Intel-Aktie: Anleger reagieren trotz Rekordergebnissen verschnupft

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Chip-Gigant Intel liefert Rekordergebnis ab. Die Aktie fällt trotzdem. Schuld ist die verhaltene Prognose des US-Konzerns. (Foto: KYTan / Shutterstock.com)

Die Berichtssaison nimmt langsam Fahrt auf. Mit Intel hat jetzt eines der Schwergewichte unter den Technologieaktien seine Ergebnisse vorgelegt. Trotz solider Wachstumsraten und Rekordzahlen zeigten sich die Anleger enttäuscht. In einer ersten Reaktion gab der Kurs des Halbleiterriesen um über 5% nach.

Intel fährt Rekordgewinn ein

Auf den ersten Blick waren die präsentierten Geschäftsergebnisse gar nicht mal schlecht. Ganz im Gegenteil. Im Schlussquartal kletterten die Umsätze immerhin um 9% auf sage und schreibe 18,7 Milliarden Dollar. Dabei erzielte Intel einen Quartalsgewinn von 5,2 Milliarden Dollar (+14%) und erreichte damit eine Gewinnspanne von 27%.

Auch der Blick auf das Gesamtjahr ist durchaus beeindruckend: So gingen im zurückliegenden Jahr Erlöse von 70,8 Milliarden Dollar durch die Bücher. Das ist ein Zuwachs von immerhin 13%. Zeitgleich blieb ein Gewinn in Höhe von 21,1 Milliarden Dollar hängen (+28%).

PC-Geschäft brummt weiter

Ein Blick in die einzelnen Geschäftsbereiche zeigt Ihnen, dass es vor allem im PC-Geschäft zuletzt ausgesprochen rund lief. Der Bereich mit Chips für PCs zeigte ein Wachstum von 10% und war mit einem Umsatz von 9,8 Milliarden Dollar für 52,4% der Gesamterlöse verantwortlich. Das lag vor allem daran, dass Intel höhere Preise für seine Halbleiter durchsetzen konnte. Denn Sie müssen beachten: Der Zuwachs wurde erzielte, obwohl die Nachfrage nach Desktop-PCs um 8% einbrach und auch bei Notebooks nur ein minimales Absatzplus von 1% erzielt werden konnte.

Dynamik im Cloud-Geschäft hat nachgelassen

Im zukunftsträchtigen Cloud-Geschäft stieg der Umsatz auf 6,1 Milliarden Dollar (+9%) und zeigte damit geringere Zuwachsraten als im Vorquartal (26%). Dennoch kam der US-Technologiekonzern auf Jahressicht immerhin auf einen Zuwachs von 21%. Die jüngste Schwäche ist laut Intel auf das Nutzerverhalten der Kunden zurückzuführen. Diese lasten aktuell zunächst noch freie Cloud-Kapazitäten aus, bevor sie in einen weiteren Ausbau investieren.

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Mobileye-Zukauf mit 43% Umsatzplus

Unterdessen gibt Intel auch Intels Mobileye-Zukauf Gas. Der Anbieter von Fahrerassistenzsoftware verzeichnete einen Umsatzanstieg um 43% auf 183 Millionen Dollar, bei programmierbaren Chips ging es um 8% auf 612 Millionen Dollar nach oben.

Prognose enttäuscht die Anleger

An den erreichten Rekordzahlen dürften sich die Anleger also nicht gestört haben. Vielmehr sorgte der Ausblick für Unmut unter den Investoren, auch wenn Intel ein neues Rekordjahr anpeilt. Für das Jahr 2019 erwartet der Chiphersteller einen Umsatz von 71,5 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von einem mageren Prozent. Beim Gewinn sollen je Aktie 4,60 Dollar hängenbleiben. Das liegt zwar über den Durchschnittsschätzungen der Analysten (4,53 Dollar), aber beim Umsatz hatten sich die Experten bislang mehr erwartet (73,1 Milliarden Dollar).

Intel will 15,5 Milliarden Dollar investieren

Mit den Ergebnissen gab Intel auch seinen Investitionsplan für das laufende Jahr bekannt. Der Chipgigant plant insgesamt 15,5 Milliarden Dollar in die hauseigene Forschungsabteilung zu investieren. Das liegt nochmals über dem Niveau des Vorjahres (15,2 Milliarden Dollar) und beträgt mehr als 20% der erwarteten Jahresumsätze. Damit gehört Intel zu den Konzernen, die weltweit die höchsten Forschungsausgaben tätigen.

Noch kein neuer Chef in Sicht

Diejenigen, die bei der Bilanzvorlage auf Neuigkeiten an der Vorstandsfront gehofft hatten, wurden enttäuscht. Interimschef Bob Swan erzählte den Analysten, dass der Chip-Gigant sich weiter auf der Suche nach einem dauerhaften Ersatz für den ehemaligen Firmenboss Brian Krzanich befindet. Seit mehr als einem halben Jahr für Swan den Konzern nun übergangsweise.

Fazit: Auch der Chip-Konzern Intel ist nicht immun gegen das weltweite Überangebot an Chips, die Schwäche bei Smartphones und dem Nachfrageeinbruch bei Graphikkarten infolge des Platzens der Krypotblase. Die verhaltene Prognose nutzten daher die Anleger, um erst einmal Kasse zu machen. Auf Basis der Bewertung (10er Kurs-Gewinn-Verhältnis; 2,7% Dividendenrendite) und der Positionierung in zahlreichen Zukunftsmärkten (Autonomes Fahren, Internet der Dinge) sollte das Abwärtspotenzial aber begrenzt sein.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.