuten in den deutschen Großstädten sehr beliebt. So expandierte das Unternehmen zunächst in Deutschland und ab 2006 auch in weiteren europäischen Ländern.

2009 gab es bereits 60 Vapiano-Restaurants, zwei Jahre später eröffnete in Wien das 100. und 2017 das 200. Restaurant in Kopenhagen. Ende September 2019 war Vapiano mit 235 Restaurants in 33 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten.

Seit Jahren in den roten Zahlen

Seit 2016 geriet Vapiano immer tiefer in die roten Zahlen. 2018 machte das Unternehmen einen Umsatz von 372 Mio. Euro. Nach Abzug der Kosten entstand jedoch ein satter Verlust von 101 Mio. Euro. Nachdem den Kölnern auch im vergangenen Jahr kein Turnaround gelang, erklärte Vapiano am 20. März die Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit.

Wenige Stunden vor der Insolvenzerklärung hatte Vapiano noch einen dringenden Appell an Bundesregierung zur schnellen und unbürokratischen Umsetzung der beschlossenen Hilfsprogramme gerichtet. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Zahlungsunfähigkeit schon längst bekannt. Der Konzern wäre aus meiner Sicht auch ohne den Corona-Lockdown, der erst Mitte März begann, nicht länger zu halten gewesen.

Zwar werden die Vapiano-Aktien noch an der Börse gehandelt, aber der Kurs der Papiere liegt seit Bekanntwerden der Insolvenz bei unter 1 Euro. Die einst mit über 20 Euro gehandelte Aktie ist zu einem Pennystock geworden.

Die Vapiano-Aktien sind aufgrund der jetzt stattfindenden Zerschlagung des ehemaligen Gastronomie-Imperiums meines Erachtens nur noch etwas für die Zocker unter Ihnen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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