Italien rutscht in die Rezession

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2 Schrumpf-Quartale in Folge – Italien ist Ende 2018 in die Rezession gerutscht. Doch die Regierung in Rom weist die Verantwortung von sich. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Italien steht erneut unter Druck: Zum Jahresende hin ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in eine Rezession abgerutscht. Zum zweiten Mal in Folge schrumpfte das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal – und bei zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit rückläufiger Wirtschaftsleistung sprechen Ökonomen von einer technischen Rezession.

Mit einem Minus von 0,2 Prozent ging die Wirtschaftsleistung zudem stärker zurück als von Experten erwartet. Sie hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang um 0,1 Prozent gerechnet. Die schlechten Nachrichten kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Regierung sieht Schuld für Rezession im Ausland

Gerade erst hatte Italiens populistische Regierung um Premier Giuseppe Conte den Haushaltsstreit mit der Europäischen Union entzerrt und sich auf eine Begrenzung der Neuverschuldung von 2 Prozent der Wirtschaftsleistung verständigt. Allerdings basieren diese Berechnungen auf der Annahme, dass Italiens Bruttoinlandsprodukt in 2019 um 1 Prozent wächst. Das wiederum erscheint derzeit kaum realistisch. Stattdessen rechnen Experten nunmehr lediglich mit einem Plus von 0,6 Prozent.

Die Situation könnte die Schuldenproblematik Italiens nun noch weiter verschärfen – zumal Conte keinerlei Verantwortung bei sich oder seiner Regierung sieht. Stattdessen macht er äußere Faktoren für die rückläufige Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Er argumentiert, der Handelsstreit zwischen den USA und China betreffe auch wichtige Handelspartner Italiens, wie beispielsweise Deutschland. In einer Art Dominoeffekt ziehen sich die negativen Auswirkungen demnach bis Italien durch.

Diese Annahme ist sicherlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Allerdings ist mit einer solchen Haltung wohl kein aktives Gegensteuern der italienischen Politik zu erwarten – eine geradezu fahrlässige Einstellung, die fatale Konsequenzen haben könnte. Zudem zeigen statistische Auswertungen, dass die rückläufige Entwicklung im Schlussquartal vor allem auf eine nachlassende Binnennachfrage zurückzuführen ist.

Probleme am Anleihenmarkt

Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe sukzessive zurückfährt. Das dürfte es für Italien schwieriger machen, eigene Papiere an den Märkten zu platzieren – zumal das Ausfallrisiko steigt durch die neuerlichen Rezessionsmeldungen. Dadurch werden die Zinsen noch einmal höher, die Italien für die Ausgabe seiner Staatsanleihen bezahlen muss – die Abwärtsspirale in Sachen Staatsverschuldung dreht sich also auch an dieser Stelle immer weiter.

Für Europa und insbesondere die Euro-Zone dürfte sich das Ganze zum Problem entwickeln. Doch gerade jetzt fehlen in Brüssel die Ressourcen, sich angemessen mit dieser Thematik auseinanderzusetzen – der nahende Brexit-Termin in weniger als 2 Monaten überlagert das Geschehen und dominiert die Agenda.

Dennoch ist davon auszugehen, dass der Warnschuss in Brüssel gehört wurde – anders als in Rom, wo Conte auf eine baldige Erholung der Wirtschaft setzt. Diesen Optimismus werden längst nicht alle seine Amtskollegen teilen, und an den Märkten ist die Stimmung gegenüber Italien ohnehin eher frostig.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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