Italienischer Schuldenberg als Damoklesschwert für die europäische Wirtschaft

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Offiziell wurde ja schon längst das Ende der Schuldenkrise in Europa ausgerufen. Hinter den Kulissen machen sich die Verantwortlichen aber große Sorgen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Um die Schuldenkrise in Europa ist es ruhig geworden. Es wird lieber das Bild der schönen und heilen Euro-Welt nach außen hin aufrechterhalten. Naja, schon an dem Punkt werden kritische Stimmen anmerken, dass eine solche Welt bestenfalls eine illusionäre Scheinwelt sei. Punkt.

IWF macht sich große Sorgen

Hinter den Kulissen, in den Hinter- und Nebenzimmern der Politik und mächtigen Institutionen, sieht die Welt freilich gänzlich anders. Da wird Tacheles geredet. Spannend ist, dass wir in jüngster Vergangenheit uns immer mehr in unseren Analysen und Einschätzungen bestätigt fühlen. Offensichtlich machen sich die Verantwortlichen nach wie vor sehr große Sorgen aufgrund der ungelösten Schuldenkrise auf dem alten Kontinent.

Und hier tritt einmal mehr das große Krisenland im Süden, nämlich Italien, auf die Bühne. Der italienische Staat sitzt auf einem rekordhohen Schuldenburg von offiziell zugegebenen 2,3 Billionen Euro. Die Banken, ja das italienische Bankensystem ächzt unter der Last von Hunderten an Milliarden Euro an faulen Krediten. Gleichzeitig sieht es realwirtschaftlich, insbesondere im Süden des Stiefels, grottenschlecht aus. Extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit einer ganzen Generation dominieren das Geschehen.

Hinzu kommt politisch eine sog. „populistische“ Regierung, die es mit den Spar-Vorgaben aus dem fernen Brüssel nicht ganz so genau nehmen will. Kein Wunder also, dass einer Reuters Meldung zufolge selbst der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem internen Bericht Italien als großes Risiko für die Wirtschaft der Euro-Zone erachtet. Das ist schon ein Wort und bestätigt unsere seit langem bestehende skeptische Einschätzung der Lage.

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Ja, liebe Leser, nun drohen Italien disziplinarische Schritte der EU-Kommission wegen seiner Haushaltspolitik. Diese disziplinarischen Maßnahmen wären die Grundlage für eine mögliche strengere Aufsicht über die Finanzplanung des Krisenlandes. Und jetzt wird es spannend, sehr spannend. Natürlich ist die Regierung in Rom alles andere als gewillt, sich bedingungslos dem Diktat aus Brüssel zu unterwerfen. Im Hintergrund trifft Italien erste Vorbereitungen für eine Parallelwährung zum Euro.

Die Abgeordneten in Rom ermöglichten es der Regierung, die ausstehenden Milliardenschulden des italienischen Staates gegenüber den einheimischen Unternehmen unter anderem durch die Ausgabe von sogenannten Bots zu bezahlen. Bot ist eine Abkürzung für »Buono ordinario del tesoro«. Dabei handelt es sich um Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit (maximal zwölf Monate). „Erfinder“ dieser neuen „Währung“ ist der Top-Ökonom Prof. Borghi von der Lega-Nord.

Ein Schelm, wer nun daran denkt, dass diese Bots das perfekte Druckmittel, die perfekte Parallelwährung Roms gegenüber Brüssel werden. Die Eurokrise steuert mit den Bots auf einen neuen Höhepunkt zu. Sicher ist, dass es extrem spannend werden wird. Die Italiener sollten jedenfalls keinesfalls unterschätzt werden…


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.