Isra Vision-Aktie: Warum die Aktie trotz guter Zahlen verliert

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Isra Vision ist solide wie ein Schweizer Uhrwerk und die Nettoverschuldung komplett abgebaut. Warum läuft es trotzdem nicht? (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Keine Frage. Die Entwicklung von Isra Vision ist eine lehrbuchmäßige Erfolgsgeschichte. Das gründergeführte Unternehmen hat sich auf eine profitable Nische in der Automatisierung spezialisiert und reitet seit Jahren auf der Erfolgswelle. Stetig steigende Umsätze bei stabilen hohen Margen und ein Hauch Übernahmephantasie waren der Cocktail für eine durchaus beeindruckende Kursentwicklung.

Immerhin explodierte der Aktienkurs regelrecht in den letzten Jahren. Sie müssen wissen: Im Frühling 2009 konnten Sie bei Isra Vision noch für unter 1 Euro je Aktie einsteigen. Heute müssen Investoren, trotz des jüngsten kleinen Kursknicks, mehr als 42 Euro je Anteilsschein berappen.

Isra Vision im Porträt

Isra Vision ist mit ihren Tochtergesellschaften führend in der Entwicklung und Produktion von Oberflächen-Inspektions-Systemen und Bildverarbeitungs-Programmen (Machine Vision) mit der Spezialisierung im Bereich 3D Vision, insbesondere für das 3D Roboter-Sehen.

Als eine Kernkompetenz entwickelt und vertreibt die Gesellschaft eine Software für die visuelle Überwachung von Arbeits-Prozessen. Einsatz findet diese in sogenannten Machine-Vision-Systemen.

Diese ermöglichen das 3-dimensional sehende elektronische Auge, d. h. die digitale Bildverarbeitung in der Steuerung von automatisierten Produktions-Prozessen. Den Schwerpunkt bilden dabei Automations-Lösungen für die Roboter-Führung (Industrial Automation). Die Zielmärkte sind die folgenden: Energie, Healthcare, Nahrung, Mobilität und Information.

Isra Vision solide wie ein Schweizer Uhrwerk

Im ersten Halbjahr 2017/2018 hielt die solide Wachstumsdynamik weiter an. Der Spezialist für Oberflächeninspektion mit industrieller Bildbearbeitung steigerte seine Erlöse auf 64,7 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs von 10%. Die Sparte „Surface Vision“ legte um 7% zu. Im Segment Industrial Automation war das Wachstum außerordentlich stark.

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In diesem Segment bedient das Unternehmen eine breite Palette von internationalen Premium-Automobilherstellern und globalen Branchenführern aus anderen Branchen. Die wachsende Nachfrage nach den einfach zu installierenden Robot Vision-Lösungen und der Abschluss eines Großauftrages für 3D-Präzisionsmesstechnik zur Smartphone-Qualitätssicherung haben das Wachstum angetrieben.

Noch etwas stärker legte der Gewinn auf 9 Millionen Euro zu (+14%). Besonders beeindruckend: Durch den starken Cash-Flow haben die Darmstädter mittlerweile ihre Verschuldung komplett abgebaut. Mittlerweile hat Isra Vision sogar eine Nettoliquidität von beinahe 4 Millionen Euro.

Firmenchef weiter auf Brautschau

Einen zusätzlichen Wachstumsschub soll es durch Übernahmen geben. So zumindest der Plan des Firmengründers, Vorstands und Großaktionärs Enis Ersü. Stolze sieben Zukäufe prüft der Darmstädter Robotikspezialist im Moment. Besonders die Expansion in Südostasien und Osteuropa steht auf dem Programm. Wie bei Vorlage der Halbjahreszahlen bekannt wurde, scheint es bei einem Projekt sogar richtig vielversprechend aus.

Prognose bekräftigt

Bei der Prognose bleibt alles beim Alten. Firmenboss Ersü peilt weiter ein Umsatzwachstum von 10% auf über 150 Millionen Euro an. Gleichzeitig sollen die Gewinnmargen mindestens stabil bleiben. Auf mittlere Sicht hält der Konzernchef an seinem Umsatzziel von mindestens 200 Millionen Euro fest.

Fazit: Potenzial eingepreist

Die Zahlen von Isra Vision waren wie gewohnt grundsolide. Zugleich sorgt der hohe Auftragsbestand von 95 Millionen Euro für eine hohe Visibilität für den weiteren Jahresverlauf. Der Konzern wird auch weiterhin von der strukturellen Nachfrage nach Automatisierungslösungen profitieren. Stetiges Wachstum gepaart mit hohen Gewinnspannen haben den Kurs aber bereits extrem stark anspringen lassen. Mittlerweile liegt der Börsenwert bei rund 950 Millionen Euro und beträgt damit mehr als das 6-Fache des erwarteten Jahresumsatzes.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit rund 40 ebenso alles andere als günstig. An den Wachstumsraten des Konzerns hat sich nichts geändert – es haben sich lediglich die Bewertungsparameter ausgeweitet. Trotz der hohen Geschäftsqualität dürfte daher auf dem aktuellen Kursniveau die Zukunftsphantasie bereits eingepreist sein.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.