Intel: Chip-Hersteller trennt sich vom Sicherheits-Geschäft und lockt Verlust ein

Dass Übernahmen nicht immer von Erfolg gekrönt sind, zeigt Ihnen der jüngste Deal des weltgrößten Chip-Herstellers Intel:

Vor 5 Jahren schluckte dieser den Sicherheits-Spezialisten McAfee für den stolzen Kaufpreis von 7,7 Mrd. Dollar. Nur wenige Jahre später muss sicher der Halbleiter-Konzern eingestehen, dass der Zukauf gefloppt ist.

Jetzt trennt sich das Unternehmen von der Mehrheit (51%) seines Anteils und bekommt dafür nur noch 3,1 Mrd. Dollar.

Gut gedacht, schlecht gemacht

Die Ursprungs-Idee für die Übernahme war dabei gar nicht einmal so schlecht: Bei der Übernahme von McAfee im Jahr 2010 hatte Intel angekündigt, die Sicherheits-Software in seine Chips zu implementieren.

Doch 6 Jahre später war dieser Plan noch immer nicht abgeschlossen. Die Integration klappte offenbar nicht im geplanten Ausmaß.

Hinzu kommt, dass sich die Methoden in der IT-Sicherheit stark weiterentwickelt haben. Neue, aggressive Rivalen haben immer mehr Marktanteile gewonnen.

Typisch für diese Entwicklung sind Firmen wie FireEye oder Palo Alto Networks. Sie überwachen z. B. den Daten-Verkehr, statt nach bekannten Viren zu suchen.

Marge deutlich unter Konzern-Niveau

Wie schwach auch die Geschäfts-Entwicklung verlief, zeigt Ihnen ein Blick in das jüngste Zahlenwerk:

Im Jahr 2015 trug McAffee mit einem Umsatz von 2,2 Mrd. Dollar gerade einmal knapp 4% zu den Gesamt-Erlösen des Chip-Konzerns bei. Die Analyse des Gewinns offenbart auch die schwache Profitabilität.

Bei einem operativen Gewinn in Höhe von 210 Mio. Dollar betrug die Gewinnspanne nicht einmal 10%. Für Sie zum Vergleich: Trotz des kriselnden Kerngeschäfts kam Intel auf Gruppen-Ebene zuletzt auf eine Marge von 25,29%.

Käufer investiert kräftig

Käufer des Mehrheits-Anteils ist der Finanz-Investor TPG, der neben der Kaufpreis-Zahlung kräftig in die Tasche greift: Insgesamt will TPG 1,1 Mrd. Dollar investieren, um den Bereich weiterzuentwickeln und zu fokussieren.

Sollte dies gelingen, könnte sich das Ganze auch finanziell lohnen. Denn das Geschäft mit IT-Sicherheit gilt angesichts der wachsenden Bedrohungen durch Cyber-Angriffe besonders bei Finanz-Investoren als lukrativ.

Da es in dem Markt zudem viele kleine Anbieter gibt, häuft sich auch die Übernahme-Aktivität:

So kam es im Sommer zur milliardenschweren Übernahme des Wettbewerbers Blue Coat durch Symantec. Zugleich übernahm der Anbieter Avast den Konkurrenten AVG für rund 1,3 Mrd. Dollar.

Intel reagiert mit Stellen-Abbau auf schwachen PC-Markt

Unterdessen versucht Intel mit dem schwächelnden Markt für PC-Chips fertig zu werden:

  • Zum einen versucht sich Intel auf Server-CPUs und Technologie für Rechenzentren und die Cloud zu konzentrieren.
  • Zum anderen hat sich der Chip-Riese Diversifikation auf die Fahnen geschrieben.

Gerade erst hat Intel den Drohnen-Zulieferer Movidius geschluckt. Durch die Übernahme möchte sich Intel im Bereich Computer Vision und Deep Learning besser aufstellen.

Zugleich dreht der Konzern kräftig an der Kosten-Schraube: Bis Mitte 2017 sollen immerhin 12.000 Stellen gestrichen werden.

12. September 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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