Ist die Henkel-Aktie jetzt ein Schnäppchen-Kauf?

Die Henkel-Aktie: Schön und klebrig. Aber winken aktuell auch Gewinne, die sich gewaschen haben? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Henkel-Aktie gilt als ein Ausbund von Beständigkeit.

Heute gibt das DAX-Mitglied mehr als -5% nach: Ein laut eigener Aussage „verhaltener Start“ in das Geschäftsjahr 2018 sorgt bei den Aktionären für Enttäuschung.

Auf dem nun erreichten Niveau notiert der Titel fast -19% unter dem Rekordhoch von 129,90 Euro, das im Juni des vergangenen Jahres markiert wurde.

Das klingt doch ganz nach einem „Schnäppchen“ für Privatanleger?. Wir schauen uns vor allem einmal an, was die Charttechnik dazu sagt.

Henkel: Einzigartiges Marken-Portfolio

Der vielleicht wichtigste Grund für die hohe Beständigkeit von Henkel: Der Konzern nennt ein Fülle von bekannten Marken sein eigen, die sich auf die 3 Geschäftsbereiche Adhesive Technology (Klebe-Technologien), Beauty Care (Schönheitspflege) sowie Laundry & Home Care (Waschen und Hausartikel) verteilen.

Produkte wie Pattex, Pritt, Ponal, Schwarzkopf, bac, Fa, Gliss, Schauma, Theramed, 3 Wetter taft, Poly Color, Persil, Der General, Perwoll, Pril, Sidolin, Somat, Spee, Weißer Riese oder WC Frisch kennt beinahe jedes Kind. Und das sind längst nicht alle.

Doch es ist nicht allein der Bekanntheitsgrad dieser Marken: Für die Beständigkeit des Henkel-Geschäfts sorgt üblicherweise die Tatsache, dass diese Produkte in unserem Alltag stetig benötigt werden.

Diese Beständigkeit drückte sich auch im Kursverlauf der Aktie aus: Seit dem letzten bedeutenden Tief bei 17,50 Euro im Februar 2009 hat sich der Wert der Aktie um +642% vervielfacht.

Die Langfrist-Analyse

Daher macht es also durchaus Sinn, über einen „Schnäppchenkauf“ der Henkel-Aktie nachzudenken.

Bei einer Basisanalyse, wie in diesem Fall, ist es stets hilfreich, sich zunächst einmal einen Überblick zu verschaffen. Das funktioniert am besten mit einem Langfrist-Chart:

Langfrist-Check Henkel-Aktie: Seit 2015 im Verkaufssignal

Der Relative Stärke Index (RSI) misst die Trend-Intensität eines Marktes. Die von mir bevorzugte Nutzung dieses Indikators hatte ich hier in Chartanalyse-Trends schon mehrfach vorgestellt:

Da auch der RSI Trends ausbildet, lässt sich der Indikator hervorragend mit Trend-Linien analysieren. In einem Langfrist-Chart macht das den 14-Monats-Relative Stärke Index zu einem Frühindikator mit Tragweite!

Der Kursverlauf der Henkel-Aktie belegt diese Eigenschaft einmal mehr: Wie Sie im Chart sehen, wurde der seit dem Jahr 2009 bestehende Aufwärtstrend bereits im August 2015 (!) nach unten verlassen.

Trotzdem hat die Henkel-Aktie im Anschluss noch neue Hochs ausgebildet, werden Sie nun denken. Und damit haben Sie natürlich recht. Allerdings:

Zweifache Divergenz signalisiert Ungemach

Im Chart sehen Sie auch, dass seither eine zweifache Divergenz (Abweichung) ausgeprägt wurde: Die nach 2015 erreichten Tops im Aktienkurs wurden vom RSI nicht mehr durch ebenfalls höhere Hochs bestätigt.

In der Charttechnik signalisiert Ihnen eine Divergenz, dass ein Trend-Wechsel bevorsteht. Und dieser ist schon seit August 2017 im Chart als Bruch des Aufwärtstrends seit 2009 erkennbar.

Die eingezeichneten älteren Abwärtstrends (Ziffern 1 und 2) machen Ihnen deutlich, wie lange eine Abwärtsbewegung in der Henkel-Aktie andauern kann. Und das Problem mit Abwärtstrends ist: Sie wissen zu Beginn nie, wie weit sie den Kurs nach unten führen kann:

Wenn Sie im ersten Abschwung nach dem 1998er-Hoch eingestiegen wären, hätten Sie 7 Jahre auf ein Ende der Seitwärts-Bewegung warten müssen. Da hätte Ihr Kapital gewiss erfolgreicher eingesetzt werden können.

Und beim 2. Abschwung hätten Sie nahezu eine Halbierung Ihres Einsatzes hinnehmen müssen. Neben den mentalen Problemen, die so etwas bei uns verursacht, brauchte es rund 2 Jahre, damit Sie Ihren Einstandspreis wieder gesehen hätten.

Fazit

Beständigkeit hin oder her: Auch eine Henkel-Aktie unterliegt Trend-Phasen, in denen es für den Kurs nicht sonderlich erfreulich läuft.

Der neueste Abwärtstrend im DAX-Mitglied ist noch nicht sehr alt. Und die zweifache Divergenz kündigt Ihnen weiteres Ungemach an. Eine Analyse kurz- und mittelfristiger Charts erübrigt sich somit hier:

Da es sich um ein langfristiges Verkaufssignal handelt, sollten Sie besser nicht an der Schnäppchen-Idee „kleben“. Es gibt derzeit gewiss „schönere“ Aktien, mit denen Sie Gewinne erzielen können, die sich „gewaschen“ haben!

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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