Intershop-Aktie: Übernahmeangebot unterhalb des aktuellen Börsenkurses

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Frankfurter Value-Investoren wollen den einstigen Neuen Markt-Star Intershop übernehmen. Vom Allzeithoch bei 2105 Euro ist die Offerte allerdings 2103,61 Euro entfernt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am späten Freitagnachmittag ließen die Frankfurter Beteiligungsgesellschaften Shareholder Value Management AG (SVM) und Shareholder Value Beteiligungen AG (SVB) die Katze aus dem Sack: Sie legten den Aktionären der Intershop Communications AG ein gemeinsames Übernahmeangebot vor.

Der Haken bei der Sache: Das Angebot von 1,39 Euro je Stückaktie lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung leicht unterhalb des Kurses der Intershop-Aktie von 1,42 Euro.

Vom Outperformer zum Pennystock

Die Aktie der Intershop AG – eines führenden Anbieters von E-Commerce-Lösungen – war zu Glanzzeiten des Neuen Marktes sehr gefragt. Kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 erreichte sie einen Allzeithoch von 2.105 Euro. Kursnotiz in New York, 11 Mrd. Euro Börsenwert.

Doch so schnell wie der Aufstieg kam, war auch der Fall. Nur ein knappes Jahr später wurde Intershop zu einem Pennystock . also einer Aktie mit einem Kurs von unter einem Euro. Nach einer Phase der Erholung verlor die Intershop-Aktie in den letzten fünf Jahren wieder stark an Boden. Die Kurse fielen um 20 Prozent. Und das trotz steigender Börsen und einer grundsätzlich positiver Marktentwicklung im E-Commerce-Bereich.

Umstellung auf Cloudstrategie ist kostenintensiv

Derzeit stellt Intershop seine E-Commerce-Lösungen auf cloudbasierte Systeme um. Dieser Strategiewechsel ist allerdings mit hohem Aufwand und Kosten verbunden. Die Bietergemeinschaft, die zusammen mehr als 25 % der Intershop-Aktien hält, hat dem E-Commerce-Anbieter bereits mehrfach mit Kapitalspritzen geholfen.

Zuletzt konnte Intershop im Januar 2018 eine Kapitalerhöhung erfolgreich abschließen. Zum Ausgabepreis von 1,14 Euro je Aktie wurden dabei rund 5 Millionen Euro neues Kapital an der Börse eingeworben.

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Übernahmeangebot soll Transformationsprozess unterstützen

In einer Pressemitteilung zum Übernahme-Angebot betont die Frankfurter Bietergemeinschaft: „Als Ankeraktionär der Intershop Communications AG ist es unser Anliegen, auch zukünftig dem Vorstand und der Firma eine zuverlässige und belastbare Gesellschafterbasis zu bieten, um die Transformation in Richtung Commerce as a Service (CAAS) Geschäft weiter zu unterstützen.“

Ferner ist sich die Bietergemeinschaft bewußt, dass es aufgrund der Strategieumstellung „zu weiteren kurzfristigen Umsatz- und Ergebnisschwankungen“ und damit verbundenen Kapitalerhöhungen kommen kann. „Das geplante Übernahmeangebot bietet allen Aktionären der Intershop Communications AG die einmalige Gelegenheit, ihre vergleichsweise illiquiden Aktien kosteneffizient andienen zu können“, so die Bietergemeinschaft.

Reaktion der Aktionäre offen

Ob sich die Aktionäre dieser Meinung anschließen und ihre Aktien mit einem Übernahme-Abschlag statt der sonst üblichen Übernahme-Prämie verkaufen werden, bleibt abzuwarten. Für  Investoren ist Intershop in den vergangenen Jahren eine große Enttäuschung gewesen und vielleicht führt dieser Leidensdruck ja bei einigen Aktionären zur Annahme des Angebots. Immerhin liegt der aktuelle Angebotspreis mit 22 % deutlich über der Kapitalerhöhung im Januar.

Auch das positive Votum des Intershop-Vorstands zum Angebot der Frankfurter Bietergemeinschaft wird eine gewisse Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen. Und wer weiß, vielleicht legt die Bietergemeinschaft noch ein Schüppchen drauf und verbessert ihr ursprüngliches Angebot.

Kurs der Intershop-Aktie steigt

Ohne Aufstockung dürfte die Annahmequote überschaubar bleiben. Denn gegen die Angebotsannahme spricht, dass der Kurs der Intershop-Aktie nach Veröffentlichung des Übernahmeangebotes deutlich gestiegen ist.

Im Verlauf des heutigen Vormittags legte die Aktie deutlich zu. Der Kurs stieg zeitweilig um über 8 % und erreichte einen Wert von bis zu 1,54 Euro je Aktie. Wer also über die Börse verkauft, bekommt aktuell rund 10% mehr als bei Annahme der Übernahme-Offerte.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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