Ist das schon die Wende?

Der DAX-Index ist heute stark. Aber Vorsicht ist geboten! Auf was Sie jetzt besonders achten müssen, das verrät Ihnen Michael Sturm hier: (Foto: Deutsche Börse AG)

Nicht nur der schwelende „Nordkorea-Konflikt“ sorgt zurzeit dafür, dass Anleger Aktien nur mit spitzen Fingern anfassen.

Denn morgen ist es wieder soweit: Die europäische Zentralbank (EZB) tagt, und im Anschluss findet die übliche Pressekonferenz statt.

Dort wird EZB-Chef Mario Draghi diesmal eine besonders schwere Aufgabe diplomatisch zu lösen haben:

Er muss die Märkte auf steigende Zinsen vorbereiten, ohne sie zu verschrecken.

Denn die jüngsten Inflations-, Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten lassen keine Zweifel aufkommen: Die europäische Wirtschaft läuft gut.

Er weiß aber auch, dass steigende Zinsen lediglich den Banken gefallen, den deutschen exportorientierten Unternehmen gefällt dies ganz und gar nicht.

Der Euro ist bereits gegenüber Dollar und Yen gestiegen und würde durch entsprechende Zins-Maßnahmen weiter bekräftigt.

Ein steigender Euro-Kurs bedeutet aber auch eine Verteuerung exportierter Waren, und dies könnte den Aufschwung abbremsen.

Vor dieser Crux steht die EZB nun. Es wird morgen also spannend werden, wenn es wieder heißt: „Mario, erzähl uns etwas!“

In diesem Umfeld versucht der DAX-Index aktuell einen Boden zu finden. Schauen wir auf den kurzfristigen 1-Monats-Chart des DAX-Index:

DAX 060917 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stunden-Balken)

DAX-Index kratzt am kurzfristigen Abwärtstrend

Der DAX-Index hat in den vergangenen 4 Wochen immer wieder versucht, die Widerstands-Linie bei 12.325 Punkten anzulaufen (rote Horizontal-Linie).

Doch die Politik machte ihm einen Strich durch die Rechnung und würgte die Versuche jäh ab.

Ich habe Ihnen im Chartbild die Ereignisse eingezeichnet (schwarze Pfeile), die den Index kurz und heftig nach unten drückten.

Zuletzt gelang dem Index ein Erholungs-Versuch, der ihn an die obere Begrenzung des flachen kurzfristigen Abwärts-Trendkanals brachte (obere blaue Trendlinie).

In der Zeit, in welcher ich Ihnen diese Zeilen schreibe, lugt der DAX sogar in Richtung des grünen Pfeils über diese Trendbegrenzung.

Dies muss sich freilich noch durch den Tagesschlusskurs bestätigen.

Denn die US-Börsen werden am Nachmittag wieder Einfluss auf den DAX-Index nehmen und könnten diesen je nach Nachrichtenlage doch wieder zurückdrücken.

Dennoch sieht es ganz gut aus; das Momentum stimmt.

Aber bevor Euphorie ausbricht: Morgen tagt die EZB, und dem DAX-Index kommt rein charttechnisch auch sehr schnell die 12.325er-Widerstands-Marke entgegen.

Kurzfristiges Fazit

Der DAX-Index kanndie Chance ergreifen und die wichtige Widerstands-Marke bei 12.325 Punkten anlaufen.

Erst ein Überwinden dieses Widerstands würde den DAX-Index befreien und weiteres Potenzial ermöglichen.

Achten Sie also auf diese Marke bei 12.325!

Im mittelfristigen 1-Jahres-Chartbild des DAX-Index bestätigt sich das Stabilisierungs-Bild:

DAX 060917 1J

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Abwärtstrend geknackt? – Erst ab 12.325 neues Potenzial

Im mittelfristigen 1-Jahres-Chartbild sehen Sie zunächst die obere Trendbegrenzung des Aufwärtstrends (dunkelblaue Trendlinie).

