Isra Vision-Aktie: Automatisierungsspezialist weiter auf der Überholspur

Der Automatisierungsspezialist Isra Vision ist noch auf der Überholspur - die Unfallgefahr steigt aber deutlich an. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Wer in den vergangenen Jahren auf die Aktie des Darmstädter Softwarespezialisten Isra Vision setzt, konnte wenig falsch machen. Abgesehen von kleineren Rücksetzern kannten die Papiere nur einen Weg – steil nach oben. Auf Zwölfmonatssicht liegen die Gewinne bei satten 70%, auf Fünfjahressicht beträgt der Wertzuwachs sogar über 600%.

Nach den gerade vorgelegten Quartalszahlen schoss die Aktie nochmals kräftig in die Höhe und markierte bei knapp über 60 Dollar ihr vorläufiges Rekordhoch. Danach gingen die Papiere in den Konsolidierungsmodus und beendeten die Woche mit 48,15 Euro deutlich unter den erreichten Höchstkursen.

Hessischer Weltmarktführer für Oberflächeninspektion und Bildverarbeitung

Falls Sie den gründergeführten Softwarekonzern aus Darmstadt noch nicht kennen: Isra Vision ist führend in der Entwicklung und Produktion von Oberflächen-Inspektions-Systemen und Bildverarbeitungs-Programmen (Machine Vision) mit der Spezialisierung im Bereich 3D Vision, insbesondere für das 3D Roboter-Sehen.

Als eine Kernkompetenz entwickelt und vertreibt die Gesellschaft eine Software für die visuelle Überwachung von Arbeits-Prozessen. Einsatz findet diese in sogenannten Machine-Vision-Systemen. Diese ermöglichen das 3-dimensional sehende elektronische Auge, d. h. die digitale Bildverarbeitung in der Steuerung von automatisierten Produktions-Prozessen.

Robuste Wachstumsraten und stabile Gewinnmargen

Warum die Anleger sich begeistert von Isra Vision gezeigt haben, liegt auf der Hand. Die Technologiefirma hat sich erfolgreich in einer ertragsstarken Nische etabliert. Die Zahlen können sich durchaus sehen lassen: In den vergangenen 11 Jahren kletterten die Umsätze von 58,6 auf zuletzt 143 Millionen Euro.

Alleine im zurückliegenden Geschäftsjahr stiegen die Erlöse um 11%. Besonders beeindruckend fiel allerdings die Gewinnentwicklung aus. Im gleichen Zeitraum verbesserte sich der Gewinn nämlich um mehr als 170% auf 17,9 Millionen Euro. Mit einer Gewinnmarge von 13,63% erzielten die Darmstädter im letzten Geschäftsjahr das erfolgreichste Jahr der kompletten Firmengeschichte.

ISRA VISION SYSTEMS: Der Spezialist für sehende MaschinenDer Markt für Bildverarbeitungssysteme wächst jährliche mit über 10%. Kaum ein deutscher Markt im Industriesektor kann derartige Wachstumsraten aufweisen. › mehr lesen

Starke Zahlen und Aufnahme in den SDAX

Zuletzt hielt die Wachstumsdynamik weiter an. Isra Vision profitiert weiter vom Automatisierungsboom der Industrie und hat kräftigen Rückenwind. Während der Umsatz nach neun Monaten um 10% auf 103 Millionen Euro nach oben kletterte, verbesserte sich der Vorsteuergewinn auf 20,5 Millionen Euro (+13% zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum).

Unter dem Strich verdiente das Unternehmen, das unter anderem elektronische Roboteraugen und sogenannte “sehende Systeme” herstellt, 14,5 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg Plus von 16% im Vergleich zum Vorjahr.

Prognose unverändert

Trotz der starken Ergebnisse hält Firmenboss Enis Ersü vorerst „nur“ an seiner Prognose fest. Für das Gesamtjahr erwartet Isra Vision einen Umsatz in Höhe von deutlich über 150 Millionen Euro. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr flossen 143 Millionen Euro durch die Bücher des Konzerns. Die Margen sollen mindestens stabil bleiben. Mittelfristig will der Konzern beim Umsatz die Marke von 200 Millionen Euro knacken – dies soll unter anderem mit weiteren Zukäufen erreicht werden. Eine Akquisition stehe laut Firmeninformationen kurz vor dem Abschluss.

Kurspotenzial vorerst ausgereizt

Auch wenn die Ergebnisse gewohnt solide waren, an der ursprünglichen Prognose der Darmstädter hat sich nichts geändert. Lediglich die Anleger sind heutzutage bereit, die Aktie auch zu höheren Bewertungskennzahlen zu kaufen. Trotz der jüngsten Korrektur von 20% sind die Papiere alles andere als günstig.

Bei einem Börsenwert von über 1 Milliarde Euro wird das Unternehmen mit mehr als dem 6-Fachen des erwarteten Umsatzes und mit mehr als dem 65-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Doch auch bei Isra Vision können die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wer auf diesem Niveau zuschlägt, muss sich des höheren Korrekturpotenzials jederzeit bewusst sein.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.