Intel Aktie: Verdacht auf Insiderhandel?

Intel-Chef Krzanich wusste schon von den Chipproblemen, als er sich im November von einem großen Paket Intel-Aktien trennte. (Foto: KYTan / Shutterstock.com)

Was in dieser Woche bekannt wurde, ist eine IT-Sicherheitslücke bislang ungekannten Ausmaßes. Sie betrifft private Nutzer ebenso wie große Unternehmen oder Anbieter gigantischer Serverfarmen für Cloudangebote, und sie betrifft so gut wie alle Hersteller von Apple bis Microsoft.

Experten aus einem Forschungszentrum von Google haben eine Sicherheitslücke in Prozessoren entdeckt. Diese Chips sind in jedem Computer, jedem Laptop, jedem Smartphone verbaut. Der entscheidende Unterschied im Vergleich zu früheren Sicherheitslücken: Dadurch, dass es sich um ein Hardware-Problem handelt, kann man es nicht unbedingt durch ein Software-Update beheben.

Reichen Software-Updates wirklich aus?

Wird in Betriebssystemen oder Programmen eine Sicherheitslücke entdeckt, können diese meist innerhalb kurzer Zeit durch entsprechende Updates des jeweiligen Herstellers geschlossen werden. Zwar versuchen auch bei dem nun bekannt gewordenen Prozessorenproblem die großen Softwarehersteller und Anbieter von Betriebssystemen, ihre Kunden durch Updates zu schützen. Doch ob diese Bemühungen auf Softwareseite ausreichen, ist derzeit völlig ungewiss.

Um nachhaltig wirksam gegenzusteuern, müssten wohl Millionen von Prozessoren ausgetauscht werden. Wer dafür haftet, ist unklar. Unter Druck gerieten in dieser Woche zunächst einmal die bekannten Chiphersteller, deren Prozessoren nachweislich betroffen sind: Intel, AMD und ARM.

Intel Aktie unter Druck

Die Intel Aktie schloss zuletzt deutlich im Minus – was wiederum den Blick auf Intel-Chef Brian Krzanich lenkt. Denn der hatte erst im November ein riesiges Paket seiner Intel Aktien verkauft und damit satte 24 Millionen Dollar eingestrichen. Er behielt lediglich 250.000 Anteilsscheine, diese sind in seinem Arbeitsvertrag vorgesehen.

Das Pikante dabei: Während die Öffentlichkeit erst in dieser Woche über die Probleme unterrichtet wurde, wusste Intel längst Bescheid. Der Chiphersteller war von Google bereits im vergangenen Juni über die Sicherheitslücken informiert worden – und somit mehrere Monate bevor Krzanich den Verkauf seiner Aktien umsetzen ließ.

Verdacht auf Insiderhandel gegen Intel-CEO?

Ob nun wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen den Intel-CEO ermittelt wird, ließ die US-Börsenaufsicht vorläufig offen. Ein Geschmäckle hat die Abwicklung aber allemal. Fest steht: 24 Millionen Dollar waren die im November verkauften Anteilsscheine gestern nicht mehr wert, Krzanich hätte einiges an Einbußen hinnehmen müssen.

Sollte sich die Sicherheitslücke tatsächlich nicht durch Software-Updates beheben lassen, dürften auf Intel und andere Chiphersteller schwierige Zeiten zukommen, falls sie tatsächlich für einen großangelegten Hardwareaustausch aufkommen müssten.

Intel Aktie: Analysten warnen vor Panik

Für die Intel Aktie dürfte der jüngste Kursknick womöglich erst der Anfang gewesen sein. Dennoch warnen Analysten vor übertriebenen Panikreaktionen: Nach einer von Intel zum Sachverhalt einberufenen Investorenkonferenz hielten mehrere Experten die Risiken für überschaubar und rechneten nicht mit größeren finanziellen Einbußen für den Chiphersteller.

Sie beließen ihre Einstufungen für die Intel Aktie daraufhin bei „Halten“ (RBC Capital Markets, Kursziel: 44 Dollar) beziehungsweise „Kaufen“ (JP Morgan, Kursziel: 53 Dollar). Am Freitagvormittag war die Intel Aktie für rund 44 Dollar oder 36 Euro zu haben.

2018-01-05 Intel

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.