Inverse Zinskurve ist kein Grund zur Panik

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

Die inverse Zinskurve verstärkt die Rezessionsängste bei den Anlegern. Warum es dennoch keinen Grund zur Panik gibt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Vergangene Woche habe ich Ihnen darüber berichtet, dass die Stimmung unter den Anlegern aktuell so schlecht ist wie zuletzt um den Jahreswechsel, kurz bevor die Erholungsrally startete.

Neben der jüngsten Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China verunsichert vor allem die Angst vor einer Rezession die Börsianer. Ein Auslöser für diese Angst ist die sogenannte “inverse Zinskurve”. Was es damit auf sich hat und warum dies kein Grund ist, in Panik zu verfallen, will ich Ihnen heute erläutern.

Inverse Zinskurve ist ein Warnsignal

Von einer inversen Zinskurve spricht man, wenn die kurzfristigen Zinsen höher sind als die langfristigen. Genau das ist aktuell der Fall: Zweijährige US-Staatsanleihen werfen derzeit höhere Renditen ab als Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren.

Das ist ungewöhnlich und wird von Börsianern dahingehend interpretiert, dass die Wirtschaft aktuell in einer besseren Lage ist, als sie es künftig sein wird. Die inverse Zinskurve verschärft die Angst unter den Anlegern vor einer möglicherweise drohenden Rezession.

Völlig unbegründet ist dieser Gedanke nicht. Denn tatsächlich war eine inverse Zinskurve in der Vergangenheit häufig Vorbote für eine Rezession. Um genau zu sein, ging jeder Rezession auch eine inverse Zinskurve voraus. Allerdings sollten Sie eines nicht vergessen: Nicht jedes Mal, wenn es zu einer inversen Zinskurve kam, folgte danach auch eine Rezession.

Panik ist nicht angebracht

Panik ist daher nicht angebracht. Auch aus einem anderen Grund: Kam es in der Vergangenheit zu einer Rezession, ging stets noch einige Zeit ins Land. Zuletzt gab es eine inverse Zinskurve im Jahr 2005. In der Folge kletterten die Aktienmärkte noch mehr als zwei Jahre fröhlich weiter. Erst im Herbst 2008 nahm die Finanzkrise mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers ihren Lauf.

Kam es nach dem Auftreten einer inversen Zinskurve in der Vergangenheit zu einer Rezession, vergingen im Schnitt 21 Monate, bis es soweit war. Sie sehen, die inverse Zinskurve ist durchaus ein Warnsignal. Ein Grund, jetzt panisch alle Aktien aus dem Depot zu werfen, ist sie ganz sicher nicht.

Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt

Das Risiko einer Rezession ist nicht von der Hand zu weisen. Ob es wirklich dazu kommt, ist aber keineswegs sicher. Auch deshalb, weil die Notenbanken “Gewehr bei Fuß” stehen. Die US-Notenbank Fed hat ihre erste Zinssenkung bereits verkündet, weitere könnten bald folgen. 2006 hingegen überhörten die Zentralbanken die Warnsignale und erhöhten die Zinsen munter weiter. Die Folge war die Finanzkrise.

Warnsignale zu erkennen, ist wichtig. Ich persönlich schaue vor allem auf die Signale, die mir der Aktienmarkt selbst liefert. Und die sehen nach wie vor nicht so schlecht aus. Der DAX hat zuletzt zwar ein wenig gewackelt, an der Wall Street ist der Aufwärtstrend aber weiterhin nicht in Gefahr.

Noch eines sollten Sie wissen: In den zwölf Monaten nach dem ersten Auftreten einer inversen Zinskurve legte der S&P 500 in der Vergangenheit im Schnitt um 14% zu. Zumindest bisher gibt es also keinen Grund, dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren.

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

EU-Gipfel: Brüssel schachert um MilliardenhilfenDie Verhandlungen in Brüssel ziehen sich in die Länge. Mehr denn je kommt es jetzt auf die beiden Moderatoren an: Merkel und Macron. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Michael Kelnberger. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz