Ist diese Biotech-Perle zu Recht im Sinkflug?

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Gilead Sciences ist für revolutionäre Medikamente bekannt. Doch die Neuerungen blieben zuletzt aus. Wie geht es weiter? (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Der medizinische Fortschritt ist faszinierend. Ob Grippe, Hepatitis oder HIV – inzwischen gibt es eine Reihe Medikamente gegen diese ehemals todbringenden Viren. Maßgeblich beteiligt am medizinischen Fortschritt ist Gilead Sciences. Das Unternehmen entwickelt Therapeutika gegen Krebs und Infektionskrankheiten wie Grippe, Hepatitis und HIV. Im Bereich HIV ist Gilead Marktführer.

Gilead verfügt zurzeit über mehrere marktreife Produkte: Harvoni, Sovaldi, Atripla, Tamiflu, Vistide, Stribild, Hepsera, Atripla, Truvada und Emtriva. Die Produkte werden weltweit vermarktet. Roche, Pharmacia und Bristol-Myers Squibb sind strategische Partner. Doch wie steht es um die Aktie? Ob das Papier ähnlich revolutionäre Chancen bietet, wie die Medikamente des Unternehmens, wissen Sie nach dem Lesen unserer Analyse.

Schwache Ergebnisse mit Hepatitis-Medikament

Seit Jahren kämpft Gilead mit auslaufenden Patenten und damit einhergehenden Verlusten von Marktanteilen. Und daran hat sich auch im 1. Halbjahr nichts geändert. Denn obwohl der Umsatz mit 10,9 Mrd $ leicht über Vorjahresniveau lag und der Gewinn zulegte, fiel das 2. Quartal enttäuschend aus. Konkret kletterte der Gewinn pro Aktie um 18,1% auf 3,01 $. Der starke Anstieg ist in erster Linie auf positive Einmaleffekte und das laufende Aktienrückkaufprogramm zurückzuführen. Die Anzahl ausstehender Aktien ging im Vorjahresvergleich um weitere 3% auf 1,3 Mrd Stück zurück.

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Operativ läuft es nicht gut. Die Hepatitis-C-Medikamente Harvoni und Epclusa waren jahrelang die Kassenschlager. Gemeinsam machten sie ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Wie schnell sich ein Milliardenprodukt in Luft auflösen kann, demonstrierte das vergangene Jahr, indem Harvoni nicht einmal den Einzug in die Top 5 schaffte. Der Umsatz brach um 72% auf 1,2 Mrd $ ein. Auch die im HIV-Bereich angesiedelten Impfstoffe wie Genvoya und Odefsey entpuppten sich nicht als die erhofften Langfristerfolge. Während der Umsatz im vergangenen Jahr noch um 30,2% auf 6,2 Mrd $ kletterte, knickten sie im 1. Halbjahr schon wieder ein. Der aktuell einzige Hoffnungsträger ist die hochwirksame HIV-Arznei Biktarvy, deren Umsatz sich verachtfachte.

Wo ist das nächste große Ding?

Der Forschungs- und Entwicklungsvorstand war mit der Entwicklung scheinbar nicht zufrieden. John McHutchison hat im Juli das Unternehmen verlassen. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Inwiefern sich dieser „Brain-Drain“ auf Gilead auswirkt – wir wissen es nicht. Schlimmer wiegt aber, dass sich als Kassenschlager angepriesene Medikamente als Rohrkrepierer erweisen können. Das nächste große Ding ist bei Gilead aktuell nicht absehbar. Da hilft auch das laufende Aktienrückkaufprogramm dem Kurs nicht wirklich auf die Sprünge. Meiden Sie die Aktie!


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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