An dieser Trendlinie hangelte sich der DAX-Index seit etwa 1 Jahr nach oben, bis es schließlich im Mai zum Stocken der Aufwärts-Rally kam.

Seitdem befindet sich der Index bereits in der Konsolidierung und hat einen gut zu erkennenden Abwärts-Trendkanal etabliert (roter Trendkanal).

Innerhalb des roten Trendkanals konnte der DAX-Index heute die obere Begrenzung vorübergehend überwinden. Ob das jetzt schon der Durchbruch nach oben war, bleibt noch abzuwarten.

So ganz kann man in diesen Tagen den Kursbewegungen noch nicht trauen. Zu viele Fehlsignale der vergangenen Wochen mahnen zur Vorsicht!

Sollte ihm allerdings der Sprung darüber gelingen, dann wird die 12.325-Punkte-Marke der alles entscheidende Knackpunkt (schwarze Horizontal-Linie).

An diesem Niveau herrscht ein stärkerer Widerstand, der nicht nur im Juli gleich 5x seine Kraft unter Beweis stellte, sondern sogar schon Anfang April für einen Wendepunkt sorgte.

Ein Überwinden des 12.325er-Widerstands-Niveaus würde die Konsolidierungs-Phase im DAX-Index beenden und könnte der Startschuss für eine neue Aufwärts-Rally sein.

Doch auch die Risiken nach unten müssen wir beachten:

Was nicht passieren darf:

Der DAX-Index sollte nicht noch ein weiteres Fehlsignal produzieren und am Tagesende wieder in den roten Abwärtstrend zurückfallen.

Denn dann wäre eine Umkehr unumgänglich und es stünde ein sofortiger Test der 11.900 Punkte auf dem Plan.

Wird er nach unten verlassen, dann drohen weitere Abverkäufe bis 11.500 Punkte.

Mittelfristiges Fazit:

Es sieht wieder nach einem Silberstreif am Horizont aus.

Nach den zähen und langen Konsolidierungs-Wochen seit Mitte Juni kann der DAX-Index sich nun zunächst einmal etwas befreien.

Was dann möglich ist, werden wir sehen, wie er sich an der 12.325er-Marke verhält.

Merke: Draghi und Nordkorea können dem Ganzen ganz schnell einen Strich durch die Rechnung machen.

Abschließend noch die Betrachtung des langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index:

DAX 060917 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochen-Balken)

Langfristhausse intakt, mittelfristig die Kuh noch nicht vom Eis

Im 10-Jahres-Chartbild bleibt der langfristige Trend (dunkelblauer Trendkanal) übergeordnet und völlig intakt!

Da ändert auch die seit Juni andauernde Abwärts-Bewegung nichts.

Sie ist im Chartbild lediglich als kleines Häkchen rechts im mittelfristigen Aufwärtstrend (grüner Trendkanal) sichtbar.

Ich habe Ihnen mit einem grünen Pfeil einen Punkt markiert, der von mittelfristiger Wichtigkeit ist.

Denn sollte er unterschritten werden, wäre der grüne mittelfristige Trendkanal passé und es könnte zu einer ausgedehnteren Konsolidierung kommen.

Noch hält er allerdings, mit dem heutigen Handelstag könnte der DAX-Index jedoch die Chance ergreifen, dass dies tatsächlich gelingt.

Fazit

Die seit Juni andauernde Konsolidierung könnte zunächst beendet sein. Dennoch bleibt auf jeden Fall abzuwarten, ob die Kraft reicht, um auch die 12.325er-Marke zu überwinden.

Denn sogenannte „Bullen-Fallen“ haben wir im Sommer mehrfach erleben dürfen.

Und nicht zu vergessen: EZB-Chef Mario Draghi spricht erst morgen, und der Nordkorea-Konflikt schwelt ebenfalls weiter.

Mein Rat:

Noch die Finger ruhig halten! Erst bei Überwindung der 12.325er-Marke bieten sich Long-Positionen an. Beachten Sie an der Unterseite die 11.900er-Marke!

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!