IPG Photonics-Aktie: Aktie des Laserspezialisten nach Gewinnwarnung im Rückwärtsgang

IPG Photonics-Aktie: Laserspezialist nach Gewinnwarnung im Rückwärtsgang. Kunden zeigen sich zurückhaltend und sorgen für Nachfrageknick (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die IPG Photonics-Aktie war einer der Anlegerlieblinge der vergangenen Jahre. Immerhin kletterten die Papiere des Laserspezialisten von unter 60 Dollar in 2014 bis auf 263 Dollar im Februar 2018. Doch seither stockt es im Getriebe. Am zurückliegenden Freitag sackte die Aktie mit einem Tagesverlust von 13,8% bis auf 132 Dollar in den Keller. Damit wurden die Kursgewinne der letzten zweieinhalb Jahre ausradiert.

Der Grund lag in den gekappten Jahreszielen des Konzerns, was vor allem auf Zurückhaltung der Kunden auf Grund des schwelenden Handelskonflikts zurückzuführen ist.

Lasermarkt im Umbruch

Wenn Sie an Laser denken, kommen Ihnen wahrscheinlich zuerst Science-Fiction-Filme wie Star Wars in den Sinn. Doch Laser sind zu äußerst praktischen Werkzeugen für den industriellen Einsatz geworden, mit denen die Herstellkosten drastisch reduziert werden können. Der Lasermarkt ist rund 4,8 Mrd. USD groß und soll über die nächsten drei Jahre auf 6,751 Mrd. USD anschwellen.

Faserlaser setzen sich immer stärker durch

Ein stark wachsender Teil des Lasermarktes ist die Herstellung von Faserlasern, mit der sich IPG Photonics beschäftigt. Diese gehören zur Kategorie der Festkörperlaser. Dabei wird der Laserstrahl durch Glasfasern verstärkt. Wesentliche Vorteile sind die hohe Intensität (100fach höher als CO2-Laser) bei gleicher Leistung, der hohe Grad der Wartungsfreiheit, exzellente Strahlqualität, elektrisch optische Wirkungsgrade von über 25% sowie eine lange Lebensdauer. Entsprechend kommen Faserlaser bei der Materialbearbeitung zum Einsatz.

Durch ihr wachsendes Einsatzfeld werden traditionelle Techniken abgelöst. Beispielsweise übernehmen Laser immer häufiger das Trennen, Bohren und Fräsen, weil sie eine viel höhere Präzision, Produktivität und Schnelligkeit aufweisen.

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Marktführer mit hohen Margen

Die zunehmende Automatisierung hatte bei IPG Photonics in den zurückliegenden Jahren für kräftigen Rückenwind gesorgt. So kletterten die Umsätze seit 2002 von 22 Millionen Dollar auf zuletzt 1,4 Milliarde Dollar (2017). Zugleich wurde aus einem Verlust von 49 Millionen Dollar ein Gewinn in Höhe von 348 Millionen Dollar. Das entsprach zuletzt einer Gewinnspanne von 24,67%. Damit liegt die wichtige Gewinnmarge seit nunmehr sieben Jahren über der 24%-Marke.

Gewinnwarnung verschreckt die Anleger

Doch jetzt hat der Konzern seine Erwartungen für das dritte Quartal aktualisiert und die Ziele nach unten angepasst. Das Unternehmen erwartet nun einen Umsatz von nur 355 bis 356 Millionen US-Dollar. Für Sie zum Vergleich: Bislang war der Technologiekonzern noch von einem Umsatz zwischen 360 und 390 Millionen US-Dollar ausgegangen.

Der Gewinn liegt nun bei 1,85 US-Dollar pro Aktie, plus oder minus zwei Cent, verglichen mit einer früheren Prognose von 1,80 bis 2,05 US-Dollar pro Aktie. Allerdings müssen Sie beachten, dass hierin ein Steuervorteil von 0,15 US-Dollar pro Aktie enthalten ist, der angepasste Gewinn also bei 1,70 US-Dollar je Anteilsschein liegt.

Fazit: Die Gewinnwarnung hat die Anleger überrascht. Für das Gesamtjahr könnte das Umsatzwachstum nun unter die zuletzt avisierte Spanne von 7 bis 9% fallen. Eine deutliche Verlangsamung gegenüber den Zuwachsraten von 40% im Vorjahr. Zeitgleich dürfte es zumindest zu einem vorrübergehenden Gewinnrückgang kommen. Für die Zukunft entscheidend ist jedoch, ob es sich nur um eine Abschwächung für ein oder zwei Quartale handelt.

Hierfür spricht der starke säkulare Trendwechsel hin zur Faserlasertechnologie, da sich die Hersteller von traditionellen Lasern zurückziehen. Zugleich zeigt sich die Bilanz des Marktführers mit einem Cash Bestand von 20 Dollar je Aktie sehr solide. Nach dem Kurseinbruch handelt die Aktie mit dem 18-Fachen der diesjährigen erwarteten Gewinne. Die Anleger haben also den Daumen gesenkt und die Aktie kräftig abverkauft, was mittelfristig für positive Überraschungen sorgen könnte.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.