iRobot-Aktie: Saugroboter-Hersteller fackelt Kursfeuerwerk ab

Eine News-Fontäne sorgt beim Roboter-Hersteller iRobot für ein sattes Kurs-Plus. In diesem Beitrag verrät Ihnen Rene König alle Einzelheiten: (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Das hätte sich der Short-Seller Spruce Point wohl auch anders ausgemalt. Erst Ende Juni sorgte der auf fallende Kurse spekulierende Investor aus den USA für Unruhe in der Aktie.

Zunehmender Wettbewerb, ein intransparentes Zahlenwerk und die sportliche Bewertung der Aktie sollten zu einem Kursverfall führen.

Schon früher sorgte Spruce Point mit einem Kursziel von 20 – 25 Dollar für die iRobot-Aktie für Aufsehen.

Die Short-Attacke war gut getimed. Denn seit Jahresanfang hatte die Aktie bis Ende Juni alleine 75% an Wert zugelegt und ist bis auf über 100 Dollar geklettert.

Mit der Short-Attacke verlor die Aktie rund 25% an Wert. Allerdings wurde der Kursverlust mit dem jüngsten Nachrichtenfluss wieder komplett aufgeholt.

iRobot im Porträt

Über die Jahre hat sich der Technologie-Konzern ein breites Produkt-Portfolio im Bereich der Haushalts-Roboter aufgebaut.

Den Großteil der Umsätze (über 80%) stammen vom Saugroboter Roomba. Der Rest wird mit komplementären Produkten erwirtschaftet.

Im Programm befinden sich u. a.:

  • der Wischroboter Scooba (zum Nasswischen),
  • der Kehrroboter Braava
  • sowie Roboter zum Reinigen von Schwimmbädern und Abflussrinnen.

Die Marktposition mit einem Marktanteil von z. T. über 60% in einzelnen Märkten wie den USA ist durchaus beeindruckend.

Wie stark die Firma gewachsen ist, zeigt Ihnen ein Blick in die Bilanzen des Konzerns:

Seit 2002 kletterten die Erlöse von 14,8 auf 660,6 Mio. Dollar im vergangenen Geschäftsjahr.

Zugleich drehte der lupenreine Roboter-Hersteller einen Verlust in einen Gewinn in Höhe von 41,9 Mio. Dollar.

Quartalszahlen schlagen Analysten-Erwartungen um Längen

Die jüngste Kurs-Explosion von über 20% in der vergangenen Woche war dem vorgelegten Zahlenwerk geschuldet, denn dies war schlichtweg exzellent:

Der Umsatz verbesserte sich auf 183 Mio. Dollar, was einem Zuwachs von 23% entspricht.

Für Sie zum Vergleich: Die Analysten waren im Vorfeld nur von 174 Mio. Dollar ausgegangen.

Noch stärker ist allerdings die Diskrepanz bei der Gewinn-Entwicklung:

Der Quartals-Gewinn von 27 Cent je Aktie lag meilenweit über den Erwartungen. Die Experten rechneten nämlich mit einem Verlust von 28 Cent je Anteilsschein.

Prognose wird angehoben

Auch für die Zukunft zeigt sich die Konzernführung ausgesprochen zuversichtlich. So hebt der Saugroboter-Spezialist seine Jahres-Planung deutlich an:

Statt wie bisher 780 – 790 Mio. Dollar Jahres-Umsatz peilt der US-Konzern jetzt Erlöse von 815 – 825 Mio. Dollar (ohne Zukäufe) an.

Beim Gewinn je Aktie rechnet das Unternehmen jetzt mit 1,80 bis 2 Dollar je Aktie.

Positiv läuft v. a. auch der Online-Absatz; so konnte iRobot am Prime Day bei Amazon den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln.

Übernahme soll Präsenz in Europa stärken

Zugleich setzt iRobot auf weitere Expansion: Mit der Übernahme der Roboter-Vertriebsfirma Robopolis für 141 Mio. Dollar möchte man seine Präsenz in Europa ausbauen.

Softbank kauft Aktien und sorgt für Phantasie

Der Zukauf und die Quartalszahlen waren aber nicht die einzigen positiven Nachrichten.

Denn zeitglich wurde auch gemeldet, dass der japanische Technologie-Riese Softbank ein Aktienpaket von knapp 5% erworben hat – ein Ritterschlag für den Roboter-Hersteller.

Softbank gilt als ausgesprochener Technologie-Experte und baut zunehmend seine internationalen Robotik-Aktivitäten aus.

Aktie heiß gelaufen; anfällig für Rückschläge

Ohne Frage: Die aktuellen Nachrichten sind allesamt positiv und zeigen, dass iRobot auf dem richtigen Weg ist.

Allerdings ist die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) jenseits der 50 alles andere als günstig.

Zugleich können Sie davon ausgehen, dass die Konkurrenz-Situation und der Preisdruck auf die gewinnträchtigen Roboter deutlich zunehmen werden.

Sollte der Konzern dem hohen Erwartungsdruck der Anleger nicht mehr gerecht werden, können sich schnell wieder tiefere Kurse einstellen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.