Intuit: Softwarespezialist legt 7,1 Milliarden Dollar für Fintech-Startup auf den Tisch

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Das US-Softwareunternehmen Intuit stellt die Weichen für die Zukunft und tätigt die größte Übernahme der Firmengeschichte. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Das Übernahmekarussell dreht sich munter weiter. Vor allem im Finanz- und Softwarebereich geht es momentan richtig zur Sache. Erst im letzten Monat schluckte der Kreditkartenriese Visa das Fintech Plaid für 5,3 Milliarden Dollar. Jetzt schlägt der US-Konzern Intuit zu. Die Firma, bekannt für ihre Buchführungs, – Steuererklärungs- und Finanzplanungssoftware, will für 7,1 Milliarden Dollar das Fintech-Startup Credit Karma übernehmen.

Wer hinter Intuit steckt

Bevor ich zur Übernahme komme, ein paar Takte zum Geschäftsmodell des Käufers: Intuit bietet verschiedene Finanzsoftware an, um den Nutzern eine Vielzahl komplexer Vorgänge rund ums Thema Finanzen zu erleichtern. Zu den Kunden gehören unter anderem Kleinunternehmen, Rechnungslegungsexperten und Finanzdienstleister.

Die wichtigsten Produktlinien sind QuickBooks, TurboTax und Quicken – diese unterstützen sowohl private Einzelpersonen als auch Firmen und Finanzexperten bei alltäglichen Anforderungen wie Rechnungen bezahlen, Guthaben überprüfen, Gehaltslisten erstellen oder Steuerprüfung. Für Rechnungsleger werden zusätzlich die Steuerprogramme ProSeries und Lacerte angeboten. Die Produkte werden unter anderem in den USA, Kanada, Großbritannien und Indien vertrieben. Einige Leistungen können auch mobil über Smartphones und Tablets abgerufen werden.

Finanztechnologie für Verbraucher im Visier

Mit dem 7,1 Milliarden Dollar schweren Zukauf will Intuit tiefer in die Welt der Finanztechnologie für Verbraucher vordringen. Das Objekt der Begierde ist Credit Karma. Die Firma wurde 2007 gegründet und bietet Verbrauchern eine kostenlose Überwachung der Kreditwürdigkeit. Credit Karma hat mehr als 100 Millionen registrierte Nutzer, davon rund 37 Millionen monatlich aktive User (MAUs). Nutzer können auf der Plattform ihre Kreditwürdigkeit checken und Kreditkarten erwerben sowie auch Kredite in Anspruch nehmen.

Credit Karma kratzt an der Milliarden-Marke

Geld verdient das Unternehmen, indem es Finanzprodukte wie Kreditkarten und Kredite auf der Grundlage der Finanzdaten dieser Verbraucher empfiehlt und eine Provision auf alle Verkäufe erhält. Laut informierten Kreisen gingen in 2019 Umsätze von beinahe 1 Milliarde Dollar bei Credit Karma durch die Bücher. Das entspricht einem Wachstum von 20% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mit der Übernahme erhöht sich das Geschäftsvolumen von Intuit beträchtlich. Gemeinsam kommen beide Firmen auf einen Jahresumsatz von über 7,7 Milliarden Dollar.

Zu den Investoren bei Credit Karma zählen Silver Lake, Tiger Global und Capital G. Das Unternehmen soll unter dem Dach von Intuit weiterhin selbstständig bleiben und vom Mitgründer und Vorstand Kenneth Lin geleitet werden.

Finanzplattform in Planung

Nach dem Zukauf will Intuit mit den Daten von Credit Karma einen digitalen personalisierten Finanzassistenten ins Leben rufen. Mit der Plattform will die Gesellschaft den Nutzern Zugang zu ihren persönlichen Finanzdaten wie Einkommen und Kreditgeschichte sowie Informationen über Finanzprodukte und andere Ratschläge bieten.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden soll der Deal von Intuit und Credit Karma voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 abgeschlossen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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