Italien: Der nächste Akt im Banken-Drama

Die europäischen Banken geben seit einiger Zeit ein extrem negatives Bild ab.

Das gilt bei uns für die Deutsche Bank mit schwachen Zahlen und vielen Skandalen, aber v. a. auch für die italienischen Banken mit extrem angeschlagenen Bilanzen.

Es ziehen immer mehr dunkle Wolken über den europäischen Finanz-Instituten auf.

Jetzt sorgt die UniCredit aus Italien einmal mehr für Negativ-Schlagzeilen: Nach der jüngsten Bilanz-Vorlage sind die Aktien erst einmal vom Handel ausgesetzt worden.

Dazu muss man kein Börsen-Kenner sein, um hieraus zu schließen: Bei der UniCredit läuft wohl einiges schief.

So hat die Bank zwar einen höheren Gewinn ausgewiesen als erwartet – das sollte eigentlich ein Grund zum Jubeln bei den Investoren sein.

Die Kapitaldecke bei der UniCredit schrumpft immer weiter

Doch das ganze Drama um die UniCredit wird an einer anderen Kennziffer deutlich: So ist die Kapitaldecke der Bank im 2. Quartal 2016 deutlich schneller geschrumpft als von den Analysten erwartet.

So ist die maßgebliche Kernkapitalquote auf nur noch 10,33% abgesunken. Das entspricht noch einmal einem Abrutschen um immerhin 0,5% im Vergleich zum 1. Quartal des laufenden Jahres.

Hier wirkt sich eine bilanzielle Neuregelung auch negativ aus: Latente Steueransprüche der Bank dürfen jetzt nicht mehr dem Eigenkapital zugerechnet werden.

Inwieweit das die Stabilität der Bank gefährdet, ist an dieser Stelle gar nicht so wichtig. Dieser kleine Punkt zeigt Ihnen aber eines:

Banken haben in den Bilanzen so viele Möglichkeiten verschiedene Schwächen zu überdecken, dass derzeit überhaupt nicht klar ist, wie stark die Kapitaldecke der italienischen Banken überhaupt noch ist.

Selbst ausgewiesene Bank-Spezialisten sagen mittlerweile ganz deutlich, dass sie sich eine komplette Analyse der Bilanzen europäischer Banken kaum noch zutrauen.

Seit der Finanzkrise sind eben kaum Schlupflöcher geschlossen worden.

Seit der Finanzkrise wird es immer schlimmer bei den Banken

Viel schlimmer noch: Die europäischen Banken haben immer mehr Chancen verschiedene Posten in der Bilanz zu verstecken. Bei den italienischen Finanz-Instituten ist das auch nötig.

Dieser gesamte Sektor ist angeschlagen. Laut aktueller Schätzungen schieben die italienischen Banken einen Berg an faulen Krediten von annähernd 400 Mrd. € vor sich her.

Bei diesen Summen kann kein europäischer Rettungsfonds tatsächlich Abhilfe schaffen. Der gesamte Sektor steht mit dem Rücken zur Wand – so wie eben jetzt die UniCredit mit der aktuellen Handels-Aussetzung.

Daher erneure ich hier meinen Appell: Nehmen Sie keine Bank-Aktien ins Depot – die Risiken sind einfach viel zu groß.

5. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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