Intel-Aktie: Chipgigant schließt größte Übernahme der Firmengeschichte ab

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Halbleiterkonzern baut Geschäft mit dem „Internet der Dinge“ deutlich aus (Foto: Alexander Tosltykh / shutterstock.com)

Ein gutes halbes Jahr ist es jetzt her, dass Intel die größte Übernahme der Firmen-Geschichte ankündigte:

Für insgesamt 16,7 Mrd. Dollar (54 Dollar je Aktie in bar) soll der Chip-Rivale Altera geschluckt werden.

Jetzt ist es soweit; Nachdem bereits im Oktober die Wettbewerbs-Hüter aus Brüssel keine Bedenken gemeldet hatten, wird der Deal noch kurz vor Jahresende in trockene Tücher gebracht.

Mit dem Zukauf toppt Intel seinen bislang teuersten Einkauf um Längen. Vor 5 Jahren schlug der Halbleiter-Riese bei dem Sicherheits-Spezialisten McAffee zu – allerdings lag der Kaufpreis mit 7,7 Mrd. Dollar deutlich unter dem Altera-Preis.

Intel auf der Suche nach neuen Absatz-Märkten

Die Transaktion zeigt, dass auch ein Mega-Konzern wie Intel nicht mehr nur organisch wachsen kann. Weil der PC-Markt kontinuierlich schrumpft, muss Intel sich auf neue Märkte konzentrieren.

Sonst bekommt der Technologie-Riese ein Problem. Denn bislang erzielte Intel mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit PC-Chips für Desktop-Rechner und Notebooks – bei einem Jahresumsatz von zuletzt fast 56 Mrd. Dollar eine Menge Holz.

In diesem Jahr fehlen allerdings größere Impulse. Da Microsoft in diesem Jahr seinen Kunden Windows 10 über ein kostenloses Upgrade zur Verfügung gestellt hat, sinkt im Gegenzug die Nachfrage nach neuen Rechnern.

Um die wegfallenden Erlöse zu kompensieren, versucht sich Intel über Zukäufe neues Wachstum zu sichern.

Anders als die klassischen Intel-Chips, die eine Vielzahl unterschiedlichster Aufgaben erledigen können, sind die ASIC-Chips von Altera auf bestimmte Zwecke zugeschnitten.

Nach der Produktion sind sie nicht mehr veränderbar. Das macht sich in günstigeren Herstellungs-Kosten bemerkbar.

Mit der Altera-Übernahme dringt Intel in einen komplett neuen Absatzmarkt vor:

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Statt auf Chips für PCs setzt der Konzern jetzt auf Chips für Großrechner und sogenannte „Embedded“-Lösungen, also das Internet der Dinge.

Jetzt kann Intel auch im Mobilfunk-Bereich oder bei Autos mitverdienen.

Altera bleibt eigentständig

Nach der Übernahme wird Altera eine eigenständige Geschäfts-Einheit im Intel-Konzern bleiben.

Auch der Markenname Altera soll beibehalten werden. Die Fertigung künftiger Produkte wird aber ausschließlich in Intel-Fabriken erfolgen.

Übernahme ist sportlich gepreist

Klar ist, dass Intel mit dem Zukauf in einen komplett neuen Markt vordringt, der aktuell deutlich stabiler ist als das herkömmliche PC-Geschäft. Aber auch bei Altera ist nicht alles Gold was glänzt.

Ein Blick in die Vergangenheit ist auch hier aufschlussreich: 2010 erzielte die Chip-Firma bei Erlösen von 19,5 Mrd. Dollar noch eine Gewinn-Marge von 40%.

Im letzten Geschäftsjahr sprangen bei 19,32 Mrd. Dollar Erlösen „nur“ noch 24% raus.

Unterm Strich zahlt Intel das 37-Fache der erwarteten Altera-Gewinne für 2015. Ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das zuletzt nicht mehr gewachsen ist.

Das Intel-Management verweist jedoch auf die positiven Synergien durch den Deal, die den hohen Preis rechtfertigen würden.

60% der Wertschöpfung sollen durch Produkt-Synergien kommen, 40% der Kosten will Intel durch Einsparungen bei den Kosten und in der Herstellung heben.

Aber eins ist sicher: Der Deal wird noch lange nicht das Ende der Konsolidierung im Chip-Sektor gewesen sein.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.