Investieren in den Werkstoff der Zukunft?

Graphit bzw. Carbon ist ein interessanter Werkstoff, der durch seine hohe Stabilität bei gleichzeitiger Leichtigkeit glänzt. In den vergangenen Jahren wurde das Thema Graphit immer wieder hochgekocht. Da war neben leichten Autos unter anderem von Hightech-Produkten im Miniaturformat die Rede.

So wirklich angekommen ist von diesem Hype wohl nur bei einigen wenigen Investoren etwas. Der Rest blickt auf sein Carbon-Investment wohl eher missmutig zurück. So auch Aktionäre von SGL Carbon. SGL Carbon ist einer der weltweit größten Anbieter von Graphit- und Kohlenstofferzeugnissen.

Das Unternehmen fertigt hauptsächlich Graphitelektroden für die Stahlerzeugung sowie Kohlenstoffelektroden für den Einsatz in anderen Schmelzprozessen (Siliziummetall, Phosphor). Weitere Geschäftsfelder sind Spezialgraphite und Technologies (Karbonfasern, Verbundwerkstoffe für industrielle Anwendungen).

Rotstift wird auch 2015 eine große Rolle spielen

SGL befindet sich weiterhin in einem Sanierungsprozess und musste in den ersten 9 Monaten einen Umsatzrückgang von 9,9% verkraften. Das Geschäft läuft nicht mehr und ist unprofitabel.

Die schwächelnde Nachfrage im Rotorblattgeschäft für Windenergieanlagen und die hohen Sonderausgaben belasteten das Zahlenwerk. Die operative Marge hat sich mehr als halbiert. SGL hat es nicht geschafft aus der Verlustzone auszubrechen.

Allerdings konnten die Verluste etwas eingedämmt werden. Grund dafür waren die geringeren Sonderabschreibungen und eine verbesserte Organisationsstruktur.

SGL wird im Geschäftsjahr 2015 noch öfter zum Rotstift greifen müssen. Es wurde angekündigt, dass radikale Umbaumaßnahmen durchgeführt werden sollen. Für Januar sind schon eine Verschlankung der Führungsstrukturen, eine Zusammenfassung der bestehenden Geschäftsfelder und eine Zentralisierung der Verwaltungsaufgaben geplant.

Auch bei der Forschung und Entwicklung soll es Veränderungen geben. Genaueres wurde aber noch nicht bekannt gegeben. Der wichtigste Schritt ist aber die Trennung vom verlustreichen Rotorblattgeschäft.

Kleinere Wachstumsimpulse erhofft sich der Konzern dagegen von der Kooperation mit dem Automobilhersteller BMW. Bei dem neuen Elektroauto „BMW i3“ werden wegen der Leichtbauweise hauptsächlich die modernen Carbonfasern verwendet.

Aufgrund der schwindenden Marktmacht wird SGL aber keine guten Verkaufskonditionen durchgesetzt haben. Hinzu kommt, dass Elektroautos noch immer nicht den Durchbruch geschafft haben. Auch gibt es zunehmend Anbieter, die auf Carbonfasern verzichten, was sich positiv auf den Preis niederschlägt.

BMW-Kooperation: Nur fürs Image gut

Da SGL Carbon zudem keine Dividende bietet und der Kurs zuletzt ziemlich unter die Räder gekommen ist, hilft auch die Kooperation mit BMW wenig. Dies sorgt zwar dafür, dass das Image von SGL poliert wird, schlägt sich aber nicht merklich auf die Zahlen nieder.

Die Aktie ist aus diesen Gründen kein Kauf. Auf Sicht von 6 bis 12 Monaten erwarten wir eine weit unterdurchschnittliche Kursentwicklung.

17. Februar 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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