Ist bei Aurelius eine zweistellige Dividendenrendite möglich?

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Aurelius mit hervorragendem Ausblick. Warum die Dividende deutlich höher ausfallen könnte, als von den meisten erwartet. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die gestern von der Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr haben durchweg überzeugt. Die Aktie hat daraufhin deutlich reagiert und kratzt nun wieder an der 40-Euro-Marke. Dabei gibt es weiteres Kurspotenzial, doch darüber später.

2018 ein Jahr der Akquisitionen

Zunächst ein Blick auf die veröffentlichten Finanzzahlen zum Geschäftsjahr 2018. Im vergangenen Jahr konnten Konzernumsätze von knapp 3,8 Mrd. Euro erzielt werden. Was auf den ersten Blick wie ein Rückgang aussieht – schließlich lagen die Erlöse 2017 noch bei 4,0 Mrd. Euro – relativiert sich beim Blick auf die annualisierten Konzernumsätze aus fortgeführten Geschäftsbereichen: Diese konnten im Jahresvergleich deutlich auf 3,8 von knapp 3,3 Mrd. Euro gesteigert werden.

Ursächlich für diese Steigerung waren nicht weniger als zwölf Neuakquisitionen, die Aurelius im vergangenen Jahr vollziehen konnte, acht davon im Rahmen von sogenannten Add-on-Akquisitionen zur Stärkung bestehender Tochterunternehmen. Als neue Plattform-Investitionen kamen der weltweit tätige Multikanal-Buchhändler Bertram Books, der Home-Shopping-Anbieter Ideal Shopping Direct, der Wasser- und Abwasserarmaturenherstellers VAG und der norwegische Großhändler für automobile Ersatzeile Hellanor hinzu. Von portfolioerweiternden Add-on-Akquisitionen konnten vor allem die Aurelius-Töchter Ghotel, Solidus und die Scandinavian Cosmetics-Gruppe profitieren.

Positive Überraschungen auch beim Ertrag

Ertragsseitig wurden die zuletzt arg gedrückten Erwartungen zumindest erreicht. So wurde das operative EBITDA – also ohne Berücksichtigung von Buchgewinnen aus dem Beteiligungsverkauf und von Bargain-Purchase-Effekten aus dem Beteiligungserwerb – mit 103,0 Mio. Euro im Rahmen der Vorstandsprognosen gehalten. Was allerdings als großer Erfolg einzustufen ist, schließlich konnten einige der überdurchschnittlich profitablen Unternehmen, die 2017 noch zum Konsolidierungskreis zählten, nach ihrem Verkauf naturgemäß nicht länger zum operativen Ergebnis beitragen.

Dass die Erträge aus Beteiligungsverkäufen mit gerade einmal 6,5 Mio. Euro so niedrig ausfielen, geht auf eine bewusste Entscheidung des Vorstands zurück und belegt, dass dieser nicht auf die kurzfristige Aktienkursmaximierung fixiert ist. Vielmehr sollten die positiven Gewinnentwicklungen der verkaufsreifen Unternehmen noch weiter vorangetrieben werden, um dann 2019 nochmals höhere Verkaufspreise erzielen zu können.

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Mit Aurelius machen Sie alles richtigAurelius führt aktuell 20 Tochter-Gesellschaften, die stark in ihrer Nische und oft Marktführer sind – und es kommen immer mehr dazu: › mehr lesen

Mehrere Beteiligungen auf der Verkaufsliste

Dass im Geschäftsjahr 2019 mit mehreren lukrativen Verkäufen zu rechnen ist, wurde von Vorstandschef Dr. Dirk Markus in einem Aktionärsbrief bereits zum Jahreswechsel bestätigt. Welche Auswirkungen diese haben könnten, wird in der Financial Community seither heftig diskutiert. Schließlich könnten sie – wie wir im Geschäftsjahr 2017 gesehen haben – erheblich sein: Damals waren Buchgewinne von knapp 194 Mio. Euro erzielt worden.

Zu einem ähnlichen Ergebnis könnte bereits der Verkauf einer einzigen Beteiligung, nämlich von Solidus, einem der größten europäischen Hersteller von Vollpappe und bedruckten Kartonagen, führen. Nach unserer Ansicht könnten Exit-Multiples erzielt werden, die deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 9,5 liegen.

Zweistellige Dividendenrendite möglich?

Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Dividende. Diese setzt sich bei Aurelius traditionell aus zwei Komponenten zusammen: Aus der Basisdividende, die von der Verwaltung bereits auf 1,50 Euro je Aktie festgesetzt wurde, und der Partizipationsdividende. Wie der Name andeutet, werden zu deren Berechnung die während des Zwölfmonatszeitraums vor der jeweiligen Hauptversammlung erwirtschafteten Exit-Erlöse herangezogen.

Da die Exit-Erlöse bis zur nächsten Hauptversammlung noch nicht feststehen, weichen die Prognosen der Analysten, trotz der von Aurelius angestrebten Dividendenverstetigung, deutlich voneinander ab. Sollte der Verkauf von Solidus aber tatsächlich den erwarteten Rekordgewinn ermöglichen, könnte die Partizipationsdividende höher ausfallen, als derzeit von den meisten geschätzt. Dann wäre auf Basis des aktuellen Aktienkurses eine Dividendenrendite von über 10% erreichbar – und die Aurelius-Aktie wieder im Visier der Dividendenjäger.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.