IT-Sektor: Adobe schluckt Workfront für 1,5 Mrd. Dollar

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Der US-Software-Riese Adobe kauft den Projektmanagement-Spezialisten Workfront. Für den Megadeal legt Adobe stolze 1,5 Mrd. US-Dollar auf den Tisch. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

In der vergangenen Woche gab es eine wahre Flut an Mega-Deals, also Übernahmen, deren Kaufpreis oberhalb der 1-Mrd.-Dollar-Grenze lagen. Einen solchen Mega-Deal aus dem US-amerikanischen IT-Sektor möchte ich Ihnen heute präsentieren.

Der Software-Riese Adobe Inc. und die im Privatbesitz befindlichen Softwareentwickler von Workfront gaben in der letzten Woche bekannt, dass sie eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet haben. Die im kalifornischen San Jose ansässige Adobe Inc. will die in Lehi/Utah beheimateten Spezialisten für Projektmanagementsoftware von Workfront für satte 1,5 Mrd. US-Dollar (USD) kaufen.

Adobe und Workfront im Kurzporträt

Bevor ich Ihnen die Details des Übernahmegeschäfts erläutere, möchte ich Ihnen die beiden Unternehmen kurz vorstellen. Adobe dürfte den meisten von Ihnen bekannt sein. Das Unternehmen entwickelt Software-Lösungen, die vor allem im Kreativbereich Anwendung finden.

Bekannteste Programme der kalifornischen Softwareschmiede sind das Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop, das PDF-Programm Adobe Acrobat Reader oder die Layout-Software Adobe InDesign. Die 22.634 Mitarbeiter der Adobe Inc. erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11,1 Mrd. USD.

Adobe wurde bereits 1982 gegründet und ist auch aufgrund der zahlreichen Übernahmen stetig gewachsen. So übernahmen die Kalifornier z. B. in 1994 die Firma Aldus, die das bekannte DTP-Programm Aldus PageMaker entwickelt hat.

In 2005 schluckte Adobe Macromedia für satte 3,4 Milliarden Dollar. Die Macromedia-Produkte Flash, Shockwave und Dreamweaver wurden danach in das Adobe-Portfolio integriert und weiterentwickelt. Vor zwei Jahren übernahm Adobe den E-Commerce-Spezialisten Magento für 1,68 Mrd. USD und den Entwickler von Marketingsoftware Marketo für stolze 4,75 Mrd. USD.

Workfront ist im Vergleich zu Adobe eine relativ kleine Softwareschmiede, die sich auf die Optimierung von Marketing-Workflows (Arbeitsabläufen) spezialisiert hat. Die von Workfront entwickelte Plattform ist agil und individuell für Unternehmen konzipiert. Sie verfügt über umfassende Integrationsfunktionen, die sich leicht konfigurieren lassen, um den unterschiedlichen Anforderungen von Unternehmen jeder Größe gerecht zu werden.

Workfront wurde in 2001 gegründet und konnte in 5 Finanzierungsrunden insgesamt 375 Mio. USD einwerben. Die knapp 1.000 Workfront-Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 230 Mio. USD.

Langjährige Partnerschaft

Die Workfront-Software ist mit APIs (Application Programming Interfaces – Programmierschnittstellen) ausgestattet, die eine nahtlose Verbindung zu Adobe Creative Cloud und Adobe Experience Cloud ermöglichen.

So arbeiten Adobe und Workfront schon seit einigen Jahren erfolgreich zusammen und haben in der Zeit einen gemeinsamen Kundenstamm von mehr als 1.000 Unternehmen aufbauen können. Hierzu zählen z. B. namhafte Firmen wie Deloitte, Under Armour, Nordstrom, Prudential Financial, T-Mobile und The Home Depot.

Adobe will Führungsposition ausbauen

„Adobe ist der unangefochtene Marktführer bei der Erstellung, Verwaltung, Bereitstellung und Messung von Inhalten und ein zuverlässiger Partner für führende Unternehmen im Bereich der digitalen Medien auf der ganzen Welt“, so Anil Chakravarthy, Vizepräsident von Adobe.

„Die Kombination von Adobe und Workfront wird Adobes Führungsposition im Bereich des Kundenerlebnismanagements weiter stärken und eine bahnbrechende Lösung bieten, die den gesamten Lebenszyklus digitaler Erlebnisse von der Idee bis zur Aktivierung abdeckt”, so Chakravarthy weiter.

Wie es weitergeht

Wie bei Übernahmen üblich, müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden dem Deal noch zustimmen. Die Transaktion soll bereits im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden. Der jetzige Chef von Workfront, Alex Shootman, wird seine bisherige Firma auch weiterhin leiten und an Adobes Vizepräsident, Anil Chakravarthy, berichten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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