INVEST 2011: Heiße Diskussion um Inflation und Deflation

Viele Besucher drängten sich auf der INVEST 2011 bei der Diskussion zwischen Rolf Morrien und Günter Hannich über "Inflation oder Deflation" (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Liebe Leser,

die gute Nachrichte gleich zu Beginn: das Thema Finanzen gewinnt wieder an Bedeutung. Das ist ein Fazit der INVEST 2001. Die wichtigste deutsche Finanzmesse fand an diesem Wochenende in Stuttgart statt.

Mit rund 15.700 Besuchern kamen immerhin 7% mehr Besucher zu der Veranstaltung auf dem neuen Stuttgarter Messegelände direkt am Flughafen als noch vor einem Jahr.

An den drei Messetagen gab es rund 350 verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema Geldanlage. Auch am Gevestor Messestand herrschte am Freitag und Samstag während des Vortragsprogramms fast den ganzen Tag dichtes Gedränge.

Ein besonders großer Anziehungspunkt war auch in diesem Jahr wieder das Börsenduell zwischen Günter Hannich und Rolf Morrien.

Unter dem plakativen Titel: „Inflation oder Deflation – Gefahr oder Panikmache“ diskutierten die beiden Experten teilweise hitzig. Als Moderator der Diskussion hatte ich sogar die Möglichkeit, mich einige Minuten zurückzulehnen und nur noch den Argumenten der beiden Experten zu lauschen.

Daran sehen Sie schon: das Thema Inflation oder Deflation erhitzt die Gemüter. Grundsätzlich fanden beide Experten Argumente für ihre Positionen. Doch Günter Hannich als Deflationsexperte hatte es deutlich schwerer, die Zuhörer zu überzeugen.

Gefahren einer Deflation 2011 kaum wahrgenommen

Es ist nun einmal so, dass in der Öffentlichkeit eben verstärkt die Gefahr einer ansteigenden Inflation aufgezeigt wird. Die Gefahren der Deflation werden dagegen kaum wahrgenommen. „Eine Inflation ist relativ leicht zu überstehen, die wirkliche Gefahr geht von einer Defaltion aus“, sagte Günter Hannich.

Seiner Einschätzung nach würde die Aussicht auf stetig weiter sinkende Preise den Konsum stark bremsen. Zudem bietet die Deflation und die daraus folgende Verarmung der Bevölkerung weiteres Konfliktpotenzial. „Das haben wir bei der Deflation in den 1930er Jahren gesehen, die den 2. Weltkrieg zur Folge hatte.“

US-Politik sorgt für Inflation 2011

Rolf Morrien vertrat hier eine ganz andere Position. Seiner Einschätzung nach sorgt die aktuelle Politik der US-Notenbank ganz klar für inflationäre Tendenzen. „Aktuell kauft die Fed rund 60% der neuen US-Staatsanleihen auf – das ist keine gesunde Entwicklung“, erklärte Rolf Morrien.

Auch Japan-Krise Thema für Inflation und Deflation

Wie eigentlich bei allen Diskussion im Laufe des Wochenende spielte auch das Thema Japan-Krise eine Rolle. Doch bei dieser Diskussion ging es weniger um die direkten Folgen für die Aktienmärkte.

EZB erhöht das Tempo bei den AnleihekäufenWährend die US-Notenbank Fed geldpolitisch langsam auf die Bremse treten will, könnte die EZB ihre Schleusen sogar noch weiter öffnen. › mehr lesen

Sowohl Hannich als auch Morrien malten ein düsteres Bild zur weiteren Zukunft Japans. So wird das Land wohl bis zu 200 Mrd. Dollar für den Wiederaufbau der ersten Schäden benötigen.

Doch wer soll Japan dieses Geld leihen? Bislang noch haben die Japaner selbst massiv die Staatsanleihen gekauft. Doch das dürfte sich auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Lage bald ändern. Zudem beträgt aber jetzt schon die Schuldenlast Japans rund 200% des Bruttoinlandsprodukts.

Momentan erhält man für eine 10-jährige japanische Staatsanleihe eine Rendite von gerade einmal 1,2%. „Mit diesen Zinsen kann man keine ausländischen Investoren anlocken“, stellte Rolf Morrien fest.

Keine Lösung für japanisches Schuldenproblem

Wenn aber die Zinsen in Japan steigen, sorgt das für eine nicht mehr tragbare Steigerung der Zinsbelastung für den japanischen Staat. Rolf Morrien brachte es ganz klar auf den Punkt: „Ich sehen für das japanische Schuldenproblem derzeit keine Lösung. Das Land wird immer weiter in den Schulden versinken.“

INVEST 2011 bei GeVestor.tv

Zwar waren viele Gevestor-Leser in Stuttgart vor Ort. Aber für alle die Leser, die den Weg zur Messe nicht angetreten waren, haben wir einen besonderen Service: Ab Ende dieser Woche werden wir auf GeVestor.tv alle Vorträge und Diskussionen der Messe als Videos einstellen. Damit bekommen Sie auch einen Eindruck von der Atmosphäre der diesjährigen Messe.

Aber auch in vielen Gesprächen mit Kollegen erhielt ich ein insgesamt positives Bild. Bei meinem Optimismus für Edelmetalle stieß ich jedoch beim bekannten Börsenexperten Heiko Thieme auf Ablehnung.

Mein Preisziel von 2012 Dollar im Jahr 2012 für eine Feinunze hielt er dann doch für völlig übertrieben. Leider wurden wir gerade unterbrochen, als es darum ging, die unterschiedlichen Auffassungen in einer Wette zusammenzufassen.

INVEST 2012 deutlich später

Das werde ich aber nach der Messe auf jeden Fall noch nachholen. Die Laufzeit der Wette ist eigentlich schon klar: Bis zur INVEST 2012. Das dauert noch etwas, denn im nächsten Jahr findet die INVEST wieder deutlich später statt und zwar exakt vom Freitag, den 27., bis zum Sonntag, den 29. April 2012.

Bis morgen,

Heiko Böhmer

Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.