IT-Dienstleister: Atos bietet 10 Mrd. Dollar für DXC Technology

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Ein überraschendes Übernahmeangebot hat in der letzten Woche für Schlagzeilen gesorgt: Der französische IT-Dienstleister Atos will den amerikanischen Mitbewerber DXC Technology schlucken. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Heute möchte ich Ihnen über ein Übernahme-Angebot berichten, bei dem der Hauptakteur nicht aus dem Übernahme-Mekka, den Vereinigten Staaten von Amerika, stammt. Interessant ist auch, dass die Offerte auf satte 10 Mrd. US-Dollar taxiert wird.

Der französische IT-Dienstleister Atos SE (SE steht für: Societas Europaea, deutsch: Europäische Aktiengesellschaft) hat dem US-amerikanischen Mitbewerber DXC Technology völlig überraschend ein Übernahme-Angebot unterbreit. Dies bestätigten beide Unternehmen in getrennten Pressemitteilungen.

DXC Technology teilte mit, dass das Unternehmen nicht mit einem Übernahme-Angebot seitens Atos gerechnet habe. Die Direktoren des US-Unternehmens lehnten das Angebot aber nicht postwendend ab, sondern gaben an, das „unaufgeforderte, vorläufige und unverbindliche Angebot von Atos SE“ prüfen zu wollen.

Auch Atos bestätigte, dass es mit DXC Technology bezüglich einer möglichen freundschaftlichen Übernahme Kontakt aufgenommen habe. Ziel der möglichen Transaktion sei es, „einen Digital Services Leader zu schaffen, der von globaler Größe, Know-how und Innovation profitiert“.

In den kurzen Statements wird kein Angebotspreis genannt. Die Nachrichtenagentur Reuters will aber aus gut informierten Kreisen erfahren haben, dass die mögliche Transaktion mit mehr als 10 Mrd. US-Dollar (USD) bewertet worden ist.

Atos will zum weltweit größten IT-Dienstleister aufsteigen

Ein Blick auf die Zahlen der beiden Unternehmen zeigt, dass es sich um riesige Konzerne handelt. Atos ist ein weltweit führender Anbieter für die digitale Transformation mit 110.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 12 Mrd. Euro. Das französische Unternehmen hat einen Börsenwert bzw. Marktkapitalisierung von 7,16 Mrd. Euro (9,3 Mrd. USD).

Als europäischer Marktführer für Cybersecurity sowie Cloud und High Performance Computing bietet die Atos Gruppe maßgeschneiderte, ganzheitliche Lösungen für alle Branchen in 73 Ländern. Der mit Abstand größte Aktionär des Pariser Unternehmens ist übrigens mit 11,43% der Pensionsfonds der Siemens AG.

Die in Tysons Corner/Virginia ansässige DXC Technology entstand 2017 aus einer Fusion der Computer Sciences Corporation mit der Dienstleistungssparte Enterprise Services von Hewlett Packard. Die 138.000 DXC-Mitarbeiter erwirtschafteten 2020 einen Umsatz von 19,6 Mrd. USD. DXC Technology hat einen Börsenwert von 6 Mrd. Euro (7,3 Mrd. USD).

DXC Technology hat etwa 6.000 Kunden in über 70 Ländern. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben der weltweit größte unabhängige Anbieter von End-to-End IT-Services. Konkret hilft DXC globalen Unternehmen, ihre wichtigen Systeme und Geschäftsprozesse zu betreiben und gleichzeitig die IT zu modernisieren, Datenarchitekturen zu optimieren und Sicherheit und Skalierbarkeit in öffentlichen, privaten und hybriden Clouds zu gewährleisten.

DXC Technology ist angeschlagen

Auf den ersten Blick sind die Zahlen von DXC beeindruckend. Schaut man jedoch tiefer in die Bücher, so wird offensichtlich, dass das Unternehmen aus Virginia in den letzten Jahren keine gute Entwicklung durchlaufen hat.

So hatte der Konzern in 2018 noch einen Umsatz von 24,56 Mrd. USD, in 2019 waren es nur noch 20,75 Mrd. USD (-18,6%) und in 2020 sogar nur 19,58 Mrd. USD (-6%). Parallel dazu stieg die Gesamtverschuldung des Unternehmens von 7,4 Mrd. USD im Jahr 2019 auf 9,9 Mrd. USD im Jahr 2020.

Zwar hat der 2019 zum DXC-Chef (CEO – Chief Executive Officer) ernannte Mike Salvino begonnen, einzelne Sparte von DXC zu verkaufen, aber das konnte die finanziellen Probleme des IT-Dienstleisters nicht wirklich beheben.

Atos ist Übernahmespezialist

Atos hat in den letzten Jahren eine Reihe von Zukäufen getätigt. So schluckten die Franzosen im Dezember 2020 das Wiener Cybersecurity-Beratungsunternehmen SEC Consult sowie im Oktober 2020 Paladion und digital.security, die ebenfalls im Bereich Cybersecurity aktiv sind.

Im April 2020 übernahmen die Franzosen die auf künstliche Intelligenz spezialisierte Miner & Kasch und 2019 die US-amerikanische Cloud-Beratungsgruppe Maven Wave, das Cybersicherheitsunternehmen IDnomic und den Energiespezialisten X-Perion.

So reagierten die Börsen

Als die Übernahmegerüchte am 7. Januar bestätigt wurden, sprang der Kurs der DXC-Aktien an der New Yorker Börse um 9,3% auf 28,91 USD. Auch am Freitag konnte der Kurs der DXC-Papiere weitere 2,4% gewinnen und ging mit 29,60 USD ins Wochenende.

Investoren spekulieren also darauf, dass das Übernahmeangebot umgesetzt werden kann und decken sich mit den DXC-Papieren ein, um einen Übernahmeaufschlag mitzunehmen.

Der Kurs der Atos-Aktie stürzte am Donnerstag an der Pariser Börse um satte 13% auf 67,10 Euro ab. Die Investoren sind offensichtlich der Meinung, dass der gebotene Preis von 10 Mrd. USD für ein schwächelndes Unternehmen zu hoch ausgefallen ist. Immerhin liegt die Offerte um fast 3 Mrd. USD über dem Börsenwert des US-Unternehmens.

Wie die Prüfung des Übernahmeangebots durch DXC ausfallen wird, ist ungewiss. Falls es tatsächlich zu einer Übernahme kommen sollte, werde ich Sie darüber auf dem Laufenden halten.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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