Intel-Aktie: Sicherheitslücke reißt Aktie in die Tiefe

Intel-Aktie: Kräftige Kursabschläge nach Berichten um Sicherheitslücken. Firmenchef versilbert Aktienpaket im Vorfeld (Foto: KYTan / Shutterstock.com)

Schlechter hätte der Jahresauftakt für die Intel-Anleger kaum laufen können. Am dritten Handelstag des neuen Jahres sorgten Berichte über gravierende Sicherheitslücken in Intel-CPUs für einen Ausverkauf der Aktie. Zwischenzeitlich rauschten die Papiere um über 6% in den Keller – damit büßte der Technologiegigant innerhalb weniger Stunden 15 Milliarden Dollar an Börsenwert ein. Zum Börsenschluss erholten sich die Papiere wieder leicht und schlossen mit einem Kursverlust von 3,39%.

Sicherheitslücken schon lange bekannt

Dabei waren die Informationen rund um die Sicherheitslücken in Intel-CPUs schon lange bekannt. Beschäftigten sich allerdings vorher nur Technikexperten und Programmierer mit den Details, wurden durch die jüngsten Berichte zunehmend auch die Anleger auf die negativen Nachrichten aufmerksam. Konkret geht es um fehlerhafte Intel-Prozessoren, die möglicherweisen den Zugriff von Hackern auf geschützte Daten wie Passwörter ermöglichen sollen. Laut den Berichten sind alle Intel-Chips der vergangenen zehn Jahre betroffen.

Intel bezieht unklare Stellung

Experten zufolge sind aber nicht nur Intels Chips von diesem Missstand betroffen. Das wurde auch umgehend von dem Technologieriesen Intel betont. Fakt ist jedoch, dass die Stellungnahme des Halbleiterkonzern wenig Klarheit gebracht hat. Denn Intel gibt nicht genau bekannt, in was die Sicherheitslücke genau besteht und welche Auswirkungen sie haben kann. Immerhin erklärt der Prozessorhersteller, die Lücke habe das Potenzial, dass Angreifer sensitive Daten auf Systemen abgreifen könnten. Aber der Konzern geht nicht davon aus, dass durch die Lücke Daten manipuliert oder gelöscht werden können.

Riesen-Update in Vorbereitung

Nun soll die Sicherheitslücke umgehend geschlossen werden. Intel selbst kann das Problem nicht beheben. Windows- und Linux-Programmierer arbeiten aber mit Hochdruck an einem Mega-Sicherheitsupdate, das die Lücke stopfen soll. Gerüchten zufolge könnten aber die Updates die Rechenleistung der PCs deutlich verlangsamen.

Je nach Anwendung und Prozessor könnten die Geräte um bis zu 30% an Geschwindigkeit einbüßen. Der Grund liegt klar auf der Hand: Die neuen Sicherheitsfunktionen zwingen den Chip zu zusätzlichen Arbeitsschritten. Diese sollen verhindern, dass fremde Programme auf die gesperrten Speicherbereiche zugreifen.

Vorstandschef versilbert Aktienpaket

Zu den negativen Schlagzeilen gesellte sich gestern noch eine weitere brisante Neuigkeit. Obwohl das Problem bei Intel schon im Juni vergangenen Jahres bekannt war, veräußerte Firmenchef Brian Krzanich im November sein gesamtes Aktienpaket im Wert von rund 24 Millionen Dollar. Lediglich die exakt 250.000 Papiere, die er laut internen Richtlinien halten muss, hat er seither im Bestand.

Der Konzern begründet die Transaktionen als Teil eines Standard-Verkaufsplans. Zu Ihrer Information: Solche Pläne erstellen Aktienbesitzer in Führungspositionen, um Vorwürfen des Insiderhandels vorzubeugen. Zu festgelegten Zeitpunkten werden die Pläne automatisch ausgeführt, also unabhängig vom aktuellen Aktienkurs. Laut Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC zufolge waren die Verkäufe von Krzanich tatsächlich Teil eines solchen Plans. Allerdings wurde der Plan erst am 30. Oktober 2017 bei der Aufsichtsbehörde eingereicht.

Analysten zeigen sich uneinheitlich

Während die Stimmung durch die Sicherheitslücken kurzfristig belastet bleiben dürfte, zeigen sich die Analysten leicht positiv. Von den 38 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 23 zum Kauf, während 10 Analysten in dem Papier eine Halteposition sehen. Fünf der Banker empfehlen die Aktie zum Verkauf. Bei einem erwarteten Gewinn von durchschnittliche 3,25 Dollar je Aktie im kommenden Jahr liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 14. Das Kursziel von 46,64 Dollar liegt aber nur geringfügig über dem aktuellen Kursniveau (44,26 Dollar).

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.