Ionis: Spekulativer Biotech-Revolutionär

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Die Aktie von Ionis Pharmaceuticals hat zuletzt einen Rückschlag hinnehmen müssen. Spekulative Anleger sollten hier genauer hinschauen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der medizinische Fortschritt bewegt sich derzeit im Eiltempo. Nie zuvor wurden so rasante Fortschritte in zahlreichen Bereichen gemacht wie heute. Das macht die Branche aus Anlegersicht hochinteressant.

Heute möchte ich Ihnen eine hierzulande kaum bekannte US-Biotech-Aktie vorstellen, die eigentlich alles hat, was es für den Erfolg braucht. Allerdings hat zuletzt neue Konkurrenz für Verstimmung unter den Anlegern gesorgt.

Unternehmensportrait

Das US-Biotech-Unternehmen Ionis Pharmaceuticals ist Marktführer für Gentherapien mittels sogenannter Antisense-Technologie. Dabei geht es darum, den Einfluss defekter Gene durch das Einfügen von RNA-Nukleinsäuren auszuschalten, indem die Ablesung der Erbinformation bzw. die Umsetzung dieser Information verhindert wird.

Für 2 Gentherapien hat Ionis bereits die Zulassung erhalten. Die Forschungspipeline ist zudem mit über 40 Wirkstoffkandidaten prall gefüllt, die zusammen mit namhaften Partnern wie Biogen, Novartis, Roche und AstraZeneca entwickelt werden.

Den Hauptteil seiner Einnahmen erzielt Ionis Pharmaceuticals immer noch mit Forschungs-leistungen für seine Kooperationspartner. Dazu zählen sogenannte Upfront-Zahlungen bei Beginn einer Kooperation, Meilensteinzahlungen bei Erreichen wichtiger (Zwischen-)Ziele sowie Lizenzeinnahmen für die Nutzung von Ionis Wirkstoffen in der Forschung.

Gentherapie Spinraza gewinnt an Bedeutung

Immer größeren Anteil am Umsatz gewinnt das Medikament Spinraza – von Ionis in Zusammenarbeit mit dem Biotech-Giganten Biogen entwickelt. 2016 erhielt Spinraza die Zulassung zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA). Bei SMA handelt es sich um eine schwere erbliche Erkrankung der Nervenzellen, die alle Muskeln im Körper beeinträchtigt. SMA ist die häufigste genetisch bedingte Todesursache bei Kleinkindern und Säuglingen. Im Jahr 2018 erhielt Ionis Pharmaceuticals von Biogen Lizenzgebühren in Höhe von 237 Mio. US-Dollar, dies entspricht knapp 40% des Jahresumsatzes von Ionis Pharmaceuticals.

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Konkurrenz für Spinraza versetzt Aktie einen Rückschlag

Von ihrem Höchststand im April 2019 bei 86 US-Dollar hat die Ionis-Aktie rund ein Viertel auf 65 US-Dollar eingebüßt. Der Hauptgrund dafür liegt an einem Konkurrenzprodukt für Spinraza: Im Mai hat Novartis die Zulassung für Zolgensma erhalten. Nun zweifeln einige Anleger an der Fortsetzung des Wachstums bei Ionis.

Kursrückschlag erscheint übertrieben

Aus meiner Sicht fällt der Kursabschlag für die Ionis-Aktie allerdings übertrieben aus. Denn erstens wurde Zolgensma nur für die Behandlung von Kindern unter 2 Jahren zugelassen, bei höheren Altersstufen bleibt Spinraza konkurrenzlos. Zweitens wird es einige Zeit in Anspruch nehmen, bis Zolgensma zur ernstzunehmenden Alternative wird, bislang ist die Zulassung nur für den US-Markt erfolgt. Und drittens werden beide Medikamente den Wachstumsmarkt letztlich unter sich aufteilen, da wird für Spinraza ein genügend großes Stück vom Kuchen übrig bleiben.

Für spekulative Anleger einen Blick wert

Auch wenn Spinraza durch das Konkurrenzprodukt in den nächsten Jahren wohl Abstriche bei den bislang sehr hohen Wachstumsraten wird machen müssen, halte ich den Effekt auf den Gesamtumsatz von Ionis für geringer als es die schwache Kursentwicklung in den vergangenen Monaten suggeriert.

Aus der starken Forschungspipeline sind in den nächsten Jahren weitere Zulassungen zu erwarten, die – zusammen mit dem gerade erst zugelassenen 2. Medikament – das geringere Wachstum bei Spinraza mehr als kompensieren dürften.

Für risikobewusste Investoren, die auf der Suche nach einer spekulativen Depotbeimischung mit erheblichen Kurschancen sind, ist die Aktie von Ionis daher einen näheren Blick wert – vor allem dank der starken Forschungspipeline.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.