Ist Fiat Chrysler bald ein chinesischer Autobauer?

FCA hat das Interesse des chinesischen Autobauers Great Wall geweckt – Einigung vorstellbar, aber Genehmigung könnte problematisch werden. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der italienisch-amerikanische Automobil-Hersteller Fiat Chrysler (FCA) hat offenbar das Übernahme-Interesse des chinesischen Automobil-Herstellers Great Wall Motors (GWM) geweckt.

Ein Sprecher von GWM bestätigte Gerüchte aus der Vorwoche, dass zumindest die FCA-Marke Jeep ganz oben auf der Wunschliste steht.

Ob sich das Kronjuwel des Konzerns allerdings herausschlagen lässt, ist ungewiss.

Sehr gut möglich ist, dass FCA die große Lösung bevorzugt und dann eine Komplett-Übernahme wünscht.

FCA-Aktie legt zu

Im Zuge der Übernahme-Spekulationen zog die FCA-Aktie in den vergangenen Tagen stark an und markierte heute Morgen im Xetra-Handel mit 11,80 € den höchsten Stand seit über 10 Jahren.

Dies zeigt Ihnen, dass nicht wenige Marktteilnehmer auf eine FCA-Übernahme setzen. Doch die hohen Erwartungen an einen gewinnbringenden Deal könnten enttäuscht werden.

GWM mit klugen Kalkül

FCA stellte klar, dass es keine Gespräche mit GWM über Jeep oder den Gesamtkonzern gebe.

Die Übernahme-Chance ist also nicht unmittelbar. Von Seiten GWMs heißt es jedoch, dass man den Übernahme-Kandidaten zu Gesprächen einladen wolle.

Normalerweise ist es unüblich für den Bieter, zu so einem frühen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit zu gehen.

Denn die Aussicht auf einen Deal treibt die Aktie des Übernahme-Kandidaten. Ein Angebot muss dann höher ausfallen, um die gleiche Überzeugungskraft zu haben.

In diesem Falle ist der öffentliche Weg jedoch gut durchdacht:

  • Zum einen soll damit gewährleistet werden, dass die Öffentlichkeit frühzeitig vom chinesischen Bieter erfährt. Dann kann GWM besser abschätzen, wie groß der Druck ist und in Erfahrung bringen, ob ein Übernahme-Angebot – bzw. ein Jeep-Kauf – Sieges-Chancen hat.
  • Zum anderen ist der öffentliche Weg für die Finanzierung besser. GWM wird im Gegensatz zu vielen anderen chinesischen Autobauern nicht staatlich kontrolliert. Der Bieter braucht mehr Kapital für die Übernahme als er selbst an der Börse wert ist und kann nicht auf staatliche Kanäle vertrauen.

Übernahme-Plan könnte FCA aufgrund hoher Entwicklungs-Kosten für die E-Mobilität gefallen

FiatChrysler könnte einem Übernahme-Plan durch General Wall positiv gegenüber stehen.

Das Unternehmen hatte sich selbst auf Partner oder Käufersuche begeben, um im Rennen um die vorderen Plätze der Elektromobilität besser mithalten zu können.

Die Entwicklungs-Kosten sind sehr hoch und entsprechend wichtig ist der Schulterschluss. Hinzu kommt, dass abseits der Konzerntochter Jeep FCA zuletzt schlechte Zahlen vorlegte.

CFIUS als größter Stolperstein

Sollten Käufer und Verkäufer sich am Ende auf eine Übernahme verständigen, bleiben dennoch große Hürden:

Die wohl größte ist einmal mehr die US-Behörde CFIUS, die prüfen müsste, ob eine Übernahme im Interesse der Amerikaner ist.

Nachdem Präsident Donald Trump mehrfach vor der Wirtschaftsmacht im Osten warnte und die Spannungen zuletzt wieder zunahmen, würde ein Genehmigungs-Prozess kein Selbstläufer.

Da GWM privat gehalten wird – also das Interesse der chinesischen Regierung an einem Deal verhältnismäßig gering sein dürfte – und Trump ein „Nein“ ohne wirtschaftlichen Schaden politisch sehr gut für sich nutzen könnte, ist die CFIUS eine extrem hohe Hürde.

Aber wer weiß:

Wenn FCA und GWM sich einigen und sie Trump die Übernahme als Sicherung amerikanischer Arbeitsplätze im Zeitalter der Elektromobilität verkaufen können, ist ein Deal durchaus denkbar.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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