Isra Vision: Corona setzt langjähriger Erfolgsgeschichte vorübergehend einen Dämpfer

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Isra Vision: Corona-Krise sorgt für deutliche Bremsspuren und ungewohnte Wachstumsdelle. Großaktionär Atlas Copco bringt Squeeze Out auf die Zielgerade (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Das Timing der Übernahme des Darmstädter Technologieunternehmens Isra Vision durch den schwedischen Industrieausrüster Atlas Copco im Februar kam für die Anleger zur rechten Zeit. Im Februar liefen die Geschäfte von Isra Vision noch auf Hochtouren und die Schweden zahlten einen stolzen Preis. Für 1,1 Milliarden Euro schluckte Atlas Copco den hessischen Spezialisten für Machine-Vision-Syteme. Der Kaufpreis lag bei dem 33-fachen des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit) und damit gut 50% über dem Kurs vor Bekanntgabe des Deals.

Doch mittlerweile macht sich Ernüchterung breit. Dem ansonsten so erfolgsverwöhnten Isra Vision-Konzern bläst durch die Corona-Krise ein ungewohnt starker Gegenwind ins Gesicht. Dem Aktienkurs hat das allerdings nicht geschadet. Der Kurs der Papiere verharrt bei 50 Euro und liegt damit exakt auf dem Preis der Offerte. Nicht zuletzt der angekündigte Squeeze Out sollte für Unterstützung sorgen.

Hessischer Weltmarktführer für Oberflächeninspektion und Bildverarbeitung

Falls Sie den Softwarekonzern aus Darmstadt noch nicht kennen: Isra Vision ist führend in der Entwicklung und Produktion von Oberflächen-Inspektions-Systemen und Bildverarbeitungs-Programmen (Machine Vision) mit der Spezialisierung im Bereich 3D Vision, insbesondere für das 3D Roboter-Sehen.

Als eine Kernkompetenz entwickelt und vertreibt die Gesellschaft eine Software für die visuelle Überwachung von Arbeits-Prozessen. Einsatz findet diese in sogenannten Machine-Vision-Systemen. Diese ermöglichen das 3-dimensional sehende elektronische Auge, d. h. die digitale Bildverarbeitung in der Steuerung von automatisierten Produktions-Prozessen.

Robuste Wachstumsraten und stabile Gewinnmargen

Bis in das letzte Geschäftsjahr hinein konnten die Darmstädter auf eine eindrucksvolle Entwicklung zurückblicken. Die Technologiefirma hatte sich erfolgreich in einer ertragsstarken Nische etabliert. Die Zahlen können sich durchaus sehen lassen: Von 2009 bis 2019 kletterten die Umsätze von 58,6 auf zuletzt 152,5 Millionen Euro.

Besonders beeindruckend fiel allerdings die Gewinnentwicklung aus. Im gleichen Zeitraum verbesserte sich der Gewinn von 7 auf 22,6 Millionen Euro. Mit einer Gewinnmarge von 14,66% erzielten die Darmstädter im letzten Geschäftsjahr nach 2018 das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte.

Corona hinterlässt deutliche Bremsspuren

In diesem Jahr sieht die Lage allerdings anders aus. Gestern hat der Konzern seine Neunmonatszahlen präsentiert (Q3 endet am 30. Juni) und musste deutliche Einbußen verkraften: Der Umsatz schrumpfte um 19% auf 89,8 Millionen Euro zusammen. Zugleich schmolz die operative Gewinnmarge (Ebit) um 9 Prozentpunkte auf nunmehr 13% zusammen. Am Ende stand ein Vorsteuergewinn von 12 Millionen Euro in den Büchern. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es noch bei 24,6 Millionen Euro.

Nach wie vor grundsolide Bilanz

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 0,33 Euro je Aktie übrig, nach 0,76 Euro je Anteilschein im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Ein Blick auf die Bilanz ist aber unverändert beeindruckend: Die Eigenkapitalquote liegt bei 63%. Langfristige Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten suchen Sie vergebens.

Atlas Copco nimmt Squeeze Out in Angriff

Unterdessen hält Atlas Copco nach der Übernahme 92,19% aller Aktien. Zugleich planen die Schweden einen Squeeze Out (Ausschluss der Minderheitsaktionäre der Isra Vision gegen Gewährung einer angemessenen Barabfindung) und  die Verschmelzung der Gesellschaft auf die Atlas Copco Germany Holding AG. Die Höhe der Abfindung muss allerdings noch beschlossen werden.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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