Italienischer Minister bezeichnet Euro-Beitritt Italiens als historischen Irrtum

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Ende Mai dieses Jahres kochte kurzfristig im Zuge der Regierungsbildung in Italien die Angst vor dem Aufkeimen der Euro-Krise wieder hoch. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Massenmedial wird aktuell über die Lage im großen Krisenland Italien kaum bzw. wenig berichtet. Ende Mai war ja Italien in die Schlagzeilen geraten, als sich die Regierungsbildung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega abzeichnete. Die Angst vor einer neuen eurokritischen Administration in Rom war groß.

Die Lage beruhigte sich vorerst allerdings etwas, da unter anderem der Staatspräsident des Landes, Sergio Mattarella, es nicht zuließ, dass der ausgewiesene Euro-Skeptiker, der 81-jährige ehemalige Uni-Professor Paolo Savona, Wirtschaftsminister wurde. Wie sie vielleicht wissen wurde Herr Savona aber dann doch zum Minister ernannt, nämlich zum Europaminister.

Beitritt zum Euro historischer Irrtum

Und als solcher sorgte er in jüngster Vergangenheit wieder für Furore. Einige Anmerkungen von ihm genügten, um kurzzeitig Turbulenzen am italienischen Kapitalmarkt zu erzeugen. Der italienische Aktienmarkt gab nach, die Renditen für die italienischen Staatsanleihen schnellten nach oben. Was war passiert? Herr Savona sagte laut der Agentur Reuters nur, dass sich Italien auf alle Eventualitäten vorbereiten solle. Italien könnte in die Lage geraten, in der andere über das Schicksal des Landes entscheiden.

Wohl gemerkt, diese Anmerkungen eines Ministers genügten, um für Unruhe am Markt zu sorgen. Herr Savona erachtet ja den Beitritt Italiens zum Euro als historischen Irrtum. Darüber hinaus fordert er einen sog. Plan B für Italien. Zur Not müsse es für das Land möglich sein, aus der Währungsunion wieder auszuscheiden.

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Vorprogrammierter Streit mit Brüssel

Und die Drohkulisse eines Ausstiegs des großen Krisenlandes könnte schon wieder relativ rasch auf die Agenda kommen. Spätestens dann, wenn es zum „showdown“ der neuen Regierung mit der EU-Kommission in Sachen Staatshaushalt kommen wird. Die Regierung in Rom hat ja vor, die Sozialausgaben zu erhöhen und gleichzeitig die Steuern stark abzusenken.

Kurzum, das Haushaltsdefizit dürfte gewaltig ansteigen. Reuters schreibt in dem Kontext weiter, dass selbst der Chef der Notenbank Italiens, Her Visco, das Land für verwundbarer als noch vor zehn Jahren erachtet. Herr Visco merkte an, dass der Reformeifer abgeebbt sei. Gleichzeitig warnte er die neue Regierung davor, die Staatsverschuldung noch weiter in die Höhe zu treiben.

Ja, liebe Leser, die Warnung ist berechtigt. Schon jetzt ist der italienische Staatsschuldenberg irrsinnig hoch. Wir sprechen hier über eine Summe von fast 2,3 Billionen Euro bzw. 132 Prozent des italienischen BIP. Hinzu kommen hier ja noch die Target2-Verbindlichkeiten der italienischen Notenbank gegenüber dem Eurosystem in Höhe von sage und schreibe 465 Milliarden Euro (Stand Ende Mai 2018).

Nur am Rande sei erwähnt, dass die Deutsche Bundesbank auf der Gegenseite fast eine Billion (genau gesagt 976 Milliarden) Euro offene Target2-Forderungen aufweist. Die Verbindlichkeiten der einen sind die Forderungen der anderen. Am Ende wird es letztlich nur eine Frage der Zeit sein, ehe die Eurokrise auch massenmedial wieder voll ausbricht. Nutzen Sie die verbleibende Zeit, um ihr Vermögen krisenfest zu machen.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.