Intesa hat kein Interesse mehr an Generali: Investoren reagieren erleichtert

Ende Januar bestätigte die italienische Großbank Intesa Sanpaolo, dass sie den Einstieg bei dem Versicherungs-Konzern Generali prüfe.

Der umworbene Übernahme-Kandidat war von den Avancen jedoch wenig begeistert und mauerte; für den Fall, dass der Bieter Ernst macht.

Generali sicherte sich indirekt ein 3% Aktienpaket an der Intesa Sanpaolo, was einen Einstieg enorm erschwert hätte. Die Botschaft kam an, war aber vielleicht auch gar nicht nötig.

Denn Italiens führende Filialbank teilte jetzt mit, dass ein Einstieg keine attraktiven Wachstums-hancen bieten würde. Der Plan zum Einstieg wurde wieder verworfen.

Generali-Aktie unter Druck – Intesa Sanpaolo-Aktie im Aufwind

An der Börse sorgte die Neuigkeit für deutliche Kursreaktionen:

Nachdem die Aktie des Übernahme-Kandidaten im Zuge der Einstiegs-Pläne deutlich zulegte, musste sie an den vergangenen Tagen einen Teil der Gewinne wieder abgeben.

Auf Wochensicht notiert die Generali-Aktie über 6% tiefer. Anders die Reaktion unter den Intesa Sanpaolo-Anteilseignern:

Diese hatten Sorge, dass ein Einstieg bei dem mit über 20 Mrd. € bewerteten Versicherer nachteilig ist. Jetzt kam die Erleichterung und die Aktie zog um knapp 7% an.

Verflüchtigt sich die Übernahme-Chance, gibt die Aktie die Gewinne (teilweise) wieder ab

Die Kursreaktionen sind durchaus üblich im Übernahme-Geschäft: Je größer der Kurs-Anstieg in Folge von Übernahme-Gerüchten, desto glaubwürdiger sind sie aus Sicht der Investoren.

Wenn eine Übernahme dann allerdings teilweise eingepreist ist und der Deal nicht zustande kommt, dann gibt das Papier einen Teil der Gewinne ab.

Steht das Geschäft des Übernahme-Kandidaten unter Druck, kann es sogar sein, dass der Kursrückgang so gewichtig ausfällt, dass die Aktie unter das ursprüngliche Kursniveau vor dem Aufkommen der Gerüchte fällt.

Dies war z. B. beim sozialen Netzwerk Twitter der Fall. Erwartet der Markt dagegen, dass es in absehbarer Zeit zu einem Deal mit einem anderen Interessenten kommen könnte, fällt der Kursrückgang nicht ganz so stark aus.

Deal-Aus bedeutet für den Bieter: Weniger Risiko, dass zu viel bezahlt wird

Dass die Aktie des Bieters unter Druck gerät, liegt daran, dass eine Übernahme auch immer Risiken mit sich bringt.

Investoren sind nicht immer bereit, den vom Management eingeschlagenen Kurs zu unterstützen, wenn sie die Sinnhaftigkeit eines Deals nicht nachvollziehen können oder der Preis als zu hoch erachtet wird.

Da gleichzeitig (risikoloses) Geld für den Zukauf das Unternehmen verlässt, fällt der Kurs.

Je nachdem wie erfolgreich die Übernahme dann war, kann die Aktie des Bieters 1 Jahr später aber auch viel höher stehen.

Leider ist dies nicht immer der Fall; Studien zeigen, dass Übernahmen auch öfter die Erwartungen des Käufers nicht erfüllen.

Europäischer Finanz-Sektor seit Jahren reif für die Konsolidierung: Warten geht weiter

Es stellt sich die Frage wie es nach dem Deal-Aus weitergeht.

Die Intesa Sanpaolo kündigte an jetzt aus eigener Kraft wachsen zu wollen. Wird damit die lang erwartete Übernahme-Welle im europäischen Finanz-Sektor verschoben?

Wenn auf das Niedrigzins-Umfeld und die wachsende Regulierung geschaut wird, was es den Banken und Versicherern in den vergangenen Jahren schwierig machte und voraussichtlich auch noch in den kommenden Jahren schwierig machen wird Gewinne zu erwirtschaften, dann gibt es eigentlich keinen Grund zu warten.

Auf der anderen Seite: Die gleichen schwierigen Voraussetzungen gelten seit Jahren.

Die großen Deals unter den börsennotierten Finanz-Konzernen blieben dennoch bis heute aus – und das, obwohl nicht wenige führende Spieler die Bilanzstärke für Deals hätten.

28. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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